Donnerstag, 14. April 2016

Kunstvermittlung auf Augenhöhe

Museumspädagogik: Schüler führen Schüler


von Nathalie Schraven

Miriam blickt auf ihren Zettel, dann auf das Bild an der Wand. Bald ist die Gedächtnisstütze weg und die Schülerin wird andere Jugendliche frei durch die Ausstellung AMERICAN POP ART führen. Aus Sicht von jungen Menschen für junge Menschen. Damit gehört sie zu einem ganz besonderen Projekt der LUDWIGGALERIE.


Schüler führen Schüler - bald mit eigenen Gruppen © LUDWIGGALERIE


„Schüler führen Schüler“ lautet der Name dieses museumspädagogischen Konzepts. Schon seit Beginn des Jahres bereiten sich acht Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse des Elsa-Brandström-Gymnasiums Oberhausen darauf vor, ihre eigenen Gruppen zu leiten und ihnen ihre Ansichten zur Ausstellung zu präsentieren. Unterstützt werden sie dabei von Kunsthistorikerin Gesine Emmerich, die ihnen Tipps gibt, wie eine selbstbewusste Darstellung von Standpunkten aussieht oder welche Informationen man Besuchern in jedem Fall geben sollte.

Über die Werke, die die Schülerinnen und Schüler ihren Gruppen später zeigen möchten, entscheiden sie bei den ersten Erkundungsrundgängen durch die Galerie selbst. Dieses Mal sind die Comic-Darstellungen von Roy Lichtenstein ganz vorn mit dabei. Aber auch Robert Indianas Buchstaben haben es ihnen angetan. „Und woran erinnert euch das schräg gestellte O?“, fragt Miriam ihre Mitschüler bei einem Probedurchlauf und deutet auf den schwarz-rot-gelben Schriftzug von LOVE. 

Das schräge "O" wird zum Diskussionspunkt © LUDWIGGALERIE

„Vielleicht ein bisschen an das Logo der Stadt Oberhausen“, kommt es von ihren Klassenkameraden. 
„Das war gut! Denn Fragen sind ein Mittel, um Zuhörer mehr in eine Führung einzubinden, dabei das Interesse zu steigern und eigene Gedanken anzuregen“, erklärt Gesine Emmerich der Gruppe.

Später werden die Schüler andere Schulklassen in Zweier- und Dreiergruppen durch die Etagen der LUDWIGGALERIE führen. Und egal, ob Andy Warhols Marilyn oder Mel Ramos‘ Apollo-Raumfähre: Jede Präsentation ist von der Sicht- und Ausdrucksweise der Jugendlichen geprägt und spiegelt ihren ganz eigenen Standpunkt zur Kunst wider. So geschieht Kunstvermittlung nicht abstrakt, sondern leicht verständlich und auf Augenhöhe.

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