Mittwoch, 25. Mai 2016

„Guck doch mal die Klamotten!“

Spannender Kulturagenten-Workshop für Jugendliche im Schloss


Dicht drängen sie sich um die Vitrine, wechseln verwunderte Blicke. „Wieso seid ihr denn alle direkt hierher gegangen?“, fragt Kunsthistorikerin Linda Schmitz die achte Klasse der Hauptschule Alstaden geradeheraus. „Naja, das sah irgendwie interessant aus. So oldschool“, erwidert ein Schüler nach kurzem Zögern. Oldschool im Museum? Vergleichsweise unspektakulär im Vergleich zu Schmetterlingen im Gesicht und Männern in Kleidern. Doch der Reihe nach.
 
Linda Schmitz im Einsatz für die Kunst © LUDWIGGALERIE


Im Rahmen des Programms „Kulturagenten für kreative Schulen“ fanden sich am Mittwochvormittag mehrere Schulklassen der Hauptschule Alstaden Oberhausen zu einem ganz besonderen Workshop in der LUDWIGGALERIE ein. Zu Anfang gab es direkt eine kurze, unterhaltsame Führung durch die aktuelle Ausstellung REGINA RELANG.

Und was war jetzt oldschool? Gemeint hat der Schüler die analogen Kameras wie die Rolleiflex 1 oder die Hasselblad 500 C. Mit Modellen wie diesen hat Regina Relang fotografiert, deren Bilder bei den Jugendlichen erst einmal ein „Boah, was ist das denn?“ hervorrufen. Neugierig blicken – vor allem die Jungen – auf ein Model, das 1979 in Rom posiert. „Die Bilder sind ja alle schwarz-weiß“, bemerkt einer, „das macht das Foto älter.“
„Und wenn es Farbe hätte?“, wirft Linda Schmitz ein. 
„Dann könnte es auch von heute sein!“, ruft ein Mädchen dazwischen. Eine andere Schülerin schüttelt den Kopf: „Nee, guck doch mal die Klamotten!“

Model in Rom - oldschool oder nicht? © LUDWIGGALERIE

Schon ist die achte Klasse verwickelt in Regina Relangs Modewelt, diskutiert über Kleider, Hüte, Models und Kulissen. „Das Bild hat echt Klasse!“, bemerkt ein Schüler aufmerksam zu einer Fotografie aus dem Jahr 1957. „Das Kleid, der Hintergrund mit den Notenständern, vielleicht ist das Model eine Sängerin.“ 

Linda Schmitz nimmt die Gruppe leichthändig von einem Bild zum anderen, sorgt mit ihren Fragen für Diskussionsstoff und mit so manchen Antworten für Verblüffung.
„Das Bild ist am Computer entstanden und bearbeitet, auf jeden Fall!“, sind sich die Jugendlichen sicher, als sie eines von Relangs dreifach belichteten Schmetterlingsportraits sehen. Einem Model sitzt ein blauer Falter genau auf der Stirn, um sie herum befinden sich ebenfalls blaue Flügel, die leicht mit dem Gesicht überlappen. „Na, wir sind aber in einer Zeit, wo es digitale Bearbeitung noch gar nicht gab!“, gibt Schmitz zu bedenken und erklärt anschließend in aller Ruhe das Verfahren der Filmbelichtung.

Kleider machen Leute 

Nach der Führung geht es dann weg von der Theorie zur Praxis – ins hauseigene, temporäre Fotostudio der LUDWIGGALERIE. Spätestens jetzt tauen auch die letzten Teilnehmer auf, als sich einige Jungen sofort weiße Kleider und Blumenkränze schnappen, um vor den Smartphones der Klassenkameraden zu posieren. Das Gelächter ist noch bis in die unterste Etage zu hören. Andere kleiden Schaufensterpuppen stilvoll mit Stoffen an oder entwerfen eigene Modekreationen auf Papier.  

Spaß im Fotostudio © LUDWIGGALERIE
 
„Es ist ungefähr sechs Jahre her, dass unsere stellvertretende Schulleiterin, Elke Winhuysen, von der Kooperation mit den Kulturagenten gehört hat“, erinnert sich Lehrerin Eva Schweder. „Sie hat danach alles daran gesetzt, die Schule da mit einzubinden, einen Antrag gestellt und dann sind wir auch tatsächlich an Bord geholt worden.“ Schweder strahlt. „Ich sehe jetzt hier, dass Schüler ins Gespräch kommen, die sonst nie miteinander reden. Es ist schön, solche außerschulischen Orte wie die LUDWIGGALERIE zu finden, die bei so etwas mitmachen! Auch der Austausch mit schulfremden Menschen ist toll und bereichernd.“

Kostüme entwerfen und umsetzen © LUDWIGGALERIE


Das Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ begann im Schuljahr 2011/2012. Es hat das Ziel, Neugier für Kunst und Kultur zu wecken und Kenntnisse zu vermitteln. Kulturagentinnen und Kulturagenten organisieren gemeinsam mit Schulen, Eltern, Künstlern und Kulturinstitutionen ein großes Angebot: Sie setzen Kunstprojekte um, proben neue Vermittlungswege und bauen langfristige Verbindungen zu Museen und Kulturstätten auf. Mehr dazu gibt es auch auf der Homepage der Kulturagenten.

Nach dem erfolgreichen Workshop wird aufgeräumt. Wobei: „Die Jungs haben die Kleider sogar schon ordentlich wieder weggehängt“, freut sich Linda Schmitz fast ein bisschen ungläubig. Das hat Klasse.

Kommentare:

  1. Liebe Sarah,

    danke für diese schöne Geschichte. Was mich interessieren würde: wie habt ihr mit dem Projekt "Kulturagenten" zusammengearbeitet? Welche Rolle hat da eure hauseigene Museumspädagogik gespielt?

    Herzliche Grüße von Anke

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  2. Liebe Anke,
    wie schön, dass dir der Beitrag gefallen hat. Die Schülerinnen und Schüler haben mit dem Programm "Kulturagenten" eine Woche lang komplett im Zeichen der Kunst gearbeitet, z.B. waren an der Schule Fotografen, Filmproduzenten oder eine Maskenbildnerin zu Gast, mit denen es dann Workshops gab. Der Besuch unserer Ausstellung war dabei nur ein Teil des Gesamtprojekts und hat dann den Abschluss gebildet, was schön war, da die Kulturagenten ja auch immer versuchen, Schulen mit Kulturinstitutionen zu vernetzen. Unsere Museumspädagogen waren bei diesem speziellen Part die ausführenden Kräfte - also haben das Programm in Abstimmung mit den Kulturagenten an diesem Tag im Museum gestaltet.
    Viele liebe Grüße,
    Sarah

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  3. Danke für deine Antwort, liebe Sarah!

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