Donnerstag, 17. März 2016

Vom Schokoladenfabrikanten zum Kunstsammler

Peter und Irene Ludwig: Kunst für die Öffentlichkeit

von Sara Schurmann

Ein Schokoladenfabrikant, der Kunst liebt – was zunächst nicht weiter verwunderlich klingt, entwickelt sich bei Peter Ludwig und seiner Frau Irene durch viel Herzblut zu etwas ganz Großem. Und gerade da wird es eben doch spannend. Denn heute kennt man ihren Namen weit über Oberhausen hinaus – Ludwig Museen gibt es nicht nur in Aachen, Bamberg, Köln, Koblenz und Oberhausen, sondern auch in Basel, Budapest, Saarlouis, Sankt Petersburg, Wien und sogar in Peking. Doch wer verbirgt sich eigentlich hinter dem Namen Ludwig? 

Jean-Olivier Hucleux, Portrait des Ehepaares Ludwig, 1975/76

 
Die Leidenschaft des Sammelns

Am 9. Juli 1925 wird Peter Ludwig in Koblenz geboren. Schon früh interessiert er sich für Kunst. So erscheint es fast selbstverständlich, dass er ab 1946 an der neu gegründeten Universität Mainz Kunstgeschichte, Archäologie, Vor- und Frühgeschichte und Philosophie studiert. Die Lebensgeschichte von Irene Monheim, später Ludwig, klingt ähnlich: Am 17. Juni 1927 in eine Aachener Unternehmensfamilie hinein geboren, wird sie schon in ihrer Kindheit an Kunst herangeführt. 

Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen aus dem die LUDWIGGALERIE aktuell Leihgaben zur Ausstellung DER GUTE WEG ZUM HIMMEL erhalten hat © www.medien.aachen.de / Andreas Herrmann
 
Auch sie möchte in Mainz Kunstgeschichte, Archäologie sowie Vor- und Frühgeschichte studieren und lernt an der Uni Peter Ludwig kennen. Die beiden entdecken die gemeinsame Leidenschaft und verbringen von nun an jede freie Minute mit der Kunst. Doch sie wollen mehr als sich nur in Museen die Ausstellungen anzusehen: Sie kaufen die ersten Kunstwerke und beginnen damit ihre Sammeltätigkeit. 

Von der Antike bis Andy Warhol

1951 heiraten die beiden und Peter Ludwig steigt in das Familienunternehmen Monheim/Ludwig Schokolade ein. Seine unternehmerische Arbeit hält ihn allerdings nicht davon ab, sich trotzdem mit seiner großen Leidenschaft zu beschäftigen. Er kauft zusammen mit seiner Frau weitere Werke, ab 1957 arbeitet das Ehepaar mit Museen in Köln und Aachen zusammen. Statt die Kunstwerke für sich zu behalten, wollen sie von nun an für die Öffentlichkeit sammeln, um dort Lücken zu schließen. 

Peter und Irene Ludwig waren immer auf der Suche nach Kunst © Ingrid von Kruse

Grenzen kennen sie nicht,  von der Antike bis zur Gegenwart ist alles dabei. Aber besonders für die amerikanische Kunst interessieren sie sich – für Peter Ludwig stellt sie ein zeitgenössisches Lebensgefühl dar. 1976 kommt nach einer großzügigen Schenkung von rund 300 Werken schließlich zur Gründung des Museums Ludwig in Köln. Ihr Engagement für Werke wie von Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Andy Warhol oder Roy Lichtenstein bringt die Pop-Art auch nach Europa.

Sammeln als Kulturpolitik

Obwohl das Ehepaar nie gern im Rampenlicht steht, ist ihre Bedeutung auch nach ihrem Tod – Peter Ludwig stirbt 1996, Irene Ludwig 2010 – immens. Frei nach dem Motto „Sammeln ist Kulturpolitik“ (Focus Online), haben die beiden tausende Werke auf über 20 Museen, elf von ihnen mit dem Namen Ludwig, in der ganzen Welt verteilt. Nach dem Tod ihres Mannes gründet Irene Ludwig 1998 die Peter und Irene Ludwig-Stiftung, um dauerhaft Museen und Einrichtungen zu unterstützen, die über Schenkungen oder Leihgaben der Sammlung verfügen. Auch heute gilt für die Stiftung der Grundgedanke des Ehepaares: Die Sammlung Ludwig soll nicht ein starres Monument sein, sondern aktiv und über die Ländergrenzen hinaus in die Zeit hineinwirken.     

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