Donnerstag, 2. Juli 2015

Kunststrom tanken bei GREEN CITY

Warum ihr euer Ladekabel mit ins Museum nehmen solltet

von Sarah Bauer

Eigentlich sieht es aus wie eine ganz normale Mülltonne. Das schwarze „Ottomobil“ der Künstlergruppe „Performance Electrics“ in der dritten Etage unserer aktuellen Ausstellung GREEN CITY. Wäre es nicht übersäht mit Steckdosen! „Kann man da echt sein Handy dran aufladen?“, fragt eine Besucherin ungläubig. Man kann – und man soll!
GREEN CITY ist eine Schau, die einlädt zum Blättern, Stöbern – und zum Stromanzapfen! Einzig ein passendes Ladekabel sollten Besucherinnen und Besucher mitbringen. Aber was hat es mit dieser ungewöhnlichen Tonne auf sich? Wieso kann man an ihr Strom tanken?

Ottomobil mit Kunststromkanister © LUDWIGGALERIE


Dazu gehen wir einige Etagen tiefer. Genauer gesagt in den Innenhof des Schlosses. Dort recken sich dunkelblaue Solarplatten auf einem im Boden versinkenden Strommast zum Himmel empor. Das Werk trägt den Titel „PV Guerilla“ – eine Abkürzung für „Photovoltaik Guerilla“ und ist ebenfalls ein Kunstwerk der Gruppe „Performance Electrics“. Der Strommast ist ein Gegenentwurf zur zentralisierten, industrialisierten Stromerzeugung. Mit seinen Solarzellen produziert er Kunststrom. Also Strom, der durch ein Kunstwerk erzeugt wird.
Der Mast ist allerdings nicht nur mit Solarplatten, sondern auch mit einem Modulwechselrichter ausgestattet. So kann man ihn an sein ganz normales Hausstrom-Netz anschließen, in das dann der Kunststrom fließt. Zapft man anschließend eine Steckdose an – wie etwa das Ottomobil – ist es auf einmal gar nicht mehr so seltsam, dass man dort sein Handy oder seinen Laptop aufladen kann.

PV Guerilla © LUDWIGGALERIE

„Performance Electrics“ ist jedoch nicht nur eine Künstlergruppe, sondern auch ein echter Stromanbieter. Der Kopf der Gruppe, Pablo Wendel, gründete 2012 die Performance Electrics gGmbH.
Gemeinsam mit Künstlern, Designern, Architekten aber auch Wissenschaftlern produziert das Unternehmen seitdem Kunststrom – in temporären Aktionen wie unserer Ausstellung oder auch mit dauerhaft bestehenden Skulpturen. Wie ganz normale andere Stromanbieter speisen „Performance Electrics“ den Kunststrom dann ins öffentliche Stromnetz ein.

Zusätzlich fördert jeder, der diesen Kunststrom bezieht, neue kreative Energie. Denn „Performance Electrics“ reinvestiert zu hundert Prozent in neue Kunststrom erzeugende Aktionen und Projekte.

So kann man sich das Prinzip von PV Guerilla und Ottomobil vorstellen © LUDWIGGALERIE

Hier könnt ihr euch genauer über diesen künstlerischen aber ganz realen Stromanbieter informieren. Wenn ihr euch das Ganze einmal live ansehen wollt, dann kommt doch einfach bei uns vorbei und besucht GREEN CITY! Ach ja. Ladekabel dann natürlich nicht vergessen!

Pablo Wendel © Performance Electrics

Kommentare:

  1. Sehr interessant!
    Ich persönlich interessiere mich sehr für Stromanbieter abseits der großen Konzerne. Ich selbst beziehe meinen Strom von einem eher unbekannten Anbieter (https://www.pullstrom.at/). Jetzt werde ich mich auch einmal genauer über Performance Electrics informieren...

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    1. Lieber Wolfgang!
      Es freut uns, dass Sie unser Blogbeitrag auf Performance Electrics aufmerksam gemacht hat. Die Künstlergruppe um Pablo Wendel ist sehr aufgeschlossen und freundlich und sicher für jede Frage von Ihnen offen. In unserer Ausstellung 2015 haben die stromerzeugenden Kunstwerke auf jeden Fall für verblüffte und interessierte Gesichter gesorgt.
      Viele Grüße,
      Sarah Bauer
      (LUDWIGGALERIE)

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