Donnerstag, 25. Februar 2016

Nach Strich und Warhol

von Sarah Bauer

Praktikantin Aygul wird selbst zur Künstlerin

Flink gleitet der Bleistift über das Papier. Dann eine Pause. Es folgen lange bedächtige Striche. Aygul Islamova ist als Praktikantin in der LUDWIGGALERIE ganz nah dran an der Kunst. Nicht nur, weil sie in einem Kunstmuseum arbeitet, sondern auch weil sie selbst künstlerisch begabt ist. Für uns hat sie Drucke aus der Ausstellung AMERICAN POP ART in Zeichnungen übertragen.

Aygul beim Zeichnen der Marilyn © LUDWIGGALERIE


Aygul ist 16 Jahre alt. „Ich habe schon im Kindergarten eine extra Malgruppe besucht“, berichtet sie. Konzentriert streicht sie ihre Haare zurück, blickt das Gesicht Marilyn Monroes hinter der Glasscheibe an und hebt den Stift an. Drei Werke hat sie extra für den Blog abgezeichnet. Drei Werke, die sie in der Ausstellung besonders einprägsam fand.

„Die Marilyn gehört für mich bei Pop Art einfach dazu“, sagt die 16-Jährige. „Ich finde, sie ist ein ganz typisches Symbol für diese Kunst. Jeder kennt sie. Das Portrait ist meist das Erste, woran man denkt, wenn man Pop Art hört.“

Marilyn Monroe nach Warhols Vorlage © Aygul Islamova

Doch auch ein Bild, das nicht gleich verständlich war, hat Aygul fasziniert. Das „New York City Ballet“ von George Segal aus dem Jahr 1968. „Ich bin in der Ausstellung daran vorbeigegangen und habe erst gar nicht erkannt, dass es ein Fuß ist“, erinnert sie sich und legt den Zeichenstift kurz zur Seite. „Man hat am Anfang nur schwarze Flächen erkannt. Ein paar Besucher haben auch gerätselt.“

Doch anstatt einfach weiterzugehen, blieb Aygul stehen und beobachtete das Bild eine Weile, bis sie den Ballettschuh klar wahrnahm. „Das fand ich sehr spannend. Man hat einfach nicht gleich erkannt, worum es ging, sondern musste nachdenken. Außerdem fand ich es interessant, dass die Farben so anders waren, als man es sonst vom Ballett kennt. Es gab kein Rosa, sondern nur Schwarz und Silber.“

Ballett in Schwarz und Silber © Aygul Islamova

 Aygul ist in einer künstlerisch begabten Familie aufgewachsen. „Meine Mutter war an einer Kunstschule, mein Opa konnte gut zeichnen und meine Tante hat mal eine Zeit lang Bilder gemalt und auch verkauft“, erzählt sie. Zeichnen gefällt ihr persönlich besser als Malen. „Aber manchmal mache ich auch gern etwas mit Acryl auf Leinwand. Da muss ich mich dann nur vorher erst mal etwas einfinden.“

Das letzte Motiv, das sie abzeichnen wollte, stellte sie den anderen Mitarbeitern zur Auswahl. Die Entscheidung fiel auf Lowell B. Nesbitts „Apollo“. Ein Bild, das gleich zwei Mal in der Ausstellung hängt: einmal aus der Sammlung Heinz Beck und einmal aus der Sammlung der LUDWIGGALERIE. So ist das mit den „Meisterwerken massenhaft“.

Auch die Raumfahrt ist Teil der Pop Art © Aygul Islamova
 
Die Ausstellung AMERICAN POP ART hat Aygul gut gefallen. „Ich war überrascht, was alles zur Pop Art gehört. Motive über Raumfahrt und Politik hätte ich vorher da gar nicht eingeordnet. Spannend, dass Pop Art nicht nur einfach knallbunt ist, sondern auch ernst, aktuell und politisch sein kann.“ 

Ob sie in Zukunft auch beruflich etwas mit Kunst machen möchte, weiß Aygul noch nicht. Ihre Leidenschaft zum Zeichnen und Malen möchte sie aber auf keinen Fall aufgeben.

AMERICAN POP ART ist noch bis zum 16. Mai 2016 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen. Mehr Infos gibt es auch auf der Homepage: www.ludwiggalerie.de.

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