Freitag, 29. Mai 2020

Das Bert-Brecht-Haus: Eine Fotografie mit "Flashback"-Faktor

Weiter geht die Zeitreise in ein früheres Oberhausen. Dieses Gebäude kennt sicherlich jede/r Oberhausener/in: Das Bert-Brecht-Haus. Wo heute die Stadtbibliothek und die Volkshochschule ansässig sind, verbarg sich vor 60 Jahren hinter den Mauern der Kaufhof. Dieses Schwarz-Weiß-Foto von 1960 zeigt den alten Kaufhof, bevor es 1961 einen Standortwechsel innerhalb der Innenstadt gab. Links sieht man die Baumallee auf der Paul-Reusch-Straße.

Rudolf Holtappel, Der alte Kaufhof Oberhausen, 1960 © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Diese Fotografie zeigt einmal mehr Holtappels Gespür für den richtigen Moment. Die „Hintergrundkulisse“ bildet das Bert-Brecht-Haus mit Passanten. Es liegt leicht aus der Mitte nach rechts verschoben. Die Linienführung der Allee läuft auf einen außerhalb des Bildes liegenden Fluchtpunkt zu. Zum rechten Bildrand hin fahrend sieht man zwei Fahrradfahrer in Bewegungsunschärfe.
Im linken Teil des Vordergrundes sitzt ein Pärchen auf einem Motorroller und blickt in Richtung Kaufhof. Sie stehen still, sind also scharf zu erkennen.
Diese Aufnahme lebt von ihrer Vielschichtigkeit: Es sind die Menschen, die die Hauptrolle spielen und Erzählungen schaffen aber trotzdem auch das übergroße Gebäude und seine starre Vertikale, die das Bild hält. Es ist die Dokumentation eines Gebäudes aber auch die Spontanität des Moments. Kleine Hinweise sind zum Beispiel die stark angeschnittene Laterne am rechten oberen Bildrand.
Holtappel erstellt seinerzeit Fotografien, die heute den gewissen „Flashback“-Faktor für Menschen aus dem Ruhrgebiet haben. Sie sind viel mehr als einfache Stadtbilder, sondern Erinnerungen oder Erzählungen einer vergangenen Zeit.

So sieht das Bert-Brecht-Haus übrigens heute und in Farbe aus:

Das Bert-Brecht-Haus heute © Carsten Walden