Mittwoch, 10. Oktober 2018

Interview mit der Direktorin der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


20 Jahre LUDWIGGALERIE und 10 Jahre Dr. Christine Vogt als Direktorin des Hauses! An welche Ausstellung denken Sie am liebsten zurück und wieso? 

Dr. Christine Vogt: Tja, das ist schwer zu sagen. Da wir ja ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben, sind die Ausstellungskonzepte auch nicht zu vergleichen. Bei den großen Themenausstellungen mit Meisterwerken aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig ist vielleicht Hair! Das Haar in der Kunst immer noch mein Favorit. War schon ein wirklich tolles Thema. In der Populären Galerie fand ich Streich auf Streich. 150 Jahre deutschsprachiger Comic sehr lehrreich. Da ich die Ausstellung nicht selber gemacht habe, kann ich das wohl ruhig sagen. Bei den Fotografieausstellungen ist das auch sehr schwierig. Jim Rakete und Herlinde Koelbl fand ich waren schon tolle Präsentationen. Aber viele der anderen Ausstellungen auch. Und im Bereich der Landmarken Galerie war AT HOME. Wohnen im Ruhrgebiet, kuratiert von Nina Dunkmann, ein wunderbares und auch unterhaltsames Projekt.Ganz ehrlich muss ich aber sagen, dass alle Ausstellungen der letzten 10 Jahre mir viel Spaß gemacht und viel bedeutet haben. Das wichtigste Projekt ist natürlich immer das, an dem man gerade arbeitet.
 
Welche dargestellte Geste aus der Jubiläumsausstellung ist ihrer Meinung nach am wichtigsten für unsere heutige Zeit?
Dr. Christine Vogt: Auch diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Die erstaunlichste Geste für Deutschland ist sicherlich die Merkel-Raute. Ein Dauerbrenner mit verschiedenen Facetten sind aber auch die nach oben gestreckten Zeige- und Mittelfinger. Als Schwurhand und Segensgestus werden sie eingesetzt, ebenso als Victory- und Peace-Zeichen. Sicherlich auch für die heutige Zeit von größter Bekanntheit und Bedeutung.

Nach 20 Jahren LUDWIGGALERIE: Worüber jubeln Sie am meisten?
Dr. Christine Vogt: Darüber, dass wir 20 Jahre erfolgreiche Arbeit machen konnten. Es ist schon ganz wunderbar, dass meine Vorgänger Bernhard Mensch und Peter Pachnicke ein Konzept für die LUDWIGGALERIE entwickelt haben, das bis heute tragfähig ist. Und ich finde es für mich ganz persönlich wirklich wunderbar, dass es ein so vielseitiges und abwechslungsreiches Profil ist, mit dem wir uns täglich beschäftigen dürfen. Das ist schon Grund zum Jubeln.
 
Wofür sind Sie besonders dankbar?
Dr. Christine Vogt: Dankbar bin ich für die große Unterstützung, die die LUDWIGGALERIE von allen Seiten her erhält. Die Stadt Oberhausen steht geschlossen hinter dem Haus, was ja heutzutage auch nicht mehr selbstverständlich ist. Die Ludwig Stiftung fördert uns seit Jahren. Wir konnten einen FREUNDESKREIS für die LUDWIGGALERIE gründen, wo die Menschen sich für unsere Arbeit besonders interessieren und einsetzen. Und außerdem bin ich sehr dankbar, dass ich in einem wirklich tollen Team arbeiten darf, wo sich alle sehr für’s Haus engagieren. Das macht schon viel Spaß.

Worüber denken Sie im Jahr 2018 am meisten nach? 
Dr. Christine Vogt: Man denkt natürlich immer am meisten darüber nach, was kommen wird. Mich beschäftigen immer sehr die Programme für die nächsten Jahre, das ist aber kein Spezifikum für das Jahr 2018. So ein Jubiläum macht vielleicht nochmal nachdenklicher darüber: wie können wir noch besser werden, was können wir noch tun, damit die Menschen zu uns kommen. Und auch: Wie soll das Haus weiter für die Zukunft aufgestellt werden? Wir haben mit der Aufnahme von zwei Künstlernachlässen ja einen größeren Fokus auf die eigene Sammlung begonnen. Über diese Themen habe ich im Jahr 2018 schon sehr viel nachgedacht.

Roy Lichtenstein, Finger Pointing, 1973 © Estate of  Roy Lichtenstein / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.

Die Interviewfragen wurden gestellt von Natascha Kurek.



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