Donnerstag, 22. Oktober 2015

Von selbstmörderischen Lemmingen und rosa Pudeln

Die NICHTLUSTIG-Welt von Joscha Sauer


Mit ihren großen kreisrunden Augen schauen sie einen an. Manchmal schelmisch, manchmal dösig, manchmal irre. Meistens ist gerade etwas völlig Alltägliches passiert: Das Klo ist in einer Zeitmaschine verschwunden, jemand drückt einem Spaghetti durch die Steckdose in die Wohnung oder man wird von seltsamen Mutationen befallen, während sich ein Bär im Wandschrank befindet. Wer kennt das nicht? Wir stellen euch hier heute den schrägen Figuren-Kosmos von NICHTLUSTIG-Zeichner Joscha Sauer vor! 

NICHTLUSTIG 1, 2003 © Joscha Sauer


Betritt man im Moment unsere Ausstellungsräume, fällt der erste Blick auf drei nebeneinanderhängende „Portraits“ – oder besser gesagt Alter Egos – von Ralph Ruthe, Felix Görmann und Joscha Sauer. Letzterer wird hier durch einen erhängten Lemming verkörpert. Nichts Ungewöhnliches für diese Tierchen in der Welt des Zeichners: Sie haben dauernd selbstmörderische Absichten, kaufen nur gut brennbare Häuser oder hüpfen fröhlich durch das Minenfeld. 

Allerdings gibt es da die Problematik mit dem Tod, der sich durch Familie Lemmings ständigem Wunsch nach einem Ableben genervt fühlt. Ein Gericht entscheidet schließlich, dass sich die Lemminge dem Tod nur noch bis auf höchstens 50 Schritte nähern dürfen – auf Lebenszeit!

NICHTLUSTIG 3, 2005 © Joscha Sauer

Auch sonst hat der Tod keine große Lust auf seinen Job. Stattdessen lebt er mit einem rosa Pudel gemeinsam in einer ebenso rosafarbenen Wohngemeinschaft – und manchmal trägt er einen mit gelben Entchen bedruckten Schlafanzug.

Ebenfalls wiederkehrend sind die meist etwas bräsigen und plüschigen Yetis. Sie pinkeln gern mal unbedacht in den Schnee. Manchmal werden daraus Kunstwerke, manchmal lösen sie damit unabsichtlich Eisschollen ab und treiben hilflos im Meer.

Besonders erwähnenswert sind auch die Wissenschaftler Wilson und Pickett. Ihr Meisterwerk der Erfindung ist eine Zeitmaschine. Blöd nur, dass dadurch dauernd ein Dinosaurier erscheint, sich unter anderem Toaster und Toiletten ausleiht, und die Sachen einfach nie zurückgibt.

Eine andere Figur überschüttet ihren „Nachbarn“ förmlich mit unerwünschten Dingen: Der in der Wand lebende Herr Riebmann drückt fröhlich Spaghetti, Seifenblasen oder Zahnpasta durch die Steckdose des verzweifelten Wohnungsmieters, gibt schlaue Ratschläge oder zieht mit seinem Supermagneten sämtliche Einrichtungsgegenstände an. Sein Markenzeichen dabei ist nicht nur die leuchtend grüne Wand, sondern auch die Glatze und der schielende Blick.

NICHTLUSTIG 5, 2010 © Joscha Sauer

Unterstützt wird das Ensemble von violetten Kraken, die mehr oder weniger absichtlich literweise Tinte auf ihre Gesprächspartner verteilen; von dreiäugigen pinken Außerirdischen, die gern mal Cornflakes-Kreise oder Popcorn-Kreise zeichnen oder von einem Igel, der ständig mit einem Kaktus verwechselt wird.

Joscha Sauers Figuren geraten oft in derart abstruse Situationen, dass man allein schon über den Einfall in Gelächter ausbrechen muss. In Kombination mit den sehr speziellen Eigenheiten seiner Charaktere ist eines garantiert: Die Cartoons und Comics sind alles andere als NICHTLUSTIG.

Neben zahlreichen Cartoons von Joscha könnt ihr in unserer aktuellen Ausstellung Ruthe Sauer Flix – DAS IST DOCH KEINE KUNST auch Scribbles und Skizzenbücher durchblättern, kleine Plastiken bewundern oder die aktuelle Trickfilmserie in unserem Videoraum anschauen.

NICHTLUSTIG 6, 2014 © Joscha Sauer

Die Ausstellung
Ruthe Sauer Flix – DAS IST DOCH KEINE KUNST ist noch bis zum 17. Januar 2016 bei uns in der LUDWIGGALERIE zu sehen, Konrad-Adenauer-Allee 46, Oberhausen. Geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Montags geschlossen. Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, Familien mit Kindern 12 Euro.

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