Mittwoch, 27. Januar 2016

Viva la Pop Art!

1.000 Besucher am ersten Wochenende

von Sarah Bauer

POW! Sweet Dreams Baby! Die Faust schnellt hoch, die weiße Comic-Sprechblase platzt vor hellgelbem Grund. Der Siebdruck aus dem Jahr 1965 von Roy Lichtenstein gehört zu den „Promis“ unter den Exponaten, die aktuell unter dem Titel AMERICAN POP ART in der LUDWIGGALERIE zu sehen sind. Doch das ist bei Weitem nicht alles. Neben einer acht Meter langen Straßenszene auf Papier warten unter anderem auch eine Ofenkartoffel und ein Buch zum virtuellen Durchblättern auf die Besucherinnen und Besucher.

POW! © LUDWIGGALERIE


Meisterwerke massenhaft – ein absichtlich zweideutiger Untertitel – prangt in roten Lettern im ersten Raum der Ausstellung. Daneben Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Indiana, Mel Ramos. Kunstwerke von Meistern zuhauf also. Doch AMERICAN POP ART zeigt nicht die großen einzelnen Environments, sondern den Bereich der Auflagenkunst. Meisterwerke massenhaft eben.

Fein mit Bleistift erkennt man oft ein „52/150“ oder „12/85“ an den unteren Rändern der Bilder. „Ah, guck mal hier. Da kannst du erkennen, wie hoch die Druckauflage davon damals war“, sagt eine Besucherin und deutet in Richtung Rahmen. Ihre Bekannte legt den Kopf schief, geht in die Knie, nickt. „Gar nicht mal so viele.“

Volles Haus bei der Eröffnung © LUDWIGGALERIE

„Die Vervielfältigung ist ein zentrales Thema in der Pop Art“, erklärt Christine Vogt, Direktorin der LUDWIGGALERIE. „Diese Art von künstlerischem Ausdruck gehört in dem Bereich zwingend dazu.“ Aber sind das denn nun alles einfach nur Kopien? Mitnichten! „Jedes Werk ist ein Original!“, merkt Christine Vogt nachdrücklich an. Auch wenn es 80 Mal gedruckt wurde, steht jede Ausfertigung individuell für sich. Erkennbar ist dies dann manchmal eben auch an den fortlaufenden von Hand eingezeichneten Nummern oder den Signaturen der Künstler auf den Werken.

„Die Idee dahinter war, dass es sich jeder leisten können sollte, Kunst zu kaufen“, sagt Vogt. „Kunst demokratisiert. Kunst für alle.“ Nicht umsonst nannte Andy Warhol sein Atelier „factory“ – die Fabrik, in der Kunst entstand wie Ware im Supermarkt.

Doch nicht nur Bekanntheiten wie das Portrait von Marilyn Monroe oder die Comic-Dots von Roy Lichtenstein finden sich zurzeit auf drei Etagen im Schloss Oberhausen. Im Erdgeschoss ist ein acht Meter langes gefaltetes Leporello von Edward Ruscha zu sehen. Ruscha nannte es „Every Building on the Sunset Strip“ und es konnte in diversen Kombinationen gefaltet werden und so Einfluss auf den Verlauf der dort abgebildeten Straßenzüge nehmen.

Seven in a Box © LUDWIGGALERIE

Weiter oben findet der Betrachter „Seven in an Box“. Gleich sieben Superstars aus der Pop Art Szene steuerten dafür verschiedenste Objekte bei – unter anderem eine Ofenkartoffel, die so echt aussieht, dass man Hunger bekommen könnte. 
  
Im Nebenraum in einer Vitrine liegt Andy Warhols Index Book. Schwarz-Weiß-Bilder werden gesprengt von einem knallroten ziehharmonika-ähnlichen dreidimensionalen Objekt, das aus dem Buch herausspringt. Genauer ansehen kann man sich jede Seite auf dem danebenliegenden iPad.

Nahezu alle Werke entstammen der Sammlung Beck aus Ludwigshafen. Noch bis zum 16. Mai 2016 können sie nun in Oberhausen entdeckt werden.
Wer hinter der Sammlung Beck steckt, erfahrt ihr übrigens bald hier in Kürze auf unserem Blog!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen