Mittwoch, 17. Oktober 2018

Seltsame Hasen, knalliger Pop und der Geruch von Ölfarbe: LUDWIG LUST weckt alle Sinne


„Gut gebaut dieses Gebäude!“, ruft einer der Schüler anerkennend. „Ich fühle mich von den Statuen beobachtet“, sagt ein anderer. „Und es riecht nach altem Buchdruck“. Kurze Stille. Kichern. „Ich sehe einen nackten Mann und eine nackte Frau!“

Bei museumspädagogischen Projekt LUDWIG LUST an der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen haben fünfzehn Jugendliche Ausflüge zu den drei Ludwig-Museen in Köln, Aachen und Koblenz gemacht – und festgehalten, was sie in den jeweiligen Ausstellungen gesehen, gehört, gerochen und empfunden haben. Dabei heraus kam Aufregendes, fernab von dem, was oft auf den kleinen Exponatenschildern steht.


Viele der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 18 Jahren haben vorher bereits an einem anderen Projekt – den LUDWIG CHARTS  teilgenommen. Seit 2013 begeistern die Leiterinnen Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach im Rahmen der Förderung durch den Deutschen Museumsbund damit junge Menschen rund um die LUDWIGGALERIE in Oberhausen. Dabei können die Jugendlichen gemeinsam ihre TOP 10 Werke der aktuellen Ausstellung auswählen und präsentieren diese anschließend der Öffentlichkeit. Unterstützt durch Körper- und Sprechtrainings mit Profis aus dem Bereich Theater, Medien und Film. Und weil das Projekt über so lange Zeit so gut ankommt, haben Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach nun die Förderung für ein Anschlusskonzept eingeheimst: die LUDWIG LUST.



Ganz viel Lust auf die große Sammlung der Ludwigs

„Das Spannende ist ja, dass wir nicht nur in Oberhausen ein Ludwig-Museum haben, sondern dass es die Häuser weltweit gibt. Und einige davon sind ganz in unserer Nähe“, freut sich Ursula Bendorf-Depenbrock. Mehr als 14.000 Werke hat das inzwischen verstorbene Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig seit den 1950er Jahren zusammengetragen. Heute zeigen 26 Museen auf drei Kontinenten die Schätze ihrer Sammelleidenschaft – zwölf davon tragen den Namen „Ludwig“. Neben der Ludwiggalerie in Oberhausen haben die Projektleiterinnen deshalb drei weitere Museen in der Umgebung ausgespitzt, zu denen sie die Jugendlichen während der LUDWIG LUST mitnehmen wollten. „Ein Blick über den Tellerrand“, sagt Sabine Falkenbach schmunzelnd. „Wir wollten doch mal sehen, was in den anderen Ludwig-Häusern so los ist, nachdem uns die jungen Menschen schon in Oberhausen mit ihren frischen Ansichten überrascht haben.“


„Unwichtiges ins Museum geholt!“ – Pop Art im Museum Ludwig Köln

Auf den Fahrten ins Museum Ludwig in Köln, ins Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen und ins Ludwig Museum Koblenz stehen weder trockene Führungen, noch das Auswendiglernen von Fakten auf dem Plan. Nein, die LUDWIG LUST fordert die Sinne der Schülerinnen und Schüler heraus. Sie sollen während des Streifzugs in den Räumen und Anlagen rund um die Ausstellungshäuser aufschreiben, was sie sehen, riechen, hören und fühlen. Welche Kunst-Epoche im Museum Ludwig in Köln Einzug gehalten hat, lässt sich an den Ausrufen leicht erkennen: „Elvis, Geldschein, USA, Werbung!“, schallt es durch den Saal. „Neon-Ludwig! Bunte Zahlen. Unwichtiges ins Museum geholt!“ Das muss Pop Art sein. Daneben fällt einigen Jugendlichen der Geruch von Ölfarbe auf, leise Musik und ein Rauschen.


Stille hören im Suermondt-Ludwig-Museum

Ich rieche alte Farbe“, geht es im Suermondt-Ludwig-Museum weiter. „Nee, es riecht nach altem Buchdruck!“, erwidert ein Mitschüler. „Also die Dekoration ist echt gut gewählt. Wunderschöne Wände“, gibt es ein Lob für die Innenarchitektur. „Ich fühle mich von den Statuen beobachtet. Geister. Götter. Unheimlich.
Neben der Kunst blicken die Jugendlichen auch auf sich als Besucher und nehmen die Geräusche wahr, die sie selbst mit in die Ausstellung bringen. „Schritte. Lachen.“ Eine kurze Gedankenpause. „Ich höre Stille“, sagt schließlich einer.
Es ist unheimlich interessant, was unsere Gruppe bei der LUDWIG LUST alles wahrnimmt“, bemerkt Ursula Bendorf-Depenbrock. „Wie es plötzlich nicht mehr nur darum geht, ein Kunstwerk zu betrachten, sondern darum, das Exponat und alles darum herum bis zum urbanen Umfeld im Außenraum zu beobachten und zu erfahren.


Ganz viele seltsame Hasen in Koblenz

In Koblenz schließlich erst einmal wieder Verwunderung: „Man kommt rein und wird von einem Hasen überrascht!“ Doch das ist nicht alles. „Ich habe ein Bild gesehen, wo ein Hase drauf ist, der elektronisiert ist.“ Die Ausstellung verstört und weckt zugleich zahlreiche Assoziationen und Interpretationen. „Es durftet nach altem Holz, Öl und Acryl. Es schallt hier sehr. Hellohring.
Fleißig notieren die Schülerinnen und Schüler auf kleinen Karten alles, was ihre Sinne weckt. Die Notizen sammeln die Museumspädagoginnen Ursula Bendorf-Depenbrock, Sabine Falkenbach und die Ehrenamtliche Monika Kempkes später ein. Zurück in Oberhausen werden sie geordnet und dem Schauspieler Klaus Zwick übergeben, der die Eindrücke für das Team einspricht und aufnimmt. Denn an der LUDWIG LUST sollen noch viel mehr Menschen teilhaben. Beim Großevent Extraschicht 2018 waren die vertonten Impressionen schließlich in der Artothek der LUDWIGGALERIE für die Öffentlichkeit hörbar.

Die LUDWIG LUST – „Eine großartige Idee!“

Ich finde das eine ganz großartige Idee“, zeigt sich Besucherin Milena Meurer beeindruckt. „So nimmt man den Museen das Staubige, das ja gerade Jugendliche noch oft empfinden. Es ist überraschend, was die jungen Leute alles wahrnehmen, wenn man sie die Kunst mal auf ihre eigene Weise offen entdecken lässt.
Die Projekte LUDWIG CHARTS und LUDWIG LUST sind speziell für Jugendliche gedacht, die aus eher bildungsfernen Hintergründen stammen und selten mit Kultur und Kunst in Berührung kommen. Die Projektleiterinnen freuen sich, dass sie nun gesichert bis Ende 2019 weitermachen können – mithilfe des Deutschen Museumsbundes im Rahmen von Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung des Innenministeriums für Bildung und Forschung.



Autorin: Sarah Bauer

Alle Abbildungen: LUDWIG LUST, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen