Donnerstag, 30. Juni 2016

Wer ist eigentlich Regina Relang?

Die Wiederentdeckung einer fabelhaften Fotografin

 von Sarah Bauer 

Jim Rakete, Peter Lindbergh, F.C. Gundlach – Koryphäen aus der Fotografie, die viele kennen. Doch wer war die Frau, die Karl Lagerfeld ebenso vor der Linse hatte wie Model Suzy Parker? Die mit Christian Dior zusammenarbeitete und in der Vogue veröffentlichte? Regina Relang – eine Frau, die die Eleganz in den Fokus rückte und selbst meist im Schatten stand. Die LUDWIGGALERIE lässt sie und ihr Werk aktuell in einer stilvollen Retrospektive aufleben.
 
Portrait Regina Relang, 1981, Foto Julius Kurt © Münchner Stadtmuseum Sammlung Fotografie Archiv Relang


Am Anfang stand nicht die Fotografie – sondern die Malerei. Regina Relang studierte Kunst in Krefeld, Stuttgart, Berlin und Paris. Aber am Ende war sie nie wirklich zufrieden mit ihren Arbeiten. So griff sie schließlich Anfang der 1930er Jahren zur Kamera und begann, autodidaktisch zu fotografieren. In jener Zeit hielt sie auch engen Kontakt zu Fotograf Willy Maywald. Mit ihrer Schwester Urs Lang-Kurz, ebenfalls Künstlerin, mietete sie ein gemeinsames Atelier in Paris.

Doch sie begann nicht gleich mit den Modeaufnahmen, für die sie heute bekannt ist, sondern reiste erst einmal für Fotoreportagen durch ganz Europa. Anfangs allein, dann ab 1937 gemeinsam mit ihrem Mann, dem staatenlosen Maler Arkady Kuzmin. Dabei zeigte sich Regina Relang als Frau für diese Zeit bemerkenswert selbstständig und unabhängig. 

Regina Relang, La Sevillana, Sevilla, 1939 © Münchner Stadtmuseum Sammlung Fotografie Archiv Relang

Ihre ersten Modeaufnahmen hatten noch einen surrealistischen Touch, wie die Schuhe die allein um einen Baum zu gehen scheinen oder die behandschuhten Finger, die Windräder in den Himmel recken. Letzteres – das sogenannte „Handschuhballett“ – wurde 1937 in der amerikanischen Vogue veröffentlicht und war der erste internationale Erfolg für Relang.

Wenn Regina Relang arbeitete, war sie oft etwas hektisch und selten zufrieden. Dies zeigt auch der rund 40-minütige Film aus dem bayrischen Rundfunk, der in der Ausstellung zu sehen ist. Sie legte großen Wert auf Genauigkeit und hatte schon früh ein ausgeprägtes Auge für Ästhetik sowie ein Gefühl für Stoffe und Materialien.

In der Nazi-Zeit
                                               
Unter dem Nazi-Regime in den 1940er Jahren musste sich auch Relang in die streng reglementierte Presselandschaft einfügen. Um in Deutschland weiter fotografieren zu können, wurde sie Mitglied des Reichsverbandes der Deutschen Presse. Über ihre persönliche politische Meinung in dieser Zeit gibt es allerdings kaum Belege.

Nach dem Krieg gewann die Modefotografie langsam wieder an Bedeutung. Relang nutzte Ruinen zerstörter Metropolen als Kulisse, was aus heutiger Sicht erschreckend wirkt, damals aber ein erschreckend normales Straßenbild war und zum Alltag gehörte. So fing sie in ihren Straßen-Fotografien auch stets den Zeitgeist ein.

Auch in den folgenden Jahren fotografierte sie viel im Freien – egal ob in Rom, Florenz oder Paris. Das zauberhafte Flair dieser Modemetropolen überträgt sich sofort auf den Betrachter der Bilder. Regina Relangs Modefotografien wurden in den 1950er und 1960er Jahren stilbildend.

Model in Rom - Atmosphäre überträgt sich © LUDWIGGALERIE

Nach dem Tod ihres Mannes 1971 wandte sich Relang vermehrt freien künstlerischen Arbeiten zu und experimentierte unter anderem mit bunter Mehrfachbelichtung. Ihre Inszenierungen und Bilderwelten sind bis heute einzigartig.

1989 starb Regina Relang in München. Zwei Jahre zuvor übergibt sie dem Münchner Stadtmuseum ihr Gesamtwerk. Aktuell zeigt die LUDWIGGALERIE aus diesem Archiv eine ausgewählte Retrospektive von 1930 bis 1980. Noch zu sehen bis 18. September 2016 im Schloss Oberhausen.

Zeitgleich ist im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund eine Ausstellung über den bekannten Fotografen Willy Maywald zu sehen. Dort könnt ihr neben der Modefotografie auch Künstlerportraits von Picasso, Chagall oder Léger entdecken. Auch Tanz- und Architekturfotografie sowie Reisereportagen zählen zu seinem Sujet. Regina Relang und Willy Maywald verband eine herzliche Freundschaft. Beide verweilten in den 1930er Jahren in Paris. Bei Vorlage einer Eintrittskarte REGNIA RELANG erhalten Sie im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund ermäßigten Eintritt in die Fotografie-Ausstellung WILLY MAYWALD (Laufzeit bis 18. September 2016).

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