Mittwoch, 17. Februar 2016

#PopArtUnplugged – die Nachlese


Analoges Social Media?

von Sarah Bauer

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem diese Idee zum ersten Mal im Raum stand: Eine Social-Media-Veranstaltung ohne WLAN. Ohne Internet. Nicht, weil es hip sein könnte, sondern aus ganz banalen technischen Gründen im Haus. Ich gebe offen zu, dass ich zögerte. Würde das funktionieren? Wenn ja, wie genau? Viele Dinge, die bei TweetUps oder InstaWalks greifen, wären hier nicht anwendbar. Und dann sprangen wir ein bisschen ins kalte Wasser.

Tweets als Karte. Auf Papier.

 
Aber nur ein bisschen. Denn erst einmal wandte ich mich mit der Idee an Anke von Heyl, die ich bereits durch soziale Netzwerke, ihren Blog und auch persönlich durch einen Vortrag über Twitter kannte. Ich berichtete ihr von dem analogen MuseumsWalk und sie ermutigte mich, darin, das alles ruhig mal anzugehen.

So legten wir los, planten eine lockere Führung, Tweet-Cards, Fotos aus der Sofortbildkamera und Hashtags auf Papier. Wir luden Blogger, Twitterer, Instagramer und Facebooker aus der Region ein. 

Dann, am vergangenen Samstag, ging es los. „Verrückt, wie bepackt wir dann in die Ausstellung gingen. Ansonsten hat man alles, was man benötigt, mit dem Smartphone dabei“, merkte Indira Kaffer-Schmickler später auf ihrem Blog an. „Alles mit der Hand mitzuschreiben, parallel noch ein Foto zu machen und dann alles auf dem Klemmbrett zu sortieren, sorgte schon für einige Lacher.“

Schwer bepackt in die Ausstellung - ungewohnt © LUDWIGGALERIE
 
In der Tat war es für alle eine Premiere. Wir hatten die Führung durch AMERICAN POP ART dialogisch und mit genügend Pausen zum Schreiben, Fotografieren und Sortieren geplant. Doch 140 Zeichen flott ins Handy tippen oder ungelenk im Stehen mit dem Kugelschreiber zu notieren ist eben doch noch einmal ein Unterschied. Danny Giessner von Wahlheimat Ruhr merkte an, einen recht langen Hashtag wie #PopArtUnplugged demnächst lieber schon einmal auf der Tweet-Card vorzudrucken.

„Ich bin aber erstaunt, wie schnell wir alle im Gespräch waren“, wunderte sich Indira Kaffer-Schmickler. „Sonst hätten wir vermutlich alle eher nur auf unser Handy gestarrt.“
Nach der Führung gab es noch Gelegenheit, allein durchs Museum zu ziehen und zu fotografieren oder einfach noch ein paar Notizen und Gedanken nachzuholen. Bevor alles im analogen „News Feed“ im Foyer des Museums landete. Hier wurde dann deutlich, wie kreativ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer abseits des Smartphones geworden waren.

Gesammelte Ergebnisse im News-Feed © LUDWIGGALERIE

Warhols Suppendosen als Skizze im Facebookpost; ein Polaroid, auf dem an Wesselmanns „Foot“ geschnuppert wurde oder ein schwungvoll ausgefüllter Tweet, der die farbliche Harmonie zwischen der Kleidung von Tour-Guide Linda und Edward Ruschas Tankstelle betonte. Beim anschließenden gemeinsamen Kaffee war es Zeit für ein erstes – positives – Resümee der Teilnehmer. Nun folgt einige Tage später auch unser internes:

Was gut war

Wir freuen uns, den Schritt gewagt zu haben, als Museum ohne Netz eine alternative Veranstaltung für Blogger und Social-Media-Freunde ins Leben gerufen zu haben. Die „24-Stunden-Später-Live-Tweets“ von Danny Giessner – der damit die Führung genau 24 Stunden später noch einmal auf Twitter digital zum Leben erweckte – sowie kreative Bildergalerien und Blogbeiträge haben uns gezeigt, dass es neben dem Twittern und Posten mit Smartphone auch möglich ist, eine analoge Veranstaltung im Nachhinein ins Digitale zu tragen. 

Auch Austausch und Diskussionen in der Gruppe während des Museumsbesuchs und im Anschluss waren eine schöne Erfahrung. Wir haben an diesem Tag Menschen kennengelernt, die wir zuvor nur aus Retweets und Likes kannten, und möchten uns auch an dieser Stelle noch einmal herzlich bei ihnen für ihr Kommen und ihre Experimentierfreude bedanken!

Gemütliche Runde im Lesecafe des Museums - wieder mit Handy © LUDWIGGALERIE

Was noch besser werden kann

Die Materialien. Natürlich ist es nicht ganz einfach, auf einmal mit einem Stapel Papier, Stiften und einem Klotz von Kamera in einer Ausstellung herumzulaufen. Sollten wir eine Veranstaltung dieser Art noch einmal wiederholen, denken wir über ein vereinfachtes Handling nach.

Der Rücklauf. Leider traf ein nicht zu unerheblicher Teil der eingeladenen Gäste, trotz vorheriger Zusage und Reminder, am Tag der Veranstaltung nicht ein. Das bedauern wir natürlich. Hier beraten wir noch, was im Vorfeld von unserer Seite aus besser gemacht werden könnte. Was denkt ihr?

Das WLAN. Sicher, #PopArtUnplugged war sehr spannend. Eine Premiere. Ein Experiment. Es hat Spaß gemacht und war inspirierend. Aber sicher kann das nicht der Endstand im digitalen Museumsalltag sein. Natürlich wünschen wir uns noch immer WLAN im Haus. Denn Tweet-Cards und Polaroids sind zwar eine interessante Alternative, können aber nicht auf Dauer die Möglichkeiten ersetzen, die sich im Internet für Kultureinrichtungen längst aufgetan haben.

In diesem Sinne freuen wir uns auf alles, was in Zukunft auf uns wartet – und natürlich auch auf all eure Denkanstöße zu diesem Thema!

Das Storify zur Veranstaltung gibt es hier: https://storify.com/LUDWIGGALERIE/popartunplugged

Kommentare:

  1. Liebe Sarah,

    ich beglückwünsche euch zu diesem Experiment. Für mich war es leider vor einer anderen Veranstaltung zu knapp mit der Hin- und Herfahrerei.
    Zu deinen Überlegungen hinsichtlich der Einladungen: ich würde mich sehr auf die lokalen Twitterer, Blogger, Instagramer konzentrieren beim nächsten Mal. Eine andere Variante wäre, zu überlegen, ob ihr mit einem Partner vor Ort mal eine Bloggerreise veranstalten möchtet. Dazu lädt man dann die Blogger ein und übernimmt die Kosten.

    Was das Konzept analoger Vermittlung und ihre Übertragung in den digitalen Raum angeht, so ging das für mich gut auf. So, wie ich es zumindest im Netz nachvollziehen konnte. Ich fand das mit dem Zeichnen klasse. Was die analogen Tweets angeht, so würde ich vielleicht die strenge Zählerei der Buchstaben aufgeben zugunsten einiger kleiner Schreibaufgaben, bei denen ein Kurztext Bedingung ist. Den kann man dann vielleicht sogar noch als Collage oder ähnliches gestalten. Und schon hat man wieder ein neues Bild. Ich bin mir sicher, euren Museumspädagogen fällt dazu eine Menge ein. Die Tweets, wo man jeden Buchstaben auf einen Strich setzen muss, waren irgendwie schwierig zu lesen.

    Experimente und Spielereien sind auf jeden Fall immer toll! Und dass man sich dann in der Kohlenstoff-Welt kennenlernt, das festigt die digitale Freundschaft allemal!!

    Herzlichst
    Anke

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  2. Liebe Anke,
    vielen Dank für deinen Kommentar!
    Vielleicht klappt es ja bei einer anderen Veranstaltung noch mal mit uns. ;-)
    Die Idee mit der Bloggerreise ging uns auch schon durch den Kopf. Das werden wir auf jeden Fall mal weiterspinnen! Da gibt es ja inzwischen genug tolle Vorbilder aus anderen Häusern.
    Zu den Tweets: Das war auch etwas, das wir im Nachhinein festgestellt haben. Gerade in der Kürze der Zeit etwas in Blockbuchstaben ausfüllen zu müssen, war etwas zu viel des Guten. Da haben wir die Übertragung ins Analoge vielleicht etwas zu genau genommen. Die Idee mit dem Kurztext ist sehr schön. Eine sehr bedenkenswerte Anregung - danke!
    Wir fanden es auch sehr schön, dass am Ende alle Teilnehmer noch zum Kaffee in gemütlicher Runde geblieben sind. Da wurde auch abseits der Ausstellung noch mal geplaudert, Kärtchen gingen herum und man wusste endlich mal, wer hinter diversen Account-Namen steckte. Digitales und Analoges sollten viel mehr in Verbindung kommen!
    Liebe Grüße,
    Sarah

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