Donnerstag, 15. Oktober 2015

Kunstgeschichte – und dann?

Was eine Volontärin im Museum und ein Kunstwerk in der Kneipe macht

von Gesine Emmerich

Es gibt viele junge Menschen, die Kunstgeschichte studieren. Aber was macht man danach eigentlich? Wo führt das Interesse an Kunst, Epochen und Stilrichtungen hin? Unsere wissenschaftliche Volontärin Gesine Emmerich berichtet aus ihrem Arbeitsalltag, von der Begegnung mit Künstlern und welchen Tipp sie für angehende Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker sowie Kuratorinnen und Kuratoren hat.

Gesine Emmerich (M.A.), aktuell wissenschaftliche Volonträin der LUDWIGGALERIE © LUDWIGGALERIE


Einen klassischen Arbeitstag gibt es bei mir eigentlich gar nicht. Die E-Mails abzurufen, ist meist die einzige Routine. Jeder Tag ist anders und auch jede Ausstellung ist anders. Ich lerne viel darüber, wie Ausstellungen organisiert und geplant werden. Nicht nur in der Theorie, sondern auch, in dem ich bei vielen Sachen assistieren und mit anpacken kann. 

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung 

Eine Ausstellung beginnt nicht erst, wenn die ersten Besucherinnen und Besucher kommen, sondern schon lange im Voraus: Am Anfang gilt es, ein Thema zu finden, das in das Profil der LUDWIGGALERIE passt und dafür ein Konzept zu schreiben. Unsere Direktorin Dr. Christine Vogt plant das schon Jahre im Voraus. Dabei ist es wichtig, ob und wo man Kunstwerke ausleihen kann oder ob Werke aus der eigenen Sammlung infrage kommen.

Da braucht man manchmal ein sehr gutes Verhandlungsgeschick. Anschließend setzen wir Leihverträge auf und organisieren die Transporte. Das ist quasi die „Hardware“ der Ausstellung. Auch das Schreiben ist eine große Aufgabe, die mir viel Spaß macht. Neben dem Katalog sind es die vielen kleinen Texte, Flyer, Saaltexte und Beschriftungen, die dem Besucher später helfen, sich zurechtzufinden. 

Wichtig ist dabei auch die Hängung der Werke. Sie soll den Besucherinnen und Besuchern eine gute Orientierung geben und ihn – am besten, ohne dass er es bewusst merkt – durch die Schau führen. Sehr spannend finde ich persönlich immer den direkten Kontakt zu den Künstlerinnen und Künstlern. Das kommt in der LUDWIGGALERIE – als ein Haus, das ausschließlich Wechselausstellungen zeigt – häufig vor.

Meist gebe ich auch Führungen oder helfe mit, ein spannendes Begleitprogramm zu entwickeln, wo man dann Lesungen, Diskussionsrunden oder Events plant und auch dabei ist, wenn sie stattfinden. Das kann dann auch schon einmal Arbeit am Abend oder am Wochenende bedeuten, ist aber immer sehr spannend und macht viel Spaß.

Kunstgeschichte: Tipps für Studierende

Ich habe Kunstgeschichte studiert und erst den Bachelor und dann den Master gemacht. Diesen Abschluss braucht man auch auf jeden Fall in diesem Bereich; er ist fast immer Voraussetzung. Im Moment arbeite ich noch an meiner Promotion. 

Die Berufsaussichten sind nicht immer ganz einfach. Das Volontariat ist wie eine weiterführende Ausbildung, das einen auf die wissenschaftliche Arbeit in einem Museum und auf das Kuratieren vorbereitet. Danach ist man aber auch auf viele andere Aufgaben im gesamten Kulturbereich vorbereitet.

Studierenden würde ich raten, so viele Praktika wie möglich zu machen. Es zählt außerdem nicht nur das theoretische Arbeiten und die Abschlussnote. Man sollte sich neben dem Studium auch viele Ausstellungen ansehen und schauen, was dort eine gute Präsentation oder ein gutes Konzept ausmacht.

Unverzichtbare Kunst in der Kneipe

An einen besonders lustigen Moment im Laufe des Volontariats kann ich mich im Zusammenhang mit dem Künstler Matias Bechtold erinnern. Wir wollten für die Ausstellung GREEN CITY eine ganz bestimmte dreidimensionale Stadtlandschaft von ihm ausleihen. Da meinte er, dieses eine Werk könne er uns leider nicht zur Verfügung stellen. Es hinge an der Decke seiner Lieblingsbar und er bekäme dafür auf Lebenszeit freie Verköstigung von den Inhabern. Er hat uns dann aber noch ein anderes Werk zur Verfügung gestellt.

Als wissenschaftliche Volontärin kuratiert Gesine Emmerich im kommenden Jahr 2016 mit REGINA RELANG – Inszenierte Eleganz – Reportage- und Modefotografie von 1930 bis 1970 ihre erste eigene Ausstellung.

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