Sonntag, 8. Juli 2018

Die GewinnerInnen des Comicpreises stehen fest!


Egal ob Fuchs, Superheld oder Cowboy – beim Zeichenwettbewerb der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ging es darum, eine eigene Comicfigur zu erfinden. Das Vorbild für den diesjährigen Comicpreis ist Rolf Kauka, der zusammen mit seinen Zeichnern einen ganzen Kosmos verschiedener Comiccharaktere erschaffen hat. Im idyllischen Kleinstädtchen Fuxholzen tummeln sich neben den Fuchszwillingen Fix & Foxi auch der liebenswürdige Onkel Fax, der erfinderische Rabe Knox, die konservative Oma Eusebia, das gewitzte Lupinchen und der verfressene und faule Wolf Lupo.

Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß: Jede Zeichentechnik war bei dem Wettbewerb erlaubt. Egal ob mit Bleistift, Filzstift, Tusche, Copic-Marker oder anderen Zeichengeräten. Zudem war der Einsatz jeder Art von grafischen Hilfsmitteln und Programmen (Photoshop, Illustrator o. ä.) zulässig.
Ausstellungsansicht, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 ©LUDWIGGALERIE
In den beiden Altersgruppen 0-12 Jahre und 13-21 Jahre waren es etwa 200 BewerberInnen, die sich dem Zeichenwettbewerb gestellt haben. Alle eingereichten Arbeiten wurden von einer Jury sorgfältig begutachtet. Diese setzte sich zusammen aus: Linda Schmitz, der Kuratorin der FIX & FOXI-Ausstellung, und der Museumspädagogin Ursula Bendorf-Depenbrock sowie Jörg Hedtkamp vom Comic Centrum Oberhausen.
Jurysitzung, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 ©LUDWIGGALERIE
In den beiden Altersgruppen gab es jeweils 250 Euro für den 1. Platz, 150 Euro für den 2. Platz und 100 Euro für den 3. Platz zu gewinnen.
Jurysitzung, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 ©LUDWIGGALERIE
Der erstplatzierte Sieger in der Altersgruppe 0-12 ist Erik Weichselgärtner (10) aus Bocholt: Seine Tusche- und Aquarellzeichnung zeigt einen Bären, der fast schon trunken scheint vom genüsslich geschleckten Honig. Pointiert gesetzte Schraffuren und Linien sowie eine reduzierte Farbigkeit zeugen von einem für das Alter erstaunlichen malerischen Gespür.
1. Platz, Altersklasse 0-12, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 © Erik Weichselgärtner

Der 2. Preis in der Alterskategorie von 0-12 Jahren geht an Annika Schmiemann (11) aus Mülheim für ihre Buntstiftzeichnung „Drama Lama“. Im Zentrum der wohldurchdachten Komposition: ein Lama. Es steht ausgestattet mit Taucherbrille, Schwimmring und Schwimmflügeln in einem aufblasbaren Planschbecken und schaut den Betrachter mit angstvoll aufgerissen Augen an. Das fragt man sich sofort: „Hat da vielleicht jemand Angst vorm Wasser?“.
2. Platz, Altersklasse 0-12, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 © Annika Schmiemann

Auch die Perspektive der Kinder sowie die Widerspiegelung ihrer Welt spielte bei der Auswahl eine Rolle. So ist die Buntstiftzeichnung einer Fee von Nele Oellig (5) mit dem 3. Preis in der Alterskategorie 0-12 prämiert worden. Begründung der Jury: In den schwungvoll gezeichneten Formen, kräftigen Farben, und dem klaren Umrissstrich zeigt sich ausdrucksvoll die kindliche Begeisterung für den Zauber einer Fee.
3. Platz, Altersklasse 0-12, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 © Nele Schmiemann

Anna Ruder (17) aus Oberhausen ist die Siegerin des Comicpreises in der Altersgruppe 13-21. Das Team der LUDWIGGALERIE gratuliert der Zeichnerin zu dieser gelungenen Comicfigur: „Grundula, 45, ist eine hinterlistige, gemeine Witwe, die ihren Mann aufgrund seines Vermögens umgebracht hat. Der Reichtum war ihr allerdings nicht genug und so beschafft sie sich ihr Geld nun vorzugsweise auf illegalem Wege; z.B. durch Drogenhandel oder Geldwäsche“, so der Text, den die Bewerberin zusammen mit der Zeichnung eingereicht hat. Anna Ruder hat eine Figur entworfen, die über deutlich sichtbare – in diesem Fall böse – Charaktereigenschaften verfügt. Mit ihrem detaillierten Auftrag der farbigen Kreide auf dem schwarzen Papier überzeugte sie die Jury mit ihrer Zeichentechnik.    
1. Platz, Altersklasse 13-21, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 ©Anna Ruder

Den 2. Preis in der Altersklasse 13-21 hat Frederik Weier (19) aus Oberhausen für seine Bleistiftzeichnung „Fox & Cow“ gewonnen. Er nutzt das Medium Comic in all seinen Facetten. In detailreicher Zeichentechnik kreiert er eine Geschichte um den Kampf zwischen einem Fuchs und einer Kuh: aggressiv wirkende Gesichter mit gefletschten Zähnen und ausgefahren Krallen und Blitz visualisieren den Konflikt sehr überzeugend.  Sobald der Cowboy auf der Bildfläche erscheint, stehen beide Tiere wieder unschuldig auf der Weide.
2. Platz, Altersklasse 13-21, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 © Frederik Weier

Den 3. Preis in der Alterskategorie 13-21 Jahre hat Eva Bagus (14) aus Essen für eine Computergrafik gewonnen. Die junge Zeichnerin löst die Aufgabe des Preisausschreibens auf einer Meta-Ebene: mit dem Wechsel der Identität ihrer Comicfigur „Stan“ greift sie die Begriffe Fuchs, Superheld und Cowboy auf. Bemerkenswert sind nicht nur die unterschiedlichen Hintergründe, in denen sich Stan innerhalb der einzelnen Panels des Comics bewegt, sondern auch deren Aufteilung.
3. Platz, Altersklasse 13-21, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 © Eva Bagus

Zur Überraschung aller wurde zusätzlich ein FIX & FOXI-Sonderpreis an die siebenjährigen Zwillinge Erik und Niklas Appelt verliehen. Hier erklären die beiden ihre großformatig gezeichneten Helden-Figuren.  
FIX & FOXI-Sonderpreis, Erik Appelt und Niklas Appelt, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Die LUDWIGGALERIE gratuliert allen Gewinnern und Gewinnerinnen des Comicpreises! Doch auch die übrigen TeilnehmerInnen gingen nicht mit leeren Händen nach Hause. Jeder erhielt einen Familiengutschein für einen Museumsbesuch. Eine Auswahl der besten Arbeiten ist im Rahmen der Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse noch bis zum 9. September 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Jury zusammen mit den Preisträgern, FIX & FOXI-Comicpreis, 2018 ©LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
+++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++

Autorin: Natascha Kurek



Freitag, 29. Juni 2018

Making of FIX & FOXI


Wie entsteht ein Comicheft? Und inwiefern verändert die Digitalisierung diese Branche? Bone Buddrus ist der Chefzeichner der letzten Fix & Foxi-Printausgabe, erschienen im Jahr 2010. Am Wochenende gab er einen sehr lebhaften Comic-Workshop in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Bevor es zum praktischen Teil an die Zeichentische ging, erhielt das Publikum einen Einblick in die Arbeitsweisen eines Zeichners:

Etwa 20 Minuten braucht man, um ein Comicheft durchzulesen – umso erstaunlicher ist es, dass die Produktion nur einer einzelnen Seite einer Vielzahl von Mitarbeitern bedarf. Zunächst liegt es am Autor, eine Story zu schreiben. In Form eines Skripts wird hierbei das Storyboard definiert, das bereits ein grobes Layout der Panel-Anordnungen vorgibt. Außerdem enthält das Skript die Dialoge, die später in den Sprechblasen erscheinen.

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nun ist es Aufgabe des Zeichners, die Anweisungen des Skripts in eine Zeichnung zu überführen. Da kann es auch mal passieren, dass der Zeichner die Dialoge kürzen muss. „Ich zeichne doch kein Panel, das lediglich aus Sprechblase besteht!“, betont Buddrus und zeigt dem Publikum per Beamerpräsentation die Reinzeichnung einer Comicseite:

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

„Lupo, Fix & Foxi drehen einen Film. Als die Filmcrew vom Dreh zurückkommt, stellen sie mit Erschrecken fest: Das ganze Camp ist verwüstet!“

So in etwa lautete die Anweisung im Skript. „Tja, wie soll man mit bloß einem Bild den Zustand eines verwüsteten Camps schildern?“, fragt Buddrus mit leicht verzweifeltem Gesichtsausdruck. Bei solch kniffeligen Anweisungen darf man sich auch mal einem computeranimierten 3D-Modell bedienen. Die Menge an „verwüsteter“ Camp-Mobile lässt sich hiermit perspektivisch überzeugend und vor allem schnell darstellen. „Immerhin bekam man damals nur 175 Euro für das Zeichnen einer Comicseite – und das bei einem Zeitaufwand von einem kompletten Arbeitstag!“

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Generell ist hervorzuheben, dass die meisten Zeichner heutzutage über ein Grafik-Tablet am Computer zeichnen. Früher wurde die skizzierte Blauzeichnung an einen Tuscher weitergereicht, der mit schwarzer Tusche die endgültige Linienführung nachgezogen hat. Beim anschließenden Kopieren dieser überarbeiteten Blauzeichnung wurden die blauen Linien unsichtbar – übrig bleibt die schwarze Reinzeichnung. Heute erfolgen beide Schritte zumeist am Computer. „Das ist nach wie vor Handarbeit, Leute!“, versichert Buddrus dem Publikum.

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Bei der Figurendarstellung der einzelnen Charaktere ist die Verwendung eines sogenannten Style Guides zwingend erforderlich: „Wie groß ist Foxi im Vergleich zu Lupo? In welchem Haus wohnt Lupo? Welchen genauen Farbton hat die gelbe Latzhose von Foxi? Inwiefern unterscheiden sich die Körperbewegungen der beiden Fuchszwillinge? Man bedenke, Fix ist viel pfiffiger als Foxi!“. Solche äußerlichen Merkmale sind im Style Guide festgelegt und werden regelmäßig dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst.

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Alle beteiligten Zeichner sind dazu verpflichtet, sich an den aktuellsten Style Guide zu halten. Nur so kann ein einheitlicher Zeichenstil entstehen, der für den notwendigen Wiedererkennungswert von Fix & Foxi sorgt. Dies wird umso wichtiger, wenn gleich mehrere Zeichner an einem einzelnen Panel arbeiten. Großformatig an die Wand projiziert zeigt uns Buddrus einen solchen Fall:

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

„Der gefesselte Lupo wird mit einem Schlitten von einer Banditen-Gruppe entführt. Oma Eusebia, Lupinchen und Pauli nehmen eine Verfolgungsjagd auf. Die rasante Szene findet in einer abendlichen Schneelandschaft statt.“

Auf Grundlage des Skripts erfolgte eine erste Skizze, die Buddrus als Chefzeichner vorgelegt bekam. Ihm persönlich fehlte die gewisse Dynamik innerhalb der Landschafts-Darstellung, woraufhin er mit Rot einige Änderungen vornahm:

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Diese überarbeitete Skizze schickte er zurück an den ausführenden Zeichner. Dieser wiederum setzte den Vorschlag in eine endgültige Reinzeichnung um:

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Anschließend wird die Zeichnung an den Kolorist weitergeleitet. In diesem Fall war es Buddrus selbst, der die Farbgebung in abendlichen Violett-Tönen vorgeschlagen hat. Immerhin war im Skript von einer „abendlichen Schneelandschaft“ die Rede!

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nichtsdestotrotz – die oberste Leitung lehnte seine Farbversion ab. Man wünschte sich eine hellere Schneelandschaft und einigte sich letztlich auf folgende Version:

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Buddrus ist ein wahrer Entertainer und vermittelt dem Publikum in sehr lebhafter Weise die verschiedenen Berufszweige innerhalb der Comic-Branche – bemerkenswert, wie viele Mitarbeiter und Arbeitsschritte erforderlich sind, um eine Printausgabe zu produzieren! Ein gemeinsames Studio, wie das Schloss bei München, das Kauka 1956 seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellte, kann die Arbeitsprozesse deutlich erleichtern. Der Haken an der Sache: Viele der Kauka-Zeichner wohnten im Ausland. Und so schickte man sich die Unterlagen oftmals per Post hin und her – quer durch Europa. Heutzutage geht das per Email sehr viel schneller; generell erleichtert die Digitalisierung so manch einen Arbeitsschritt. Aber: „Teilweise kennt man die Leute gar nicht persönlich mit denen man da zusammenarbeitet“, merkt Buddrus an.
Apropos Internet und Digitalisierung, Herr Buddrus: „Wie stehen Sie eigentlich zu den computeranimierten Fix & Foxi-Figuren, die neuerdings über die Fernsehbildschirme huschen“, fragt ein Gast im Publikum. „Die dreidimensionale Darstellung von Comicfiguren, die ihren zeichnerischen Ursprung im Zweidimensionalen haben, ist generell eine Herausforderung“, entgegnet der Zeichner. Zum Beispiel ist es schwierig Lupo in Frontalansicht zu zeigen, denn seine Nase ist sooooo riesig, dass sie sein ganzes Gesicht verdecken würde!“.


Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ähnlich verhalte es sich mit den links und rechts abstehenden Fuchsohren von Fix & Foxi.

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Aus diesem Grund werden die Figuren in handgezeichneten Comics fast immer in einer leichten Seitenansicht dargestellt!“, erklärt der Zeichner, währenddessen er uns die Positionierung der Fuchsohren aus der Seitenansicht vorführt. 

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Diese perspektivisch versetzten Ohren kennt man übrigens auch von Mickey Mouse.“

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Gesagt, getan! Nach diesem sehr eindrücklichen Vortrag ging es rüber in den Raum der Museumspädagogik. Hier zeigte Buddrus den Workshop-Teilnehmern die wichtigsten Tricks für die Figurendarstellung.

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene schnappten sich Stift und Klemmbrett, um sich selber mal an einer Fuchszeichnung auszuprobieren.

Making of Fix & Foxi, Workshop mit Bone Buddrus, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Wer die Originale von Buddrus und der frühen Kauka-Zeichner sehen will, sollte unbedingt die Ausstellung „FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse“ in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen besuchen. (10.6.-9.9.2018)
+++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++

Selbstporträt Bone Buddrus © Bone Buddrus
Beruflicher Werdegang von Bone Buddrus:
1969 in Castrop-Rauxel geboren, nimmt Bone Buddrus, nach seinem Abitur und Zivildienst, das Kunststudium in Essen auf. Hier spezialisiert er sich zusammen mit einem Kommilitonen auf Zeichentrick. Anschließend arbeitet er für Fernseh-Produktionen im Bereich Storyboarding, Layout, Characterdesign und Animation. Es folgen Jobs für verschiedene Firmen der Spielebranche. Als grafischer Leiter beschäftigt er sich hier mit digitaler Bildmanipulation und Computeranimation. Doch auch als Ton-Regisseur und Texter ist er in dieser Zeit tätig. Letztendlich besinnt er sich auf seine „alte Liebe“ und macht sich als Illustrator selbstständig.
 
Autorin: Natascha Kurek



Mittwoch, 20. Juni 2018

„Der König liest, das Volk soll lauschen!“


Herbst in der Hose, so heißt der neue Comicband des preisgekrönten Künstlers und Comedians Ralf König. Auch an dem Kölner Schwulenpärchen Konrad und Paul zieht das Älter-Werden nicht spurlos vorbei: Die einst prächtigen Brusthaare ergrauen und der Hoden schrumpft. Ab dem 48. Lebensjahr tritt bekanntlich  die Andropause ein, wie Paul beim hypochondrischen Googlen herausfindet. Die männlichen Wechseljahre!


Dr. Christine Vogt, Ralf König und Linda Schmitz in der FIX & FOXI-Ausstellung, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ausgestattet mit Laptop und Mikrofon präsentierte König am Wochenende Auszüge seines Buches in der LUDWIGGALERIE. Szene für Szene wird jeder noch so eigentümliche Charakter stimmlich synchronisiert; dabei werden die einzelnen Comicbilder großflächig auf die Wand projiziert. Man hat fast den Eindruck im Kino zu sitzen. Diese zeichnerische, wie auch schauspielerische Glanzleistung lässt sich bei König mit dem bescheidenen Wörtchen „Lesung“ zusammenfassen.



Lesung von und mit Ralf König, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Für einen kurzen Moment kommt bei Konrad und Paul das Gerücht auf, „Was? Cher ist tot?!“. Die beiden beruhigen sich erst wieder, als sich herausstellt „Nein, sie ist nur schwanger!“. Cher, die Schwulenikone schlechthin, hat es geschafft, den Alterungsprozess aufzuhalten, ihn sogar umzukehren! Eine vergleichbare Wirkung erzielt man, Paul zufolge, mit einer im Rollmops eingewickelten Aspirin – nur so überlebt man mit fortgeschrittenem Alter den Kater einer durchzechten Karnevalsnacht!



Lesung von und mit Ralf König, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Bereits 2009 war Ralf König Ehrengast in der LUDWIGGALERIE – damals zu der Eröffnung seiner Ausstellung Der Eros der Nasen – Comics von Ralf König. Und selbstverständlich sind auch ihm die beiden Kultfüchse ein Begriff: „Also wir haben die früher immer ‚Fick und Fotzi‘ genannt!“, verrät er dem Publikum. Schon über 30 Jahre liegt sein Durchbruch mit Der bewegte Mann zurück. Seitdem wird er als Chronist des schwulen Lebens gefeiert. 2014 wird er mit dem Max-und-Moritz-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2017 folgt der Wilhelm-Busch-Preis.



Lesung von und mit Ralf König, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Doch dass er vor seiner Popularität ganze sechs Jahre lang für die Bergbauzeitschrift Arbeit und Sicherheit textet und zeichnet, weiß heute kaum jemand! Ausgabe für Ausgabe wird hier unter strenger Anweisung der Redaktion sein Kurzcomic gedruckt. Lehrreich und humorvoll sollte dieser seriell angelegte Onepager die Sicherheitsbedingungen der Arbeit unter Tage an den Leser kommunizieren.
 

Ralf König, Bodo und Heinz, 1985 © Ralf König

Die Protagonisten sind die beiden Bergarbeiter Bodo und Heinz – eine Personenkonstellation, in der sich bereits erste Grundzüge von Konrad und Paul abzeichnen. Wer sich selbst ein Bild davon machen will, hat noch bis zum 9. September 2018 Gelegenheit dazu: Originale Zeichnungen dieser frühen Auftragsarbeiten, teilweise mit Korrekturen der Redaktion, präsentiert die LUDWIGGALERIE aktuell in der Ausstellung GLÜCK AUF! Comics und Cartoons von Kumpel Anton über Jamiri bis Walter Moers. Hier gibt es 190 Exponate von insgesamt 15 KünstlerInnen aus dem Bereich Comic und Cartoon zu entdecken.



Ausstellungsansicht, GLÜCK AUF!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Da darf Ralf König selbstverständlich nicht fehlen! Und so wundert sich auch keiner über den Ansturm bei der Signierstunde nach seiner Lesung. Geduldig signiert er die Ausstellungskataloge und siehe da: Nach fast drei Jahrzehnten zeichnet er wieder Bodo und Heinz-Figuren. Chapeau, mit dem Alter wird nicht nur der Wein besser, sondern definitiv auch Ralf König!



Signierstunde mit Ralf König, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Signierstunde mit Ralf König, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse ist noch bis zum 9. September 2018 im Großen Schloss der LUDWIGGALERIE zu sehen. Parallel dazu ist im Kleinen Schloss der LUDWIGGALERIE die Kunst & Kohle-Ausstellung GLÜCK AUF! Comics und Cartoons von Kumpel Anton über Jamiri bis Walter Moers zu sehen. Der Eintritt im Kleinen Schloss ist kostenfrei!

+++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++


Autorin: Natascha Kurek

Montag, 18. Juni 2018

LUDWIGGALERIE ruft Comicpreis aus



Zur Ausstellung Fix&Foxi - Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse (10. 6. – 9. 9. 2018) sucht die LUDWIGGALERIE Nachwuchskünstler, Cartoonisten und Comiczeichner.


Fuchs – Superheld – Cowboy: Erfinde deine eigene Comicfigur!

Die Comicwelt ist voll von tollen Figuren und jede einzelne hat ihren persönlichen Wiedererkennungswert! Entwirf du jetzt deine eigene Comicfigur!Ganz egal, ob Mensch oder Tier, gekleidet oder mit Fell! Ob dumm, schlau, stark, schwach, schön, tollpatschig, wütend, hinterlistig, gemein. Ob als Held mit Umhang, als Tier mit menschlichen Eigenschaften oder als Fantasiegeschöpf mit besonderen Fähigkeiten …


© Sammlung Dr. Stefan Piëch

In den Altersgruppen 0–12 Jahre und 13–21 Jahre gibt es jeweils folgende Preise zu gewinnen:



1. Preis 250 €
2. Preis 150 €
3. Preis 100 €

Zudem werden die besten Abreiten in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ausgestellt.


Weitere Informationen findest du in den Teilnahmebedingungen. Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb ist die Einreichung des ausgefüllten Teilnahmeformulars


Deine Zeichnung reichst du bei folgender Adresse ein:


LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Linda Schmitz
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen      


Wir freuen uns über kreative, verrückte und bunte Beiträge!
Die besten Einsendungen werden in der LUDWIGGALERIE ausgestellt.


Einsendeschluss: 27.06.2018

Eröffnung und Preisverleihung: 08.07.2018, 14.00 Uhr


Du hast Fragen? Dann melde dich einfach bei Linda Schmitz (0208) 412 49 12 oder schreib eine Email an linda.schmitz@oberhausen.de

© Sammlung Dr. Stefan Piëch




Freitag, 8. Juni 2018

Fecchisierung in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Zwei Kreise und einige wenige Schraffuren – was das wohl wird?

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Weit aufgerissene Augen, ein grinsender Mund und ein paar Fuchsohren …

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
… das alles mal zwei …

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
… ergibt: die Fuchszwillinge Fix und Foxi!

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Bone Buddrus ist der Chefzeichner der bislang letzten Fix & Foxi-Printausgabe, erschienen im Dezember 2010. Gestern, nach der Pressekonferenz, gab er eine spontane Autogrammstunde in der LUDWIGGALERIE. Selbst die Journalisten gerieten in nostalgisches Schwelgen und nutzten die Gelegenheit, um sich den Katalog zur Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse signieren zu lassen.

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Buddrus' Vorbild der frühen Kauka-Zeichner ist der Italiener Massimo Fecchi. In der Zeit von 1972 bis 1994 prägt Fecchi das Erscheinungsbild der beiden Füchse maßgeblich: Seine Figurendarstellungen zeichnen sich vor allem durch Dynamik aus! Dieses Kriterium nehmen sich spätere Fix & Foxi-Zeichner als Maßstab, weshalb unter Fans bisweilen von einer „Fecchisierung“ die Rede ist. Auch für Bone Buddrus ist Dynamik ein bedeutsames Stilmerkmal.

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zu seinen Lieblingsfiguren zählt der verfressene und faule Wolf Lupo. Vor allem mag er Lupos schluffigen Gang, den er uns hier sehr bildhaft vorführt.

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Und so wundert es nicht, dass Lupo der Protagonist des Onepagers ist, den Buddrus eigens für die LUDWIGGALERIE angefertigt hat: Mit ebenso nach hinten verschränkten Armen und großen schluffigen Schritten spaziert Lupo geradewegs auf das Schloss Oberhausen zu, um sich dort die aktuelle FIX & FOXI-Ausstellung anzugucken. Abgedruckt ist der Comic auf der Rückseite des Ausstellungskatalogs. „im Stil von Massimo Fecchi“ steht hier unter der Signatur, als Verweis auf sein künstlerisches Vorbild. Eine Übergabe der Originale an Kuratorin Linda Schmitz erfolgte gestern in einem mimischen Feuerwerk:
1. überrascht:


Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
2. verwegen:

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
3. höchst offiziell:

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
und 4. euphorisch:

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nun hängt die Originalzeichnung gerahmt und passepartouriert in der zweiten Etage der LUDWIGGALERIE. Morgen, am Abend der Ausstellungseröffnung, wird der sympathische Zeichner erneut anwesend sein. Man darf sehr gespannt sein, welche Schuhe er bei diesem Mal tragen wird! Zuletzt war er wohl in Simpsons-Laune.

Pressekonferenz FIX & FOXI, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse ist vom 10. Juni bis zum 9. September 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.

+++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++

Autorin: Natascha Kurek