Donnerstag, 21. April 2016

Mit offenen Augen durch die Welt

Fotografin Brigitte Kraemer im Gespräch

von Sarah Bauer

Ruhig sitzt sie vor den Fotografien kriegsversehrter Kinder. Ihre warmen braunen Augen blicken in den gut gefüllten Raum. Es ist ihre Ausstellung. BRIGITTE KRAEMER – Mann und Auto · Die Bude · Im guten Glauben – Reportagen und Fotografien von 1985 bis heute. Nun kam die Fotografin zum Talk mit Direktorin Dr. Christine Vogt in die LUDWIGGALERIE und berichtete über die menschliche Seite hinter den Abzügen.

Fotografin Brigitte Kraemer berichtet über ihre Arbeit © LUDWIGGALERIE


Eigentlich ist sie Steuergehilfin gewesen. „Doch ich wollte gern noch etwas anderes machen“, erinnert sich Brigitte Kraemer. Und das hat sie dann einfach so gemacht? „Das ging. Man war halt jung.“ Sie lacht und streicht sich die braunen Haare hinter das Ohr. Das Gespräch ist gerade einmal drei Minuten im Gang, als die in Hamm geborene und aktuell in Herne lebende 62-jährige Fotografin das Publikum schon zum ersten Mal zum Grinsen bringt.

Eine ihrer ersten Arbeiten nach dem Studium im Bereich Layout und Fotografie an der Folkwangschule war eine Bilderserie zu Mädchen auf Trebe. „Damals war ich beim Stern und die sagten dann: Da sind im Moment diese Mädchen, die von zu Hause ausreißen, wäre das was für Sie? Und ich dachte, da fahre ich doch mal nach Berlin und gucke.“ 

Berührungsängste? Kraemer winkt ab. Einmal sollte ein besetztes Haus geräumt werden. „Ich habe davon Wind bekommen und extra da übernachtet. Als die Polizei kam, habe ich schnell ein paar Bilder gemacht und mich dann diskret verzogen, bevor man mir den Film wegnehmen konnte.“ 


Schnüffler, Berlin-Kreuzberg, 1983 © Brigitte Kraemer

Wegschauen und zaudern sind nicht Brigitte Kraemers Metier. Draufhalten und auffallen aber auch nicht. Leise bewegt sie sich mitten unter ihren Fotomotiven, wird Teil der Szenerie, nimmt sich Zeit für die Menschen, die sie ablichtet. „Man muss mit offenen Augen durch die Welt gehen“, sagt sie fest. „Ich mag das gespannte Warten auf die richtige Situation.“

Oft arbeitet sie frei, manchmal sind es redaktionelle Aufträge. Und manchmal fällt ihr ein Thema einfach zu. „Einmal bin ich in die Redaktion gegangen und habe ganz locker gesagt, och, man könnte doch mal was über Männer und Autos machen. Das Bildressort war begeistert.“ Sie lächelt verschmitzt. „Und ich hatte noch gar keinen Plan!“ Ein Problem war das nicht. Kraemer fuhr zum Nürburgring, auf Schrottplätze und zu US-Car-Treffen. „Da muss man sich bewusst in eine Situation begeben, wo viel Material auf einmal ist.“

Rund 50 Besucher lauschten Kraemers Erzählungen © LUDWIGGALERIE

Von heiteren und skurrilen Serien lenkt Dr. Christine Vogt das Gespräch auch auf die Fotoreihen im Frauenhaus, im Flüchtlingsheim und im Friedensdorf. An die verletzten Kinder aus Afghanistan erinnert sich Brigitte Kraemer noch besonders gut. „Ich wollte mich nicht auf die Verwundungen der Kinder konzentrieren“, erklärt sie. „Das wäre grausam gewesen. Ich fand es viel mehr faszinierend, wie einfach die Kinder ihr Leid vergaßen, freundlich lachten und ausgelassen spielten. Das wollte ich festhalten.“

Unter den rund 50 Besucherinnen und Besuchern gibt es am Ende noch einige Fragen an die Fotografin. Zur Entwicklung von Filmen, Bildrechten und zum Thema Smartphone. Kraemer beantwortet alles. Ruhig, gelassen und mit einem Hauch Ruhrpott-Charme. Nach rund einer Stunde ist auch die letzte Unklarheit beseitigt und Brigitte Kraemer lässt ihre Fotos wieder für sich sprechen.

Die Fotografie-Ausstellung BRIGITTE KRAEMER ist noch bis 12. Juni 2016 jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr in der LUDWIGGALERIE zu sehen. Der Eintritt ist frei!

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