Donnerstag, 8. Oktober 2015

Komiker mit Nebenfach Cartoon

Auf ein Wort mit Ralph Ruthe

Er ist kein Enten-Fachmann, sieht sich in erster Linie als Komiker und hätte vielleicht mutmaßlich mal ein Nagelstudio aufgemacht: Cartoonist und Comiczeichner Ralph Ruthe verrät uns im Interview, wie er zum Witz findet, was ihn an animierten Comics so reizt und welchen wirklich wirksamen Tipp er für junge Comiczeichner hat.

Ralph Ruthe (m.) bei der Pressekonferenz zur Ausstellung "Ruthe Sauer Flix" (rechts Flix) © LUDWIGGALERIE


Der Baum, der Tod, die Ente. Jetzt mal raus mit der Sprache: Welche deiner Figuren ist am ehesten dein Alter Ego und wieso?

Also die Ente taucht bei mir ja eher selten auf – da ist Joscha (Anm.: Joscha Sauer, Zeichner der NICHTLUSTIG-Cartoons) eher der Fachmann! Ansonsten sehe ich mich ehrlich gesagt nur selten selbst in den von mir gezeichneten Figuren. Es sei denn, die von ihnen durchlebte Situation habe ich tatsächlich so ähnlich auch schon einmal erlebt. Dann ist es aber egal, ob sie von einem Fisch, einem Geier oder einem Baum dargestellt wird.

Apropos der Tod – der hat ja fast schon seinen festen Platz im Repertoire von Comedians. Wenn du mit solch klassischen Figuren arbeitest oder den typischen Inselwitz einbaust, wie kriegst du dann frischen Witz-Wind in die alten Klischees?

Ich zeichne einfach, was ich persönlich witzig finde und versuche, mich selbst ständig wieder zu überraschen. Wenn ich nicht drüber lachen kann, kann ich auch nicht erwarten, dass es anderen so geht. Nach dieser Regel erarbeite ich meine Ideen und Geschichten.


Ralph Ruthe in seiner Ausstellung "Ruthe Sauer Flix" © LUDWIGGALERIE

Du hast 2013 in einem Interview mit DIE WELT gesagt, dass du als Kind fasziniert davon warst, wie sich mit Bildern Geschichten erzählen lassen. Wieso bist du vom Comic zum Cartoon gewechselt; lassen sich Geschichten nicht besser in längeren Comicstrips erzählen als in einem einzigen Bild?

Ich sehe mich in erster Linie als Komiker und "nur" in zweiter Hinsicht als Geschichtenerzähler. Und zum Transportieren einer Pointe ist ein Cartoon meiner Ansicht nach das ideale Medium, obwohl ich auch weiterhin gern Comics zeichne.
In letzter Zeit hab ich mich dann aber auch mehr und mehr für Videos entschieden. Der Aufwand ist vergleichbar mit dem Comiczeichnen aber ich kann bei einem Film all meine Stärken ausspielen: Sprache, Musik, Sounddesign und Acting. Bei Comics geht das nicht.
 
Über 800.000 Fans auf Facebook. Social Media macht bekannt. Stell dir vor, dieses Internetz gäbe es gar nicht. Wie wäre deine Laufbahn dann – mutmaßlich – wohl verlaufen?

Vermutlich hätte ich mich inzwischen selbständig gemacht – mit einem kleinen Nagelstudio.

In deiner Anfangszeit hast du dich u.a. am amerikanischen Comic (z.B. Tom & Jerry) orientiert und dich dann mit den Jahren stilistisch immer weiter entwickelt. Welchen Tipp hättest du für junge Comic-Zeichner: Wie findet man am besten seinen eigenen Stil? 

Üben, üben, üben. Jeden Tag. Das ist mein einziger wirklicher Tipp. Der ist leider mit viel Arbeit verbunden, dafür funktioniert es hundertprozentig sicher.

Du hast Fernsehanfragen zu deinen Figuren abgelehnt, weil dir die dabei geplanten Änderungen an den Figuren zu groß gewesen wären. Schwimmst du gern gegen den Strom? 

Nein, ich schwimme einfach nur gerne mit MEINEM Strom. Ich kann nicht erwarten, dass andere in die gleiche Richtung wollen, aber wieso sollte es mich in ihre ziehen?

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