Freitag, 8. Januar 2016

Bilder putzen

„Gruppe Köln“ spricht über Restaurierungen an Werken der Sammlung O.

von Sarah Bauer

„Restaurierte Werke“ – so lautet der Zusatz hinter dem Ausstellungstitel „Die Sammlung O.“, die momentan in der Panoramagalerie im Schloss Oberhausen zu sehen ist. Da hat sich jemand alte Bilder vorgenommen und sie repariert, so viel ist klar. Doch wer macht so etwas überhaupt und wie wagt man sich an ein fragiles Bild aus dem 16. Jahrhundert heran, um es irgendwie zu säubern? Wir haben darüber mit der „Gruppe Köln“ gesprochen, die die Sammlung O. aufpoliert hat!

Carmen Seuffert, Diplom-Restauratorin © LUDWIGGALERIE


Statt gleich mit schwerem Gerät anzurücken, beginnt die Begutachtung der beschädigten Werke nahezu simpel. „Wenn wir Gemälde ins Atelier bekommen, dann sehen wir sie uns erst einmal mit normalen Tageslichtlampen an. Da sieht man mit bloßem Auge und Lupenbrille schon mal sehr viel“, erklärt Carmen Seuffert, Diplom-Restauratorin der „Gruppe Köln“. So prüft das Team, ob es Schäden an der Leinwand oder dem Holz gibt, die Malschicht noch fest ist oder ob das Bild vielleicht sogar im Laufe der Jahrhunderte übermalt wurde.

Überprüfung des Schadens

Letzteres ist in der Sammlung O. beim Gemälde „Christus (mit Hut übermalt)“ passiert, das um 1600 entstand. Dort wurde ein Jesus-Portrait durch Übermalung zu einem Tronje, ein für die niederländische Malerei typisches anonymes Porträt.
Um so etwas genauer zu untersuchen, nutzt die Gruppe Köln unter anderem die sogenannte UV-Anregung. „So können wir prüfen, wie dick die Firnisschicht ist und ob man alte Retuschen erkennen kann.“ Wenn nötig, wird anschließend auch noch ein Mikroskop eingesetzt oder eine Aufnahme mit einer Infrarotkamera gemacht. Als Firnis bezeichnet man übrigens die dünne klare Lackschicht, die meist auf dem fertigen Bild aufgetragen wird, um es vor Umwelteinflüssen zu schützen.

Sichern oder generalüberholen?

„Wenn das alles geklärt ist, besprechen wir, was gemacht werden soll“, berichtet Carmen Seuffert. „Man kann das Werk dann erst einmal nur sichern, sodass zum Beispiel die Malschicht nicht weiter abbröckelt. Man kann aber auch gleich restauratorisch beginnen und eine Oberflächenreinigung oder Firnisabnahme vornehmen.“ Bei den meisten Gemälden oder Skulpturen kitten oder retuschieren die Restauratoren dann die Fehlstellen.
Auch bei der Sammlung O. gab es beide Varianten: Die Sicherung und die Restaurierung. Das Ölgemälde „Schloss Oberhausen“ von 1858 war stark verschmutzt gewesen. „Unter anderem durch den Industrie-Staub, der jahrelang die Luft im Ruhrgebiet erfüllt hat“, erklärt Dr. Christine Vogt, Direktorin der LUDWIGGALERIE.

Schloss Oberhausen (vorher), Von Lorch, 1858 © LUDWIGGAERIE Schloss Oberhausen

„Der Firnis war vergilbt und außerdem gab es alte Übermalungen“, erinnert sich Carmen Seuffert an den Vorher-Zustand des Werks. „Wir haben dann eine feuchte Oberflächenreinigung durchgeführt, störende Stellen retuschiert und das Bild neu eingerahmt.“ Das Werk ist nun für die kommenden Jahrzehnte gesichert.

Etwas aufwendiger war es beim „Ecce Homo“. „Hier war uns schnell klar, dass eine Oberflächenreinigung optisch nicht den gewünschten Effekt bringen würde“, so Seuffert. „Deshalb haben wir hier den Firnis und die farblich gedunkelten Altretuschen abgenommen, die Fehlstellen gekittet und anschließend neuen Firnis aufgetragen.“

Ecce homo (vorher), Maler unbekannt, 16. JH © LUDWIGGAERIE Schloss Oberhausen
Die Gruppe Köln

Die „Gruppe Köln“ ist seit 1993 auf dem Gebiet der Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgütern tätig. Zu ihren Auftraggebern gehören Museen, Galerien, Kirchen, Kunstsammlungen, Versicherungen und Privatpersonen. „Ein besonders schönes und aufwendiges Projekt war unter anderem das Gemälde „Juno und Argus” von Rubens aus dem Wallraf-Richartz-Museum“, denkt Carmen Seuffert zurück. „Das haben wir im Museum in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern bearbeitet. Danach kam es zu einer großen Ausstellung nach Genua.“

Jetzt noch schnell in die Sammlung O.

Die restaurierten Werke der Sammlung O. können noch bis Sonntag, 17. Januar 2016 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen besichtigt werden. Neben vielen Hintergrundinformationen zu den jeweils durchgeführten Arbeiten an den Bildern gibt es auch die Möglichkeit, den Vorher- und Nachher-Zustand mittels Tafeln und Monitoren zu entdecken. Der Eintritt ist frei!

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