Mittwoch, 12. Dezember 2018

Nach 20 Jahren LUDWIGGALERIE präsentieren 20 MitarbeiterInnen des Hauses ihre Lieblingswerke aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen © Thomas Wolf

Petra Broedner ist in der Verwaltungsabteilung der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE beeindruckt sie vor allem das großformatige Gemälde „Ausgesperrte Kinder“ (1980) von Hanefi Yeter. „Die Geste zeigt sich hier in den Gesichtern und Händen der Kinder, die sehnsüchtig nach draußen blicken. Vor allem als Kind verspürt man das Bedürfnis, nach draußen zu gehen, um mit anderen zu spielen. Eingesperrt in einem Innenraum, scheinen sie wie Gefangene vom Leben ausgesperrt zu sein.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Mario Müller arbeitet als Ausstellungsaufsicht in der LUDWIGGALERIE. Sein Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das großformatige Bild „Führergruß“ (2005) von Thomas Baumgärtel. „Das Werk veranschaulicht, was eine Diktatur mit einer Gesellschaft anstellen kann. Man muss das Bild aus einiger Entfernung betrachten, damit seine volle Wirkung zur Geltung kommt.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Claudia Jäkel ist im Besucherservice und IT-Bereich der LUDWIGGALERIE beschäftigt. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie besonders das Pastell-Bild von Raimondo Puccinelli. „Das Bild zeigt die Tänzerin Mary Wigman, die den Künstler mit ihrem modernen Ausdruckstanz schlicht begeisterte. Und genau das bewundere ich an diesem Werk: Die Darstellung kraftvoller Dynamik, verbunden mit Leichtigkeit, Anmut, Eleganz und Schönheit. Für mich eine besonders expressive Geste.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Die Museumspädagogin Angela Noack-Zwick gibt Führungen und Workshops in der LUDWIGGALERIE. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das Gemälde „Fünf nackte Frauen“ (1973) von Johannes Grützke. Vor allem gefällt ihr „die Theatralik und der Humor, den Grützke durch seine Schonungslosigkeit der Darstellung transportiert. Und der Surrealismus! Wer möchte nicht fliegen können? Außerdem habe ich selber vier Schwestern“ – dies erklärt dann wohl ihre problemlose Eingliederung in die Bildszenerie.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Caroline Tillmann-Schumacher ist stellvertretende Leiterin der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr insbesondere das Werk „5:3“ (2006) von Thomas Baumgärtel: „Ich finde es schön, Frau Merkel zu Deutschlands Fußball-Sieg gegen Argentinien jubeln zu sehen. Sonst kennen wir ja eher die Merkelraute. Diese taucht übrigens innerhalb der Ausstellung bereits in einem „Ars bene moriendi“ aus der Zeit um 1475 auf.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Cristina Christel ist Museumspädagogin und gibt Führungen in der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie vor allem das Gemälde „Madonna“ (1979-1980) von Claudio Bravo. „Besonders faszinierend finde ich die hyperrealistische Malweise des Werkes. Man bekommt zunächst das Gefühl, als würde es sich um eine Fotografie handeln. Interessant ist aber auch die Darstellung der Gesten: Sie charakterisieren die Heiligen, die um Maria und das Christuskind versammelt sind.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Jennifer Liß arbeitet als Ausstellungsassistentin in der LUDWIGGALERIE. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das „Niederländische Sprichwörterbild“ (1559). Es handelt sich um eine Kopie nach Pieter Brueghel (d. Ä.) und zeigt 101 sinnbildlich dargestellte Sprichwörter und Redewendungen, wie z. B. „Sein Mäntelchen nach dem Wind hängen“ oder „Beim Teufel zur Beichte gehen“. Vor allem interessiert sie die etymologische Entwicklung solcher meist regional entstandenen Sprichwörter. Und welche Rolle spielt hier die Geste? „In diesem Fall verweisen die Gesten auf einzelne Redewendungen. Demnach drückt die Geste hier weniger einen Gemütszustand aus, sondern visualisiert vielmehr den sinnbildlichen Ablauf des jeweiligen Sprichwortes, z. B. Sich an die eigene oder eben die fremde Nase fassen.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Tim Kleinreesink ist im Besucherservice der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihm besonders das Werk „Die Pest“ (1913). „Ich bin ein großer Fan des Künstlers Franz von Stuck! Vor allem beeindruckt mich die formatfüllende Darstellung der Medusa-ähnlichen Frauengestalt, die mit einer Sense auf den Betrachter zugeht. Die dunkle Szenerie ist eindringlich.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Christiane Brox unterstützt die LUDWIGGALERIE im wissenschaftlichen und organisatorischen Bereich. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr das Werk „L'APPROCHE. Moi qui éprouve une peine énorme à me tenir à la hauteur des choses“ (1970) von Gérard Gasiorowski. „Das Gemälde zeigt in fotorealistischer Darstellungsweise die Geste des Applauses. Die heitere Stimmung geht mit Begeisterung, Anerkennung und Leidenschaft einher und passt somit sehr gut zum Anlass der Ausstellung – dem Jubiläum der LUDWIGGALERIE.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Ursula Bendorf-Depenbrock ist die künstlerische Leiterin der städtischen Malschule und Artothek. Zudem konzipiert sie Programme und Projekte für die Museumspädagogik der LUDWIGGALERIE. Aus der aktuellen Ausstellung DIE GESTE mag sie vor allem das Werk „Echo“ (1972) von Hann Trier. "Die Geste visualisiert sich hier als gestischer Malakt. Mit den spontanen Pinselzügen in unterschiedlichen Grauwerten entsteht ein spannungsreiches dynamisches Formgefüge mit großer Tiefenwirkung. Für mich persönlich der perfekte Bildaufbau".
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Herr Stahl arbeitet als Ausstellungsaufsicht in der LUDWIGGALERIE. Sein Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das Ölgemälde „Joseph und das Weib des Potiphar“ (18. Jh.) von Carlo Cignani: „Generell gefällt mir klassizistische Malerei sehr gut – vor allem barocke Bildszenerien sind immer sehr emotional aufgeladen. Die hier dargestellte Situation ist aus heutiger Sicht eher untypisch: Eine unbekleidete Schöne klammert sich voller Begehren an einen Mann, der sich daraufhin in abwehrender Geste von der Verführerin wegdreht.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 

Denise Cornelißen ist im Besucherservice der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr vor allem das Werk „Reversible and Interchangeable Phases of Motion, No.6“ (1972) von Dóra Maurer: „Die verschiedenen Handstellungen erinnern mich an die Gebärdensprache, die so wichtig ist für gehörlose Menschen. Mich persönlich fasziniert Gebärdensprache; sie hat etwas Geheimnisvolles an sich – aus diesem Grund gefällt mir wohl auch das Werk von Dóra Maurer.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Dagmar Winkler ist zuständig für die Presse- Öffentlichkeitsarbeit der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie das Werk „Hut und Handschuhe“ (1930/2012) von Ellen Auerbach. „In der Fotografie kommt die perfekte Harmonie zwischen Komposition und Geste zum Ausdruck. Auf einem quadratischen Holzblock ruht der mit einer „Toque“ dekorierte Kopf einer Schaufensterpuppe. Das Arrangement wird vervollständigt durch eine rechteckige Unterlage, auf der ein elegantes Paar über Kreuz gelegter Handschuhe liegt. Die Modeaccessoires der 1930er Jahre, eingebettet in die Formen von Oval, Quadrat, Kreis, Kreuz und Rechteck, bringen die Geste optimal zur Geltung.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Susanne Hannoschöck ist in der Objektleitung der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE hat sie sich eine tibetische Skulptur mit dem Titel „Lama mit Vitarka Mudra“ (19./20. Jh.) ausgesucht. Der Künstler ist unbekannt. „Gyalsab Rinpoche ist als Experte in der Meditation bekannt und war verantwortlich für die Rezitation aller Sutras in der Möchsversammlung. Die hier gezeigte Vitarka Mudra – auch bekannt als Gyan oder Jnana Mudra – verbessert die Konzentration, bringt Klarheit, schenkt inneren Frieden und spirituelles Wachstum.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Sabine Henneken ist die Verwaltungsleiterin der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie vor allem den Siebdruck „Wir sind die Neuen“ (2017) von Heike Kati Barath. „Im Ringen um echte Mitbestimmung in unserer parlamentarischen Demokratie scheint sich dieses junge Mädchen den Leitspruch der Aufklärung zu eigen gemacht zu haben: ‚Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ Ihr Blick und ihre Haltung sind herausfordernd, ja latent aggressiv. Sie ist nicht kampflos bereit, sich ihren Platz in der Gesellschaft von anderen zuweisen zu lassen.

Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Susanne Supovec arbeitet im Besucherservice der LUDWIGGALERIE. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist die „Weibliche Figur“ (1. H. 20. Jh.) der Mali Senufo. „Selbstbewusst und stolz steht sie da, fest auf ihren muskulösen Beinen, und hält in kraftvoller, wehrhafter Geste den Calao, den mythologischen Urvogel der Senufo, wie ein Schutzschild hoch über ihren Kopf erhoben. Mit rituellen Hautritzungen und einem Lippenpflock versehen, gleicht der nackte Körper einer Rüstung. Sogar die Brüste scheinen Waffen zu sein. Diese Holzskulptur der Senufo, einer westafrikanischen Ethnie mit traditionell matriarchaler Kultur, zeigt eine machtvolle weibliche Figur, die – ob nun Stammeskriegerin oder Fruchtbarkeitsgöttin – für mich von archaischer Schönheit ist.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Axel J. Scherer ist Fotograf. In der LUDWIGGALERIE arbeitet er mitunter auch als Musemspädagoge. Sein Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das großformatige Gemälde (2017) von Claudia Kaak. „Was mich an diesem Bild am meisten bewegt, ist die Exaktheit des eingefangenen Momentes. Zum Ausdruck kommt ein Gefühl zwischen Angst, Verzweiflung und Kummer – letztendlich ein affektiver Gemütszustand, der hier genau im richtigen Moment festgehalten ist. Dies zwar in fotografischer Exaktheit, aber eben nicht wirklich fotografiert, sondern meisterlich in Öl umgesetzt. Eine große Emotion eingefangen in nur einem Bild.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Sarah Bockting gibt Führungen in der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr besonders gut das Ölgemälde „Art Books“ (1991) von Anne Bering. „Das Werk zeigt eine fiktive Künstlerbibliothek. Während manche Buchrücken einen Künstlernamen oder kunsthistorischen Verweis enthalten, sind auf einigen Buchrücken Bildausschnitte aus bekannten Kunstwerken abgebildet: Zum einen Max Beckmanns Hand mit Zigarette, zum anderen die Wundmale Christus. Mit diesen Bildzitaten und Namensnennungen, lässt sich das Werk gewissermaßen auch als Geste der Honorierung betrachten.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Nina Dunkmann ist eine der Kuratorinnen der LUDWIGGALERIE. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist die Fotografie „John Lennon, Statue of Liberty“ (1974/2017) von Bob Gruen. „Es gibt Ikonen, die Dauergäste in der LUDWIGGALERIE sind. Bei der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! konnten wir John Lennon noch bei der Kissenschlacht mit seinen Band-Kollegen beobachten. In der kommenden Ausstellung BRITISH POP ART wird es unter anderem um die Plattencover der Beatles gehen. In der MODRILLO-Ausstellung wiederum wurde die Freiheitsstatue mit Knollennase und Sträflingsuniform dargestellt. Und auch auf dieser Fotografie von Bob Gruen wirkt es (leider), 1974 wie heute, eher provokant, wenn Lennon das Peace-Zeichen vor der Freiheitsstatue macht.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Linda Schmitz ist Volontärin in der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie die Zwerge von Ottmar Hörl, insbesondere „Sponti“ (2006). „Der Mittelfinger gehört zu meinen Lieblingsgesten – diese Handstellung bedarf keiner weiteren Sprachelemente, was für mich eine aussagekräftige Geste ausmacht.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
   
Weitere Gesten gibt es noch bis zum 13. Januar 2019 in der Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein zu entdecken.

Fotoprojekt: Natascha Kurek










Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eine tolle Geste der STOAG!


v.l. Ursula Bendorf-Depenbrock (Städtische Malschule), Werner Overkamp (Geschäftsführer der STOAG), Caroline Tillmann-Schumacher (stellv. Leiterin der LUDWIGGALERIE), 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zum 20-jährigen Jubiläum hat die STOAG der LUDWIGGALERIE die Gestaltung eines Linienbusses geschenkt. Nun fährt ein rosa-roter Bus durch Oberhausen. Außerdem hat die STOAG Oberhausener Schulklassen eine kostenfreie An- und Abreise zur Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit ermöglicht. Herr Overkamp, wie kommt es zu diesen tollen Gesten gegenüber der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen?
Werner Overkamp: Der rosa-rote Bus, der für die LUDWIGGALERIE wirbt, ist eine schöne Idee. Buswerbung ist ein geeignetes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das hat die LUDWIGGALERIE verdient. Und auch die pädagogische Arbeit des Museums ist wichtig für unsere Stadt. Deshalb unterstützt die STOAG im Jubiläumsjahr die LUDWIGGALERIE noch mehr als sonst. Wenn die STOAG mit überschaubaren Mitteln öffentliche Einrichtungen unterstützen kann, tut sie das gerne.
Seit Februar 2014 sind Sie nun schon Mitglied im Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Was hat Sie persönlich dazu bewogen dem Verein beizutreten?
Werner Overkamp: Es ist toll, dass Oberhausen mit der LUDWIGGALERIE eine Kulturinstitution hat, die auch überregional bekannt ist und geschätzt wird und viele Besucher anlockt. Das muss gefördert werden. Ich persönlich bin von Mitgliedern des Freundeskreises, die dort ehrenamtlich eingebunden sind, angesprochen worden und engagiere mich nun im Rahmen meiner Möglichkeiten ebenfalls. Dazu kommt, dass meine Frau und ich uns für Kunst interessieren.
Als einziges Museum in Nordrhein-Westfalen präsentiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen regelmäßig Positionen zum Thema Comic. Nach ENTENHAUSEN, MORDILLO oder FIX & FOXI zeigen wir bald die große Ausstellung DER STRUWWELPETER – Zappel-Philipp, Paulinchen und Hans Guck-in-die-Luft zwischen Faszination und Kinderschreck von 1844 bis heute. Welche populäre Comicfigur verbinden Sie persönlich mit ihrer Kindheit? Und welchen ihrer Kindheitshelden würden Sie gerne mal in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen sehen?
Werner Overkamp: Ehrlich gesagt habe ich als Kind gar nicht so gerne Comics gelesen. Nur Popeye, den fand ich klasse. Erst später habe ich durch meine eigenen Kinder Gefallen an Micky Maus und Walt Disney gefunden, die ja bereits Inhalt der Ausstellung Entenhausen waren.
Wann feiert denn die STOAG ihr nächstes Jubiläum?
Werner Overkamp: Wir haben im Jahr 2021 ein kleines Jubiläum zu feiern, nämlich 25 Jahre ÖPNV-Trasse und Wiedereinführung der Straßenbahn. Ein Jahr später ist es 125 Jahre her, dass die erste elektrische Straßenbahn in Oberhausen fuhr und damit die Ära des öffentlichen Nahverkehrs in Oberhausen begann. Das ist natürlich schon ein richtig großes Jubiläum, das wir auch entsprechend feiern möchten.



Die Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Die Fragen wurden gestellt von Natascha Kurek.

Mittwoch, 28. November 2018

Wir gedenken unserer großen Stifterin und Mäzenin Irene Ludwig


1927 wird Irene Maria Therese Monheim in Aachen geboren und beginnt 1947 ihr Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Vor- und Frühgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1951 heiratet sie Peter Ludwig, den sie während des Studiums kennengelernt hat. Das Paar übernimmt die Schokoladenfabrik aus der Familie Monheim.
Zusammen bauen sie eine der wichtigsten und umfangreichsten Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts auf. Von Anfang an erklärtermaßen für die Öffentlichkeit zusammengetragen, sind diese Schätze heute auf 20 Museen in der ganzen Welt verteilt. 12 Häuser – wie auch die LUDWIGGALERIE – tragen ihren Namen. Die Sammlungsgebiete reichen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, von der Pop Art bis zur Präkolumbischen Kunst, vom Porzellan bis zur russischen Avantgarde.
Diesem breiten Sammlungsansatz trägt auch das Programm der LUDWIGGALERIE Rechnung. Die aktuelle Ausstellung zum Thema DIE GESTE versammelt Werke aus der Sammlung Ludwig und der ganzen Welt im Sinne der Stifter. Anlässlich ihres 80. Geburtstages würdigte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Irene Ludwig und ihren verstorbenen Mann als „Deutschlands bedeutendstes Kunstsammler-Paar“. Heute vor acht Jahren, am 28. November 2010, stirbt Irene Ludwig in Aachen und hinterlässt der Öffentlichkeit ein wertvolles Kunsterbe.
Irene Ludwig (in weiß) zusammen mit den Direktorinnen und Direktoren der Ludwig Museen im Rautenstrauch-Joest-Museum, 2010 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Freitag, 16. November 2018

Social Media- und Bloggertag #DieGeste in der #SammlungLudwig

Was verrät deine Körpersprache über deine Gedanken und Gefühle? Die aktuelle Ausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen beschäftigt sich mit nonverbaler Kommunikation. In den sehr verschiedenen Kunstwerken (von Fotografie oder Video über Malerei bis hin zu Skulptur) treffen gesellschaftlich etablierte Körper- und Handgesten aus verschiedenen Ländern, Zeiten und Kulturen aufeinander. Gesten können das gesprochene Wort verstärken, gar ersetzen und bilden somit die Basis für zwischenmenschliche Kommunikation. Dieser Tatsache ist sich vor allem Isabella Herzig bewusst. Die Inhaberin des HERZIG-EQ Institut arbeitet seit 2008 als Trainerin für Körpersprache und widmet sich gezielt der Forschung und Vermittlung von emotionaler Intelligenz. Als Expertin auf diesem psychologischen und neurobiologischem Feld führte sie, zusammen mit der Kunsthistorikerin Linda Schmitz, durch die aktuelle Ausstellung in der LUDWIGGALERIE.
Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die deutsche Mannschaft trifft im Viertelfinale auf Argentinien. Gebannt verfolgen die Zuschauer das entscheidende Elfmeterschießen. Auch Angela Merkel steht mit zugeknöpftem Sakko – ganz wie man die Bundeskanzlerin kennt – auf der Tribüne. Das letzte Tor ist gefallen. 5:3 für Deutschland! Herunterhängende Mundwinkel? Merkelraute? Nichts da! Mit geballten Fäusten und freudig geöffnetem Mund schwingt Angela Merkel ihre Arme empor. Ein Moment, der damals durch die Presse ging. Obwohl Thomas Baumgärtel das Foto der Kanzlerin in unscharfe Grautöne setzt, spricht die Jubelgeste weiterhin Bände: Frau Merkel ist sichtlich erfreut über das Fußballtor der deutschen Nationalmannschaft.
Doch wieso heben wir Menschen eigentlich unsere Arme nach oben, wenn wir uns freuen?“, fragt Isabella Herzig in die Runde ratloser Gesichter und erklärt weiter: „Es handelt sich um einen hormonell bedingten Impuls. Das Emporstrecken der Arme fördert die Durchblutung und setzt Glückshormone frei. Eine Power-Geste, mit der man ein positives Körpergefühl stimulieren kann!". „Stimmt, Superman fliegt auch immer mit ausgestreckten Armen“, entgegnet eine der Teilnehmerinnen. „Ganz genau und deswegen sollte man Bewerbungsgespräche immer mit der Jubelgeste betreten“, schlussfolgert Isabella Herzig lachend. „Nein, das wäre vielleicht zu viel. Aber wenn ein wichtiger Termin ansteht, hilft es, wenn man kurz vorher einen stabilen Stand einnimmt, die Hände in die Hüften stemmt und tief durchatmet.“ Gesagt, getan und so nimmt die Museumsführung kurzerhand Züge einer Yoga-Stunde an.


Wir gehen einen Raum weiter und betrachten ein Gemälde von Jürgen Schäfer: Auf einem überdimensional großen Laib Brot sitzen fünf Menschen. Trotz der eher surrealen Sitzgelegenheit, erscheint uns die Szenerie durchaus vertraut. Ein Anblick, den man beispielsweise vom Bahnhof kennt: Das Warten auf einen Zug. Während sich der Mann im Hintergrund mit einer Zeitung ablenkt, verharren die vier vorderen Figuren in auffallend geschlossenen Körperhaltungen: Das Kinn in die Hand gestützt und die Beine übereinandergeschlagen, die Hände in den Schoß gelegt oder vor dem Körper verschränkt. Und schließlich den Kopf in beide Hände gestützt, die Ellenbogen auf den Knien aufgesetzt.

In sich versunken und trübselig wirken die „Wartenden“ (so übrigens der Titel des 1981 entstandenen Werkes) – ein Gefühl, welches man, Isabella Herzig zufolge, selbst hervorrufen kann. „Lasst euren Oberkörper nach unten fallen.“ Der Coach macht es vor und die Teilnehmer machen es nach. „Und sagt jetzt laut: ‚Mir geht es gut!‘“. Wie im Kirchenchor schallen die Stimmen durch die Ausstellungsräume: Mir geht es gut!‘“, bis alle zeitgleich in Gelächter ausbrechen. Gar nicht so einfach, ein positives Körpergefühl herzustellen, wenn der Körper in einer solch verschlossenen Pose verharrt.

Alles andere als verschlossen sind die Gartenzwerge (1998–2012) von Ottmar Hörl. Von Stinkefinger, Victoryzeichen über Hitlergruß bis hin zu betenden Händen oder Shakehands – mit höchst kommunikativen Handgesten treten uns die Zwerge hier entgegen. Vor allem verkörpert der gelbe Zwerg namens „Welcome“ (1998) eine sehr geläufige Geste: freundlich reicht er uns seine rechte Hand zur Begrüßung.

„Das Händeschütteln gilt längst nicht in allen Ländern als Begrüßungsgeste“, erklärt Isabella Herzig. „In unserem Kulturkreis hat es sich über viele Jahrhunderte hinweg als Zeichen des Vertrauens etabliert. Reicht man seinem Gegenüber die offene Hand, weiß der andere, dass man unbewaffnet ist. Zugleich wird mit der gegenseitigen Berührung eine körperliche Verbundenheit hergestellt. Im Gegensatz zu einer Umarmung wird allerdings beim Händeschütteln eine förmliche Distanz gewahrt. Probiert es doch mal selber aus!“. Der Startschuss ist gefallen: Die Teilnehmer wenden sich einander zu und reichen sich gegenseitig die Hände. Keiner wird ausgelassen. Bei der gezielten Ausführung des Rituals wird man sich tatsächlich der kulturellen Bedeutung unserer Begrüßungs-Geste bewusst.



Nach dieser freudigen Begrüßungszeremonie geht es weiter zu einem Gemälde von Claudia Kaak. Eine junge Frau sitzt weinend und zusammengekauert auf dem Boden. Ihr Gesicht ist sichtlich schmerzverzerrt. „Das menschliche Gesicht verfügt über unzählige Muskeln, die je nach emotionaler Verfassung unterschiedlich aktiviert werden. Und dass sich diese Frau in einem intensiven Zustand der Trauer befindet, verrät ihr Gesichtsausdruck und auch ihre Körperhaltung“.




Die bislang heitere Stimmung in der Runde ist schlagartig verflogen. „Interessant, dass ihr plötzlich alle so still und ernst seid“, bemerkt Isabella Herzig. „Obwohl es sich nur um das Bild einer traurigen Frau handelt, reagieren unsere Spiegelneuronen trotzdem auf diesen visuellen Eindruck. So funktioniert Empathie.“ Sie leitet ein kleines Experiment an: Schließt eure Augen.“ Die Teilnehmer folgen ihrer Anweisung. „Und jetzt stellt euch vor, ihr nehmt eine Zitrone in die Hand. Nun halbiert ihr die Zitrone mit einem Messer. Ihr halbiert die Hälften ein weiteres Mal und beißt in eines der Zitronenstücke.“ Die Gesichter einiger Teilnehmer verzerren sich. „Und, was spürt ihr?“ Erstaunlich! Alle Teilnehmer spürten die Säure der fiktiven Zitrone. Eine gute Übung, um das Empathievermögen zu trainieren.



Direkt im Eingangsbereich der Ausstellung DIE GESTE steht der „Jahrhundertschritt“ (1984/85) von Wolfgang Mattheuer. Es handelt sich um eine etwa drei Tonnen schwere und fast drei Meter lange Bronze-Plastik. Mattheuer verbindet hier zwei zentrale Gesten der politischen Ausdrucksform: den „deutschen Gruß“ des „Heil Hitler“ mit der sozialistischen Faust. Der in sich gefallene Kopf symbolisiert die zerbrochene Mitte. Das verletzliche nackte, nach vorne schreitende Bein steht im Kontrast zu dem hinteren Bein mit Militärtracht. Ein wahrlicher Jahrhundertschritt nach vorne – ob allgemeingültig betrachtet oder im Kontext Deutschlands.
Auch hierzu hat die Trainerin für Körpersprache eine Übung parat. „Lauft mit möglichst kleinen und langsamen Schritten durch den Raum.“, die Gruppe zerstreut sich im Raum. „Und nun bewegt euch mit großen und schnellen Schritten fort.“ Die Teilnehmer ziehen große Kreise um die Bronze-Plastik. Schwungvoll und erhaben schreitet jeder für sich durch den Ausstellungsraum. „Spürt ihr einen Unterschied?“. Auch hier sind sich alle einig: Nicht nur Körperhaltung oder Gesichtsausdruck – ebenso kann die Gangart das emotionale Befinden spürbar beeinflussen!

Zum Abschluss unserer Führung betrachten wir ein Gemälde von Sighard Gille. Auf einer „Fähre“ (1977) steht ein eng umschlungenes Paar. Die zwei Nackten scheinen der bedrohlichen Umgebung schutzlos ausgeliefert zu sein. In diesem Zusammenhang zeigt sich die Geste der Umarmung als ein Bedürfnis nach Geborgenheit. „Stellt euch in zwei Reihen gegenüber“, leitet die Trainerin die Gruppe an.

Und nun lauft solange auf euer Gegenüber zu, bis ich ‚Stopp‘ sage.“ Zaghaft laufen die Teilnehmer in kleinen Schritten aufeinander zu. Näher und näher. Immer noch kein ‚Stopp‘ zu hören. Als sich die beiden Reihen beinahe Gesicht an Gesicht gegenüberstehen, fällt endlich das erlösende Wort: „Stopp! Und jetzt schaut auf eure Füße.“ Leichter gesagt, als getan. Jeder versucht seinen Kopf nach unten zu neigen, ohne dabei den anderen zu berühren. Nachdem die Teilnehmer wieder an ihre Ursprungsposition zurückgekehrt sind, fragt Isabella Herzig in die Runde: „Wie habt ihr euch dabei gefühlt?“. „Unwohl, viel zu nah!“, entgegnet eine der Teilnehmerinnen. „Das liegt daran, dass ich euch dazu gebracht habe, eure Distanzzone zu überschreiten. Im Durchschnitt beträgt diese etwa die Länge eines Armes.“ Zwar zählt die Umarmung zu einer der wohl schönsten Gesten – doch das Experiment verdeutlichte sehr gut, dass Umarmungen im Gegensatz zum Händeschütteln deutlich mehr Intimität bedürfen.
Wer sich auch mal näher mit Gesten und Körpersprache auseinandersetzen will, sollte die Ausstellung „DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein“ besuchen. Noch bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.
Isabella Herzig: Dipl. Direktmarketing-Fachwirtin (DDA), Coach (DVNLP) und Inhaberin von HERZIG-EQ Institut für nachhaltiges Coaching und Training. Isabella Herzig arbeitet seit 2008 als Coach und Trainerin für emotionale Intelligenz mit dem Schwerpunkt Körpersprache und war bis 2012 Lehrbeauftragte für Schlüsselkompetenzen an der Hochschule Hamm-Lippstadt. Weitere Informationen zur Person: www.herzig-eq.de


Autorin: Natascha Kurek

Alle Abbildungen: Social Media- und Bloggertag #DieGeste in der #SammlungLudwig, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen