Dienstag, 22. Dezember 2015

Keine freie Sicht auf Ralph Ruthe

Oliver Pietern zeichnet auf den Eröffnungen der LUDWIGGALERIE

von Sarah Bauer

Er ist Allrounder, was Grafik und Zeichnung angeht. Er ist Oberhausener. Und er hat versucht, Ralph Ruthe zu skizzieren – doch irgendwas war immer im Weg. Oliver Pietern ist der Mann mit dem schnellen Stift auf unseren Ausstellungseröffnungen. Weshalb er erst einmal etwas „Vernünftiges“ lernen musste und wie man live Menschen auf Papier bannt, hat er uns bei einem Kaffee im Schloss erzählt.

Oliver Pietern mit seinem Tablet © LUDWIGGALERIE


1973 in Oberhausen geboren, experimentierte Oliver Pietern schon früh mit Aquarell und Buntstiften. „Doch diese Techniken waren mir einfach zu blass.“ Deshalb machte er mit Lack und Ölmalerei weiter. Da dauerte ihm die Trocknung zu lange. Schließlich widmete er sich der Computergrafik. „Als ich damit anfing, hatten sich meine Eltern gerade einen C64 gekauft“, erinnert er sich.

Trotz aller künstlerischen Ambitionen machte der Oberhausener erst einmal eine Ausbildung zum Telekommunikationselektroniker. „Meine Eltern wollten das. Ich sollte erst einmal was Vernünftiges machen.“ Aber es gab auch einen Deal: „Meine Eltern sagten, wenn ich etwas Vernünftiges gelernt hätte, könnte ich im Anschluss machen, was ich wollte, denn dann könnten sie sich schließlich nichts mehr vorwerfen.“ Pietern lacht, als er daran zurückdenkt, während er auf seinem Grafik-Tablet nach seinen aktuellsten Arbeiten sucht.

Nach der Ausbildung begann er dann ein Studium. „Ich wollte immer zur Uni. Ich mochte das Flair.“ Noch während der Studienzeit wurde er zum Dozenten für Computer-Animation und Visualisierung. „Nachts habe ich gelernt und tagsüber unterrichtet. Das war schon komisch, hat aber Spaß gemacht.“

Ralph Ruthe - verschwunden hinter den Besuchern © Oliver Pietern

Nun kommt Oliver Pietern seit einiger Zeit als Besucher zu den Ausstellungseröffnungen der LUDWIGGALERIE und skizziert sie live für sich privat. „Ich hatte ein Atelier in Oberhausen, im Kunsthaus Haven, direkt neben Becker Schmitz. Und weil Nina Dunkmann von der LUDWIGGALERIE dort auch als Kuratorin tätig ist, entstand die Verbindung zum Schloss.“ 

Bei der vergangenen Vernissage zur aktuellen Ausstellung „Ruthe Sauer Flix – Das ist doch keine Kunst“ funktionierte dann aber nicht alles so, wie Pietern es sich vorgestellt hatte. Denn die drei Comiczeichner wurden am Signiertisch andauernd von einer langen Schlange wartender Besucherinnen und Besucher verdeckt. Pietern nahm es mit Humor und stellte einfach die Situation dar.

„Ich war auch schon auf den anderen Comic-Ausstellungen hier in der LUDWIGGALERIE“, berichtet der Zeichner. „Es gibt immer viel zu sehen und man nimmt die Bilder viel stärker wahr als nur im Comicbuch. Es ist ein ganz anderer Kontext.“

Aber wie zeichnet man eigentlich live, wenn das Motiv dauernd in Bewegung ist? „Ich konzentriere mich zuerst auf eine einzige Person. Gegenstände bleiben ja ohnehin stehen und haben Zeit“, erklärt Oliver Pietern. Personen zeichnet er dann meist nacheinander, sodass am Ende Szenen entstehen, die nicht immer unbedingt zeitgleich stattgefunden haben. „Bei den Eröffnungen zeichne ich erst den Redner, später dann das Publikum dazu.“

3D-Drache © Oliver Pietern

Momentan arbeitet der Oberhausener neben seinen künstlerischen Privatprojekten drei Tage in der Woche fest angestellt bei einer Firma. Dort produziert er unter anderem Special Effects für Werbeclips oder Filme. In der Freizeit begeistert ihn zurzeit der 3D-Druck. 

„Letztens habe ich einen kleinen Drachen designt und gedruckt. Es war ein großer Schritt für mich, das, was man gezeichnet hat auch anfassen zu können“, sagt Pietern, während er auf dem Tablet Entwürfe zeigt. „Ich war hin und weg.“ So wird Oliver Pietern weiterhin ein Allrounder bleiben – und vielleicht auch auf der nächsten Ausstellungseröffnung der LUDWIGGALERIE wieder den Stift auf dem Papier fliegen lassen.

Oliver Pietern ist auch auf Facebook unter dem Namen Hoschie Art of Oliver Pietern zu finden.



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