Donnerstag, 3. März 2016

Eine Anleitung zum richtigen Sterben, bitte!

von Sarah Bauer

LUDWIGGALERIE zeigt spätmittelalterliche Ausstellung mit Geschichten und Geheimnissen

Wohin fahren wir nächsten Urlaub? Was gibt es morgen zu essen? Wie stirbt man richtig? Alltägliche Fragen, die sich jeder stellt. Moment! Richtiges Sterben? Es mag heute für uns seltsam klingen, doch im späten Mittelalter kam man um dieses Thema nicht herum. Allein schon, weil es vorkommen konnte, dass man am nächsten Tag wegen einer derzeit verbreiteten unheimlichen Epidemie einfach tot umfiel.

Das Leben aushauchen im Beisein Heiliger © LUDWIGGALERIE



„Man muss sich das so vorstellen, dass das Spätmittelalter von Krisen und vor allem der großen Pest erschüttert wurde“, erklärt Dr. Dagmar Preising vom Suermondt-Ludwig-Museum Aachen. Dabei holt sie aus und deutet mit der Hand auf ein Gemälde, auf dem ein Sterbender gerade seinen Geist aushaucht – umgeben von christlichen Figuren und einer Menge schimmernden Goldes. Es ist das ars bene moriendi („Die Kunst des guten Sterbens“) aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig, das nun zusammen mit 13 anderen Kunstwerken aus jener Epoche in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen ist – entliehen aus Aachen.

Für die Menschen in der damaligen Zeit war es unvorstellbar, plötzlich abzuleben und nicht gottgefällig auf den Tod vorbereitet gewesen zu sein. Es drohten Hölle und Fegefeuer. „Deshalb gab es zur Vorbereitung auf das richtige Sterben im fünfzehnten Jahrhundert viele Schriften und Bilder, sogenannte Sterbebüchlein für jeden verständlich“, so Preising. 

Man muss es sich wie ein Comicbuch vorstellen, das einen lehrt, wie man auf gutem Weg in den Himmel gelangt. „Die Spruchbänder in den einzelnen Gemälden kann man durchaus auch als Vorgänger der Comicsprechblase sehen“, fügt Dr. Christine Vogt, Direktorin der LUDWIGGALERIE, hinzu.

Nachlesen und nachschauen, wie man richtig stirbt © LUDWIGGALERIE

Doch die Ausstellung DER GUTE WEG ZUM HIMMEL in der LUDWIGGALERIE befasst sich eher weniger mit Sterbebüchern, sondern vielmehr mit großformatigen farbenprächtigen Gemälden und Skulpturen, die das richtige Sterben aufzeigen. Dabei galt damals vor allem der Tod Marias als großes Vorbild, der auch in der Schau mit dunkelrotem Baldachin und Bergkristall-Kreuz thematisiert wird. 

Jedes Bild ist voller Symbolik. Brennende Kerzen bedeuten zum Beispiel, dass die dargestellte Person noch lebt. Ist die Kerze allerdings aus, ist der Mensch gestorben. Eine besondere Schautafel zeigt, wie ein Sterbebild zahlreiche Elemente aus anderen Werken von Dürer oder Cranach enthält und mischt. „Mit dem Urheberrecht wurde es damals wohl noch nicht so genau genommen“, sagt eine Besucherin lachend. „Eine spannende Puzzlesuche!“

Ein Bild zusammengesetzt aus Teilen anderer Bilder © LUDWIGGALERIE

Wer übrigens sichergehen will, dass er nach dem Ausstellungsbesuch nicht noch am selben Tag stirbt, sollte in der Schau unbedingt die Figur des Heiligen Christophorus ansehen. „Wer ihn sich angeschaut hat, so der Glaube, konnte am gleichen Tag nicht mehr sterben“, erklärt Dr. Christine Vogt.

Die kleine Einraumschau DER GUTE WEG ZUM HIMMEL ist noch bis zum 8. Mai 2016 in Verbindung mit der Ausstellung AMERICAN POP ART in der LUDWIGGALERIE zu sehen. Am Sonntag, 10. April, gibt es um 16 Uhr eine spezielle Führung mit Direktorin Dr. Christine Vogt, für alle, die es noch genauer wissen wollen mit dem guten Sterben.

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