Dienstag, 24. November 2015

Who the fuck is Flix?

Comiczeichner Felix Görmann im Interview

von Sarah Bauer

Flix ist Felix Görmann. Comiczeichner. Und was für einer! Seine Diplomarbeit hat er gleich mal über sich selbst geschrieben … äh, gezeichnet. Wenn das kein Selbstbewusstsein ist. Aktuell stellt er in unserer Schau „Ruthe Sauer Flix – Das ist doch keine Kunst“ in der LUDWIGGALERIE aus. Wir haben mit ihm gesprochen. Über Ruthe und Sauer, seine neue Serie „Glückskind“ und Waschbären.

Flix mit dem Katalog zur Ausstellung © LUDWIGGALERIE


Mit Ralph Ruthe hast du schon gemeinsam an „Ferdinand – Der Reporterhund“, gearbeitet. Zu dritt mit Joscha Sauer habt ihr „Tote Sprache: Cartoons auf Latein“ geschrieben. Jetzt stellt ihr gemeinsam bei uns aus. Wie gut kennt man sich in der Szene und gibt es da nicht auch Konkurrenzgedanken?

Die Comic- und Cartoonszene ist in Deutschland überschaubar. Die meisten Kollegen hat man schon auf Messen oder Festivals getroffen. Konkurrenz erlebe ich wenig. Schließlich sind Zeichner große Individualisten. Was Ralph kann, kann nur Ralph. Was Joscha kann, kann nur Joscha. Und was ich kann, kann nur ich.

Mit „Who the fuck is Faust?“ hast du Goethes Klassiker mit frechen Strichen neu aufgelegt. Auch an Don Quijote hast du dich herangewagt. Was war dein Anliegen dabei, aus den „alten Schinken“ Comics zu machen?

Ich lese gerne und mag Literatur. Dabei stoße ich mich aber immer wieder an der „alten“ Sprache. Und an Logiklöchern im Plot. Darum habe ich angefangen, zu untersuchen, wie die Klassiker funktionieren würden, wenn sie heute spielen würden und logisch und verständlich wären.

Ein großes Vorbild für dich ist Ralf König. Auf unserer Vernissage hast du ihn mit Ralph und Joscha bejubelt – weshalb?

Die Comics von Ralf König haben mich auf meinem Weg immer begleitet. Ich verneige mich vor seinem Gefühl für Dialoge, Timing, Pointen und Kontrapunkte. Dass er zu unserer Eröffnung gekommen ist, hat mich sehr gefreut. Und die Kollegen auch. Das haben wir zum Ausdruck gebracht.

Ausstellungseröffnung: Flix (m.) im Kreise von Kultur, Politik und Kollegen © LUDWIGGALERIE

Bei deinem autobiographischen Comic „held“ hast du nicht nur deine Vergangenheit zeichnerisch erzählt, sondern auch eine mögliche Zukunft bis zum Tod erfunden. In „Da war mal was …“ hältst du Erinnerungen aus der DDR fest. Über welche Themen würdest du wohl in 10 oder 20 Jahren zeichnen?

In 10 oder 20 Jahren traue ich mich vielleicht endlich mal, über Sex zu schreiben.

Noch ein Gedanke an die Zukunft: Joscha und Ralph gehen mit ihren Comics und Cartoons ja inzwischen vermehrt in Richtung Film. Könntest du dir ebenfalls vorstellen, deine Comics zu animieren?

Ja, klar. Ich habe auch schon ein paar Versuche in die Richtung gemacht. Aber dabei festgestellt: Ich kann eine Geschichte besser erzählen, wenn ich stehende Bilder und Text benutze.

Zurück in die Gegenwart. Neulich hast du eine E-Mail von der Redaktion der FAZ bekommen. Ob du möglichst schnell für den erkrankten „Strizz“-Zeichner Volker Reiche einspringen könntest. Entstanden ist die Geschichte „Glückskind“.
Wie war das, auf einmal mit so einem Auftrag „überfallen“ zu werden?

Ich habe mich einerseits sehr gefreut, als die FAZ angerufen hat. Aber auch gehadert. Wenn ich zusage, bin ich womöglich für einen langen Zeitraum mit der Serie beschäftigt. Kann ich das? Will ich das? Fällt mir genug ein? Gefällt es den Lesern? Es ist eine riesige Herausforderung, in rund zwei Wochen einen neuen Strip aus dem Boden zu stampfen. Ich musste mir also so schnell wie möglich eine Combo an Charakteren ausdenken, die so viel Potenzial hat, dass man viele Geschichten damit erzählen kann. Gleichzeitig sollten es Figuren sein, die unverbraucht sind und sowohl dem Zeichner als auch dem Leser Spaß machen.

Mir war allerdings relativ schnell klar, dass es eine Vater-Tochter-Geschichte werden sollte. Das gibt es noch nicht so oft. Und dann brauchte es noch einen „Störfaktor“. Ein Hund oder eine Katze war mir zu langweilig. Einen Tiger gibt’s schon bei Calvin und Hobbes. Und dann habe ich zufällig einen Artikel in der Zeitung über die wachsende Waschbär-Population in Brandenburg gelesen. Da dachte ich, och, ein Waschbär wäre super. Niedlich und gefährlich in einem. Und damit startet die Serie dann auch.

"Ideen entstehen im Machen" © Flix

Zeichnen für die Zeitung: Wie eng arbeitest du beispielsweise mit der FAZ-Radaktion zusammen – gibt es viele Vorschriften, was und wie du zeichnen sollst?

Die einzige Vorgabe der FAZ war, dass es ein Essemble-basierter Strip sein sollte. Und da nur eine Folge pro Woche veröffentlicht wird, sollten die Folgen möglichst unabhängig voneinander lesbar sein. Das war alles.

Im Gegensatz zu Ralph oder Joscha, die Autodidakten sind, stand am Anfang deiner Zeichnerkarriere ein Studium im Bereich Kommunikationsdesign. Wie hilfreich ist so ein Studium, wenn man Comiczeichner werden möchte?

Ich dachte, dass man im Studium viele Gleichgesinnte trifft. Also Leute, die auch Comics zeichnen wollen. War in meinem Fall aber nicht so. Im Gegenteil. Ich habe aber trotzdem eine Menge gelernt, was mir als Comiczeichner hilft. Typographie, Layout, Plakatgestaltung, Malerei, Drucktechniken etc. Davon zehre ich heute noch. Ich halte es sowieso für sinnvoll, links und rechts zu schauen. Also sich auch mit den anverwandten Künsten zu beschäftigen. Literatur, Musik, Theater, Film. Eine möglichst breite Allgemeinbildung. Und dafür ist die Zeit eines Studiums schon sehr nützlich.

Bestimmt kommt es auch mal vor, dass einem nicht gleich etwas einfallen will und das Papier starrt einen weiß und leer an. Was machst du in solchen Momenten?

Entweder mache ich mir einen Kaffee oder lese ein Buch oder gehe joggen oder fange einfach an. Ideen entstehen im Machen.

Zum Schluss noch: Dein autobiographisches Werk heißt wie bereits gesagt „held“. Bist du ein Held?

Da gibt’s verschiedene Meinungen. Aber manchmal denke ich: Ja!! (lacht)

NEU! Die Tusche noch nicht trocken und schon im Museum: In der LUDWIGGALERIE hängen ab sofort neue Originalzeichnungen von Flix aus der Serie "Glückskind". Die Ausstellung ist noch bis einschließlich 17. Januar 2016 im Schloss Oberhausen zu sehen.


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