Dienstag, 16. März 2021

It's the final countdown... RED HEELS vors Rosa Schloss

Wir durften letzte Woche noch einmal zu Franken Apparatebau und schon einmal „lünkern“. RED HEELS ist beinahe fertiggestellt und wartet auf den Abtransport. In unserem letzten Countdown-Blogartikel gibt es heute noch ein Interview mit Geschäftsführer und Inhaber Wilhelm Franken.
Wilhelm Franken und sein Sohn Sebastian Franken © Franken Apparatebau GmbH
Dagmar Winkler: Wie und wann ist Frau Kruft-Lohrengel auf Sie zugekommen?
Wilhelm Franken: Im Herbst 2019 ist Frau Kruft-Lohrengel mit der Bitte auf mich zu gekommen, noch einmal zu überlegen, ob ich bereit wäre, an der Aufstellung und Herstellung der Skulptur „Red Heels“ mitzuwirken.

DW: Waren Sie sofort von der Idee begeistert, dass die LUDWIGGALERIE eine neue Skulptur bekommen soll?
WF: Nachdem uns in einem weiteren Gespräch mit dem Künstler Heiner Meyer, mit Frau Dr. Vogt, Frau Kruft-Lohrengel und den damaligen Förderern Klöckner und Franken die Idee nähergebracht wurde, kam bei allen Beteiligten direkt eine große Begeisterung auf, das Projekt durchzuführen.

DW: Welche Schritte zur Herstellung der Skulptur wurden in Ihrem Unternehmen durchgeführt? 
WF: Bei Franken Apparatebau wurde die 3D-Animation von Heiner Meyer auseinandergenommen und in 2D-Objekte der einzelnen Schuhe aufgeteilt. Daraus wurde ein grober Schnittplan erstellt, um die Menge/Anzahl Quadratmeter Blech zu ermitteln, die zum Bau der Skulptur erforderlich sind. Es wurde eine Schneidprogrammmierung hergestellt mit Berücksichtigung der Informationen aus der Statik, des Weiteren wurden die Anschweißpunkte definiert und vorbereitet. Anschließend wurde die Skulptur zusammengesetzt, bestehend aus der Grundplatte plus vier Schuhen sowie die drei oberen Schuhe als separates Bauteil. Die Bauteile wurden abschließend zum Lackierer gebracht und im Anschluss bei uns komplett zusammengebaut. Die Montage erfolgt wie geplant am 19 März 2021.
RED HEELS aus der Froschperspektive, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
DW: Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen beteiligten Gewerken/Firmen (Klöckner, Diekmann, wefa, Spedition u.a.) abgelaufen? Konnten Sie dabei bisweilen auch auf altbewährte Kooperationen zurückgreifen?
WF: Es sind fast vorwiegend Partner am Werk, die sich auch aus dem beruflichen Umfeld her kennen, somit ist eine gute Zusammenarbeit und ein optimaler Ablauf daraus entstanden.

DW: Galt es an der einen oder anderen Stelle unerwartete Hindernisse bzgl. der Umsetzung eines Produktionsschrittes zu überwinden?
WF: Bei großen Projekten gibt es immer unerwartete Hindernisse, die besprochen, organisiert und beseitigt werden müssen. Aus dem immer größer werdenden Kreis aller Beteiligten aus anfänglich zwei Förderern, Klöckner und Franken, sind mittlerweile fast zehn Beteiligte geworden, die alle Ihren Teil dazu beitragen, dem Projekt zu einem Erfolg zu verhelfen.

DW: Wie bewerten Sie das lokale Interesse in Oberhausen von Unternehmen und Handwerksbetrieben an der Kultur?
WF: Die Begeisterung ist sehr groß, aber nicht nur bei den Oberhausener Partnern, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus, wie bei der Spedition Hövelmann aus Dinslaken und der Industrie-Anstrich-Firma Tiefenbach aus Duisburg.
RED HEELS in den Produktionshallen von Franken Apparatebau GmbH, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
DW: Was treibt Sie zu Ihrem Engagement für die Kunst an?
WF: Die tägliche Arbeit bei Franken ist geprägt von Normen, Regelwerken und Schweißvorschriften. Insofern waren alle Beteiligten bei Franken Apparatebau mit Begeisterung dabei, diese kreative Idee von Heiner Meyer in die Tat umzusetzen. Es freut mich persönlich sehr, dass vor der LUDWIGGALERIE am Schloss Oberhausen wieder eine Landmarke entsteht, die gesehen und geschätzt wird.

DW: Wie bewerten Sie die künftige Strahlkraft der Skulptur für die Stadt?
WF: Die RED HEELS steht an der meistbefahrenen Straße in Oberhausen und wird so jeden Tag von zigtausenden Autofahrern gesehen und bewundert. Die Wirkung für die Stadt Oberhausen wird sicherlich sehr groß sein.
DW: Sie haben eng mit dem Schöpfer des Kunstwerks Heiner Meyer und mit weiteren Vertretern aus dem Bereich Kunst & Kultur, sprich der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, zusammengearbeitet. War das für Sie eine neue Erfahrung in der Zusammenarbeit?
WF: Die Begeisterung bei allen Beteiligten, etwas Tolles zu erschaffen, hat unsere Stimmung bei jedem Gespräch geprägt. Es hat uns sehr gefreut, unsere Projekterfahrung aus unserem täglichen Geschäft mit beisteuern zu können und die Abwicklung bei Herstellung und Montage zu optimieren. Auch die besonderen Bedingungen des Corona-Virus und der dadurch ausgelösten Pandemie haben die Beteiligten nicht aus der Bahn geworfen. Jeder hat das Ziel verfolgt, am 20. März 2021 der Öffentlichkeit eine neue Skulptur, eine neue Landmarke in Oberhausen vorzustellen.

Fotomontage mit 3D-Skulptur, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Mittwoch, 10. März 2021

Das ist eine Kunst! - LUDWIGLUST in der LUDWIGGALERIE

LUDWIG LUST begeistert Kinder auch in schwierigen Zeiten für Kultur - Ein Blogartikel von Sarah Bauer

„Wieso ist es hier so dunkel? Da ist niemand!“, ruft eine kleine Stimme. Dann wird es hell. „What the…? Wo kommt das Licht her?“, wundert sich eine andere Stimme. „Wir dürfen da jetzt rein? Alter, dann schieb das mal ins Licht!“, kommt direkt eine pragmatische Anweisung aus einer dritten Richtung.

Dank der festen Kooperation dürfen die Kinder ins Museum, 2020 © LUDWIGGALERIE Museumspädagogik
Kultur während Corona ist ungefähr so trickreich und (beinahe) unmöglich wie Schulunterricht während Corona. Und doch haben es die beiden Museumspädagoginnen der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach, mit ihrem Team geschafft, in diesen schwierigen Zeiten ein ganz besonderes Projekt auf die Beine zu stellen. Mit Kunst, Kultur, Schule und Kindern. What the…?

LUDWIG LUST – jedes Kind soll Kultur entdecken 

Schon seit vielen Jahren gibt es in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen verschiedene, erfolgreiche Angebote für Kinder und Jugendliche. Besonders wichtig sind den Pädagoginnen dabei Schülerinnen und Schülern, die in ihrem familiären Umfeld nicht besonders oft mit Kunst in Berührung kommen. Eines der Projekte ist die LUDWIG LUST. „Da sind wir in der Vergangenheit mit Kindern und Jugendlichen oft in die verschiedenen Ludwig-Häuser in Nordrhein-Westfalen gefahren“, erklärt Ursula Bendorf-Depenbrock. Für einen Blick über den Tellerrand Oberhausens hinaus. „Die Kids sollen Kunst entdecken, erspüren, ihre Eindrücke in Worte fassen und am Ende vor Publikum präsentieren.“

Ein neues Konzept und leuchtende Kinderaugen

So war der Plan auch dieses Mal. Doch dann wurden Busfahrten, große Gruppen und Museumsbesuche unmöglich. Lockdown und strenge Auflagen stellten das Team vor eine große Herausforderung. Doch Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach gaben nicht auf. Gemeinsam tüftelten sie noch im Spätsommer ein detailliertes Hygienekonzept aus. Dann ging es rund. In ganz kleinen Gruppen, ohne Ausflüge und mit nur ganz wenigen Museumsbesuchen.

© LUDWIGGALERIE Museumspädagogik
 
Kaltnadelradierung, 2021 © LUDWIGGALERIE Museumspädagogik

Stattdessen gab es kreative Herausforderungen in der weitläufigen Oberhausener Malschule. „Obwohl wir alle Masken tragen mussten, hat man den Kindern das Leuchten in den Augen angesehen“, freut sich Sabine Falkenbach. Und als dann doch endlich ein Besuch in der LUDWIGGALERIE möglich wurde, schäumte die Freude beinahe über. Denn jetzt konnten die Kinder der Luisenschule das heißersehnte audiovisuelle Portrait über die Galerie erstellen. Im Zentrum die Frage: Wie hört sich ein Museum an? Wie riecht es und was sehe ich?

Ohren und Nase auf! Unterwegs in der LUDWIGGALERIE

„Ich rieche Farbe!“, sagt eines der Kinder leise, während die Gruppe die Ausstellungsräume betritt. Vom 13. September 2020 bis zum 10. Januar 2021 war hier die Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe – Otfried Preußler – Geschichtenerzähler und Figurenschöpfer“ zu sehen. „Ich höre Stimmen. Ich sehe einen Geheimgang. Ist der Hexenbesen echt?“, fragt ein anderes Kind flüsternd. Das Museum als Schatztruhe. Kein verstaubter Raum, in dem man Vorträge zu hören bekommt, sondern ein Ort der Entdeckung. Ein Ort voller Magie ohne Denk-Grenzen. „Wir möchten, dass die Kinder die Ausstellung selbst erspüren“, sagt Ursula Bendorf-Depenbrock. „Sie sollen Spaß an Kunst bekommen. Neugierig werden statt gelangweilt. Kunst und Kultur sollen von Anfang an als etwas Spannendes und Kreatives wahrgenommen werden, indem die Kinder betrachten, schnuppern und lauschen – aber vor allem auch gehört werden. Wir möchten ihnen Raum geben, ihre eigenen Gedanken und Sinne auszuprobieren. Ganz ohne geführte Touren und Vorschriften.“


© LUDWIGGALERIE Museumspädagogik
„Ich rieche Ziegenkacke!“ – Kulturstätten erleben mit allen Sinnen

Ihre Eindrücke schreiben die Kids auf Sinneskarten nieder. „Fenster! Ich sehe ganz viel aus Glas, ein Treppenhaus aus Glas“, „Ich sehe ganz coole Dinge und rieche moderne Sachen“ oder „Ich rieche Schlossluft!“


© LUDWIGGALERIE Museumspädagogik

Dabei ist nicht nur der Ausstellungsraum, sondern auch das Gelände rund um das Schloss Oberhausen Teil der Erkundungstour. Gleich nebenan liegt der Tierpark im Kaisergarten. So kommt auch sofort ganz aufmerksam: „Ich rieche Pommes und Ziegenkacke. Ich mag den Kaisergarten!“

Ein anderes Kind schreibt nieder „Ich sehe Straßen und Autos und Straßenbahnen und ganz viele Häuser. Ich sehe Börgerking.“

Am Ende des Tages sammeln Ursula Bendorf-Depenbrock und ihr Team einen ganzen Korb voller Sinneskarten und Eindrücke ein. Kurz bevor die erneuten Schulschließungen vor Weihnachten kommen, ist das Projekt zu Ende. Auch die Präsentationen können dieses Mal leider nicht vor großem Publikum stattfinden. Doch was wirklich zählt, ist, dass wieder einige Kinder – trotz der komplizierten Situation – ihre Begeisterung für Kunst und Kultur gefunden haben. Weit über jeden Lockdown hinaus.

 


Samstag, 6. März 2021

Rollin‘ rollin‘ rollin‘… Sechs Tonnen knallroter Stahl auf Oberhausens Straßen

In zwei Wochen ist es soweit – RED HEELS findet seinen endgültigen Platz vor unserem Schloss. Den bis dahin verlaufenen Entstehungsprozess des Werks haben wir euch schon ausführlich erklärt – eine Schilderung fehlt aber noch: zum Transport, zur Aufstellung und zur Montage.

Es versteht sich sicher von selbst – so ein sechs Meter hohes, drei Mal drei Meter breites, sechs Tonnen schweres Stahlungetüm kann nicht lockerflockig mit einem Transporter „mal eben“ vorbeigebracht werden. Da müssen schon schwere Geschütze aufgefahren werden. Wir reden hier von einem Schwertransport, einer Straßensperrung und Spezialkränen.

Beteiligt an diesen drei Prozessen, die am Tag vor der Einweihung von RED HEELS durchgeführt werden, sind aus Oberhausen die Firmen Franken Apparatebau, das Ingenieurbüro Diekmann, der Autokran-Dienst Jaromin und die Wirtschaftsbetriebe der Stadt. Die Spedition Ferdinand Hövelmann aus Dinslaken übernimmt den Schwerlasttransport.

Neugierig am Rande des Geschehens stehen werden sicher die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Direktorin unseres Museums Christine Vogt, die schon jetzt immer wieder ganz aufgeregt meint: "Welch eine Freude! Endlich ist es soweit! Wer hätte das zu Beginn der Planung geglaubt. Und nun wird die Skulptur Wirklichkeit – unfassbar!"

Aber auch Vertreter der Presse aus Print, Hörfunk und Fernsehen haben sich angekündigt und last but not least: Heiner Meyer ist bei der Aufstellung seiner Skulptur selbstverständlich auch anwesend. Mit scharfem Blick wird er genauestens jeden einzelnen Schritt verfolgen.

Aber eins nach dem anderen. In der kommenden Woche treffen die frisch lackierten Einzelelemente von RED HEELS wieder in den Produktionshallen von Franken Apparatebau ein. Nun erfolgt der finale Fertigungsschritt: Alle Elemente werden aneinandergefügt und an den dafür vorgesehenen Stellen sorgfältig verschweißt. Am Nachmittag des 18. März 2021 wird dann die Skulptur auf einen bereitgestellten Schwerlasttransporter verladen. Dort „übernachtet“ sie. Sie wird im Liegen transportiert, wie man auf der Skizze hier sehr gut sehen kann.

Verlade- und Transportplan von RED HEELS © 2021 Ferd.Hövelmann Sped.GmbH
Am nächsten Tag frühmorgens, startet der Transport und „tuckert“ über die A516 knapp vier Kilometer in Richtung LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Da es keinerlei Hindernisse, wie etwa zu niedrig hängende Brücken oder Schilder, zu umfahren gilt, wird die Strecke gut zu bewältigen sein und RED HEELS zügig bei uns eintreffen. Zuvor ist natürlich der entsprechende Haltebereich an und auf der Konrad-Adenauer-Allee abgesperrt worden – und zwar auf 75 Metern entlang des Gehwegs, des Parkstreifens und des rechten Fahrstreifens.

Am Ort der Aufstellung der Skulptur sind dann schon zwei Schwerlastkräne in Position gebracht. Einer der beiden Kräne ist eine wahre Seltenheit, denn dieses Modell gibt es nur dreimal in Deutschland: ein so genannter Raupenkran. Er ist mit Ketten bestückt anstelle der Räder. Mit den beiden Kränen wird RED HEELS samt ihrer sechs Tonnen Gewicht durch überaus vorsichtig dosierte Zugkraft aufgerichtet und langsam auf das Podest verbracht. Hier ist die Spannung aller Beteiligten sicher am höchsten, denn spätestens hier erweist es sich, ob die nun entstehenden Kräfte durch die Schweißnähte an den Kontaktpunkten sicher gehalten werden.

Raupenkran Giraftrack GT-580 © Autokrandienst JAROMIN

Mit einem endgültig letzten Schritt geht es schließlich an die Befestigung der Grundplatte auf dem Podest. Während der Fertigung wurden bei Franken Apparatebau an vorher genau definierten Stellen Lochungen in die Grundplatte gebohrt. Durch diese werden große Schrauben geführt, um sie so fest auf das Fundament einzudübeln.

Jetzt bleibt nur noch, eine große Schleife um die große Skulptur zu binden – um sie am darauffolgenden Tag feierlich einzuweihen.

Fotomontage 3D-Skulptur Konrad-Adenauer-Allee Richtung Sterkrade, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Johannes Nathow

 

Samstag, 27. Februar 2021

„Kunst ist das Salz in der Suppe des Lebens“ – Freundeskreis-Vorsitzende Jutta Kruft-Lohrengel im „RED HEELS“-Interview

Jutta Kruft-Lohrengel gilt als treibende Kraft im Akquise-Prozess zu RED HEELS. Ob Stahlbau oder Industrielackiererei - die vielerorts ehrenamtlich tätige und engagierte Oberhausenerin hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Skulptur alsbald aufgestellt werden kann. Dagmar Winkler und Karoline Seck haben sie interviewt.

Porträt Jutta Kruft-Lohrengel © Industrie- und Handelskammer für Essen, Müheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen
Dagmar Winkler: Wie und wann ist Frau Dr. Vogt auf Sie zugekommen?
Jutta Kruft-Lohrengel: Den genauen Zeitpunkt kann ich Ihnen gar nicht mehr sagen. Frau Dr. Vogt und ich pflegen über den Freundeskreis hinaus ein sehr herzliches, freundschaftliches Verhältnis. Da trifft es sich, dass wir ab und zu eine Tasse Kaffee zusammen trinken, um über „dies und das“ zu sprechen. Bei einem dieser Treffen – ich vermute in der Vorbereitungszeit für die aktuelle Ausstellung – hat sie mir die Idee, doch das leere Podest vor dem Museum mit einer neuen Skulptur zu füllen, präsentiert. Und ich war sofort ganz angetan und voller Tatendrang.

DW: Waren Sie sofort von der Idee begeistert, dass das „rosa Schloss“ rote High Heels bekommen soll?
JKL: Frauen sind ja in unserem „rosa Schloss“ sehr präsent und engagiert, von der Leitung, den Volontärinnen, der Öffentlichkeitsarbeit, der Museumspädagogik, bis hin zum Besucherservice. Da liegt es doch nahe, High Heels zu wählen – auch wenn ich selbst dem Alter für solche Schuhe „entwachsen“ bin. Und der Name Heiner Meyer versprach einen echten „Hingucker“. Ich war tatsächlich sofort begeistert.

DW: Wie lief der Prozess der „Akquise“ der verschiedenen Gewerke ab?
JKL: Als Frau Dr. Vogt und ich uns an die Umsetzung unserer Idee machten, kam es uns vor, als ob wir eine Tür öffneten und dahinter wiederum drei verschlossene Türen erschienen. Den Umfang der notwendigen Gewerke und wie diese zu verzahnen seien, war uns nicht von Beginn an bewusst. Doch Schritt für Schritt überlegten wir uns, wer für einen ehrenamtlichen Auftrag in Frage käme und haben ohne Scheu bei verschiedensten Unternehmen angeklopft, immer mit dem Hinweis, dass der Freundeskreis nicht über viele liquide Mittel verfügt.

DW: Sie sind in Oberhausen und darüber hinaus sehr bekannt, liebe Frau Kruft-Lohrengel. Begünstigte dies den Erfolg der „Akquise“?
JKL: Das kann ich Ihnen gar nicht beantworten. Ja, ich kenne viele Menschen in Oberhausen durch meine berufliche Tätigkeit und durch mein Ehrenamt. Doch jemanden zu kennen ist das eine, eine tatsächliche Unterstützung zugesagt zu bekommen das andere. Ich glaube, dass viele der Angesprochenen in der schwierigen, emotional belasteten Zeit einfach Freude an diesem schönen, positiven Projekt und der Mitwirkung hatten und wir deshalb nicht lange bitten mussten.

Wilhelm Franken und Christoph Diekmann besprechen sich in der Produktionshalle, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Karoline Seck: Gab es an der einen oder anderen Stelle unerwartete Hindernisse bzgl. der Umsetzung eines Produktionsschrittes zu überwinden?
JKL: Natürlich muss man sich immer kümmern, wenn Themen vorangebracht werden sollen. Doch die gewonnenen Unternehmer haben mit uns immer an einem Strang gezogen und selbständig für ein reibungsloses Ineinandergreifen der verschiedenen Produktionsschritte gesorgt. Einen großen Schreck habe ich bekommen, als das Thema „Baugenehmigung“ plötzlich auf der Agenda erschien. Wir durften in den Wochen der Gestaltung den Zeitplan nicht aus den Augen verlieren, die Skulptur soll ja Mitte März ihren Platz einnehmen. Mit dem Procedere einer Baugenehmigung hätten wir das nie geschafft.

KS: Wie bewerten Sie das lokale Interesse in Oberhausen von Unternehmen und Handwerksbetrieben an der Kultur?
JKL: Wer die vielfältigen bereichernden Facetten der Kunst und Kultur jemals kennengelernt hat, kann sich ihr nie mehr entziehen. Oftmals fehlt jedoch der initiale Kontakt zur Kunst, zum Museum, zu den Künstlern. Die LUDWIGGALERIE trägt mit ihrem Ausstellungsprogramm dazu bei, die Hemmschwelle zu überwinden und Kunst populär und „begreifbar“ zu machen. Und ich glaube schon, dass die Wirtschaft in Oberhausen stolz auf die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt ist.

KS: Sie sind 1. Vorsitzende im Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Was treibt Sie zu Ihrem Engagement für die Kunst an?
JKL: Für meinen Mann und mich ist Kunst das „Salz in der Suppe des Lebens“. Umso schöner, wenn man für das Erleben nicht weit fahren muss, sondern ein großartiges und verlockendes Angebot in unserer Stadt vorfindet. Und dafür einen Kreis Gleichgesinnter aufzubauen, hat mich gereizt. Das Engagement macht viel Spaß, da sich sowohl im Vorstand des Freundeskreises als auch bei den Mitgliedern sympathische Menschen zusammengefunden haben.

KS: Wie bewerten Sie die künftige Strahlkraft der Skulptur für die Stadt?
JKL: Das wird großartig! Die Staus auf der Mülheimer Straße werden zunehmen, weil niemand mehr über die Autobahn zum Centro fährt, sondern alle diese leuchtend rote Skulptur passieren wollen


 

Samstag, 20. Februar 2021

Vom Entwurf auf Papier zum Bau aus Stahl

Der Countdown läuft und die Einweihung der Skulptur RED HEELS am 20. März 2021 nähert sich mit Riesenschritten der Vollendung. Nachdem das Ingenieurbüro Diekmann die Statik berechnet und die Stahlbleche von Klöckner & Co. ausgeliefert wurden, hat die Franken Apparatebau GmbH in der vergangenen Woche mit dem Schneiden der Grundplatte begonnen. Das Oberhausener Unternehmen ist mit Wilhelm Franken und Sebastian Franken inhabergeführt, wurde 1963 gegründet und beschäftigt heute 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In dieser Woche wurden zudem bereits alle sieben Schuhelemente produziert und vier von ihnen auf der Grundplatte montiert.

Schneiden der Grundplatte, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Dabei handelt es sich um einen im Voraus überaus genau festgelegten technischen Prozess. Zunächst wird mit dem Plasmaschneider auf der 30 mm dicken Grundplatte, auf der die Skulptur anschließend festgeschweißt wird, die berechnete Geometrie geschnitten.

Damit die klaren Vorgaben, die Heiner Meyer für die Ausrichtung der Schuhelemente gemacht hat, beim Zusammenbau auch genau berücksichtigt werden können, sind die Achsenlinien der Schuhe bereits beim Schneiden der Grundplatte mit aufgezeichnet worden. An diesen Achsen werden dann die einzelnen Schuhe bei der Montage arrangiert.

Die Grundplatte mit Achsenlinien, 2021 © Franken Apparatebau GmbH

Die Programmierung der einzelnen Schuhe und die Verschachtelung in einem Brennschneidprogramm sind bereits erfolgt und werden auf dem Monitor kontrolliert. Hier ist es wichtig, die Anschnittfasen und die Reihenfolgen genau zu bestimmen, damit beim Schneiden kein Verzug entsteht und die Schuhe nicht von der vorgegebenen Geometrie abweichen.

Das Brennschneidprogramm mit eingezeichneten Schuhelementen, 2021 © Franken Apparatebau GmbH

Die Grundplatte ist weitestgehend fertig und als nächster Schritt wird die Platte aufgelegt, die für die einzelnen Schuhe verwendet wird. Die Brennmaschine ist programmiert und der Schneidvorgang ist gestartet.

"Ausschneiden" der Schuhelemente, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Die ausgeschnittenen Elemente hinterher, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Anschweißen des ersten Elements, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Der erste Schuh ist gesetzt. Die Ausrichtung muss sehr genau erfolgen, um eine gute Basis für den Aufbau der gesamten Skulptur zu haben.

Zur Erinnerung: Insgesamt wird die gesamte Skulptur sechs Meter hoch, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Die ersten drei Schuhe sind gesetzt und mittels Schweißpunkten auf der Grundplatte fixiert. Nun können die ersten Befestigungspunkte geschweißt werden. Hier sieht man, dass sämtliche Schuhe bereits geschnitten sind. Anschließend werden die Kanten noch gesäubert und gerundet.

Alle Schuhelemente liegen parat, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
So sehen die fertigen Kanten aus. Das sind die Schuhe, die oben aufkommen. Zum derzeitigen Zeitpunkt befinden sich vier Schuhe auf dem Sockel, die kommenden Montag zum Lackierer gebracht werden. Die anderen drei werden währenddessen zusammengebaut.

Stand vom 18. Februar 2021, im Hintergrund Statiker Dr.-Ing Christoph Diekmann und Dr. Christine Vogt, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

 

Samstag, 13. Februar 2021

"Ein neuer Blickfang" - Dr. Christine Vogt über RED HEELS

Wir führen unseren RED HEELS-Countdown weiter fort – dieses Mal mit Dr. Christine Vogt im Gespräch mit unserer Social Media-Volontärin Karoline Seck. 

KS: Wie lange und woher kennen Sie Heiner Meyer? 

CV: Zu unserer Ausstellung „LET’S BUY IT! – KUNST UND EINKAUF“ 2017 habe ich das erste Mal Werke von Heiner Meyer in eine Präsentation integriert. Der Wittener Kunstsammler Detlef H. Mache hatte mir einen Katalog zukommen lassen und hat dann auch den persönlichen Kontakt hergestellt. 

KS: Wie kam es zu der Idee, dass das „rosa Schloss“ rote High Heels bekommen sollte? 

CV: Die Idee hat natürlich Heiner Meyer erdacht. Seit ein paar Jahren steht der Sockel vor der LUDWIGGALERIE, auf dem früher Keith Harings „Head through Belly“ zu sehen war, leer. Ich habe lange überlegt, wen ich fragen könnte, etwas dafür zu entwerfen. Und so hat Heiner Meyer auf meine Anfrage ein paar Entwürfe gemacht und die Schuhpyramide hat überzeugt.

RED HEELS - Entwürfe in der Ausstellung, Ausstellungsansicht, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
KS: Welche Schritte waren nötig, um das Projekt zu verwirklichen? 

CV: Zunächst ist der Entwurf natürlich der zentrale Punkt. Dann haben wir überlegt, was es alles braucht. Als ich im Vorstand des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE das Projekt dann vorgestellt habe, hat unsere 1. Vorsitzende Jutta Kruft-Lohrengel gleich angeboten, sich mit zu kümmern. Ihr ist dieses wunderbare bürgerschaftliche Engagement zu danken.

KS: Wie lange hat es von der Idee bis zur Enthüllung der Skulptur gedauert?

CV: Etwas mehr zwei Jahre. Wobei die tatsächliche Umsetzung mit all ihre Gewerken nur etwa ein halbes Jahr gedauert hat. 

KS: Wie lief der Finanzierungsprozess der Skulptur ab? 

CV: Jutta Kruft-Lohrengel hat verschiedene Firmen angesprochen, ob sie sich eine Unterstützung vorstellen könnten. Und das konnten sie. So hat uns Klöckner den Stahl zur Verfügung gestellt. Apparatebau Franken hat den Ausschnitt gemacht und alles koordiniert (ohne Herrn Franken hätte das so nicht geklappt!), Büro Diekmann hat die äußerst komplizierte Statik berechnet und die wefa in Essen hat den Speziallack gestiftet. Schließlich haben wir über den Freundeskreis noch ein Crowdfunding gemacht, bei dem fast 8.000 € zusammengekommen sind. Damit können eventuell noch anfallende Kosten für die Herrichtung des Sockels etc. bezahlt werden.

Screenshot der Seite von "Oberhausen Crowd"

Hier muss auch noch erwähnt werden, dass Heiner Meyer uns auch den Entwurf geschenkt hat. Ich möchte allen – hier sei ausdrücklich auch die Stadt Oberhausen genannt, die uns als Träger immer vorbildlich unterstützt – ganz, ganz herzlich für diesen großartigen Einsatz für die LUDWIGGALERIE danken! 

KS: Wie verlief der Prozess, „um die Skulptur herum“ eine Ausstellung zu verwirklichen? 

CV: Als wir den Entwurf ausgesucht hatten, sagte Heiner Meyer: „Ihr macht doch immer so Themenausstellungen. Dann musst Du jetzt was zum Schuh in der Kunst machen.“ Zuerst dachte ich: „Nee, das interessiert mich gar nicht.“ Aber dann habe ich mal überlegt, was es kunsthistorisch zu dem Thema denn so gibt. Und es ist ja ein wahrlich weites Feld und auch ein faszinierendes Thema.

Dr. Christine Vogt im 2. OG inmitten verschiedenster Werke, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
KS: Wieso gerade rote High Heels?

CV: In der Pop Art spielt der Schuh, speziell der Frauenschuh, von Anfang an eine zentrale Rolle. Und so eben auch im Werk von Heiner Meyer. Als Fetisch, Schönheitsideal und natürlich Statussymbol ist der Schuh ein unverzichtbares Detail. So kam es zu der Form und Rot lag als Signalfarbe, Farbe der Liebe und des Begehrens, nahe und passt natürlich bestens zum rosa Schloss.

KS: An welchem Ort an der LUDWIGGALERIE wird die Skulptur aufgestellt?

CV: Wie schon erwähnt gibt es einen großen Skulpturensockel direkt von dem Haupthaus der LUDWIGGALERIE. Dort wird die etwa sechs Meter hohe Schuhpyramide zukünftig zu sehen sein.

Fotomonate einer 3D-Simulation, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
KS: Was wird die Skulptur für Oberhausen bedeuten?

CV: Ich hoffe, dass sie sich schnell zu einem Wahrzeichen und einer kleinen Landmarke entwickelt. Der Standort an der Konrad-Adenauer-Allee bedeutet ja, dass viele Oberhausener Gäste, die zum Beispiel zum Centro fahren, an RED HEELS vorbeikommen. Und auch für die Oberhausenerinnen und Oberhausener wird sie sicherlich ein neuer Blickfang sein. So kann mit dem Schloss auch wieder im Vorbeifahren direkt Kunst verbunden werden.

Freitag, 5. Februar 2021

Der Mann der Zahlen: Dr.-Ing. Christoph Diekmann und die Statik von Red Heels

Am 20. März 2021 wird die Skulptur RED HEELS von Heiner Meyer an der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen enthüllt. Sie findet ihren Standort zentral vor der Schlossfassade an der Konrad-Adenauer-Allee und viele Menschen, die dann an ihr vorbeifahren, werden sicher denken: „Wie toll!“ Unwillkürlich mögen sie sich aber auch fragen: „Wie ist die denn eigentlich so schnell hier hingekommen? Meine Güte, sie scheint geradezu vom Himmel gefallen zu sein!“ Nein, mitnichten ist sie das. Von der Idee bis zu Enthüllung brauchte es einen etwa zwei Jahre dauernden Prozess. Wir, vom Team der LUDWIGGALERIE, finden diesen so spannend, dass wir unseren Leserinnen und Lesern in den nächsten Wochen einen Einblick geben möchten. In loser Reihenfolge veröffentlichen wir deshalb Blogbeiträge mit Schilderungen der verschiedenen, am Entstehungsprozess beteiligten, Gewerke. Wir hoffen, dass Sie diese Berichte genauso spannend finden wie wir und, dass sie dazu anregen, sich die Skulptur bei Gelegenheit einmal selbst anzuschauen.

Wir starten heute mit Erläuterungen zur Statik der Skulptur, die von Dr.-Ing. Christoph Diekmann, Ingenieurbüro Diekmann in Oberhausen, stammen.

Als Jutta Kruft-Lohrengel, 1. Vorsitzende des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE, um die statische Bearbeitung für eine Skulptur anfragt, die für die LUDWIGGALERIE gedacht ist, war meine erste, aus heutiger Sicht recht profane Reaktion: Für meinen Gartenbrunnen brauche ich auch keine Statik. Sofort aber schoss mir die naheliegende, baulich begründete Frage durch den Kopf: Ist eine Skulptur nicht doch ein Gebäude oder eine bauliche Anlage gemäß Landesbauordnung, für das eine Statik benötigt wird? Letztendlich muss die Standsicherheit eines Bauwerks aber, so oder so, gewährleistet werden. Also war meine Reaktion angesichts einer solch unüblichen und nicht jeden Tag gestellten Anfrage: „Schaun mer mal“.

Schnell stellt sich heraus, dass der künstlerische Entwurf eine etwa sechs Meter hohe Skulptur aus sieben verschiedenen Schuhmodellen, die räumlich übereinander angeordnet sind, vorsieht.

Anordnung der Schuhe und Bezeichnungen der Flächen © Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann

Daraus ergeben sich für mich eine Reihe zu berücksichtigender Aspekte:

Blechdicke und Verzug

Damit die einzelnen Elemente stabil bleiben, wurde eine Blechdicke von rund 30 mm festgelegt. An der Fußplatte sind etwa 2,2 Tonnen Eigengewicht aufzunehmen und die Bauteile dürfen sich durch Schweißverzug und Transport nicht verziehen. Schweißverzug kann zum Beispiel durch die Wärmezufuhr beim Schweißen entstehen. Dadurch verformen sich die Blechteile. Dies ist durch sorgfältige Planung des Schweißprozesses zu vermeiden. 

Die Schwerpunktermittlung

Jedes der einzelnen Schuhelemente hat eine eigene Geometrie. Dies macht die Ermittlung der Schwerpunkte aufwändig. Um den künstlerischen Entwurf möglichst originalgetreu zu übernehmen, erfolgte die gesamte Bearbeitungskette mittels 3D-Modellierungs-Software. Die Einzelformen wurden digital vom Entwurf des Künstlers Heiner Meyer übernommen und als 3D-Modell abgebildet. Daraus wurde dann ein Berechnungsmodell zur Ermittlung des Kräfteverlaufs abgeleitet; parallel wurden die Fertigungsdaten generiert. Diese dienen schließlich als Grundlage für den computergestützten Zuschnitt der Blechteile bei der Firma Franken Apparatebau in Oberhausen.

© Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann
Windanfälligkeit

Jedes einzelne Schuhmodell ist etwa 1 m² groß, sodass sich eine recht nennenswerte Windangriffsfläche ergibt. Zudem wiegt jedes Schuhelement rund 300 kg, sodass auskragende Details an den Elementen hohe Anschlusskräfte erzeugen. Damit sich eine stabile Gesamtkonstruktion ergibt, muss die jeweilige Kontaktfläche zwischen zwei Stücken hohen Druck- und Biegebeanspruchungen standhalten.

Kontaktflächen

Eine große Herausforderung ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die Elemente zum Teil nur punktweise berühren, es also nur geringe Kontaktflächen gibt. Die Übertragung der Anschlusskräfte stellt dadurch besondere Anforderungen an die geometrische Ausführung und die Schweißtechnik. (Die Kontaktflächen sind blau gekennzeichnet.)

Schuh 5 mit gekennzeichneten Schweißnähten © Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann
Der Transport

Die Skulptur muss in der Werkstatt zusammengebaut werden, weil ein Zusammenbau vor Ort nicht den geschilderten hohen Qualitätsanforderungen entspricht. Damit muss das große und schwere Gesamtmodell mit dem Kran in der Werkhalle bewegt, mit dem Tieflader transportiert und mit einem Autokran aufgestellt und montiert werden. Die dabei entstehenden Kräfte müssen ebenfalls durch die Schweißnähte an den Kontaktpunkten sicher übertragen werden. Für die Aufstellung ist das Fundament vorgesehen, das sich neben dem Fußweg vor dem Schloss befindet und das etwa 3,30 x 5,50 Meter misst. Auf ihm wird die Gesamtstruktur aufgestellt und eingedübelt. Übrigens: Dort ist ehemals die Skulptur des Künstlers Keith Haring, Head through Belly, zu sehen gewesen.

Keith Haring-Skulptur "Head through Belly" im Jahr 2013 © Thomas Wolf
Zusammenfassung

Die eigentliche statische Berechnung ist die rechnerische Simulation der Lasten auf die Skulptur zur Ermittlung des Kraftverlaufes. Damit werden die besonders beanspruchten Bereiche berechnet. Für die unregelmäßigen und flächigen Schuhelemente in räumlicher Anordnung stellt dies eine ungewöhnliche Aufgabe dar.

Spannungen an den Einzelblechen, Schuh 5 und 6 © Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann


Freitag, 29. Januar 2021

Rote High Heels für das rosa Schloss - Interview mit Pop Art-Künstler Heiner Meyer

Die Beschäftigung mit dem Schuh in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen erfolgt anlässlich der Aufstellung der Stahlskulptur RED HEELS des international bekannten deutschen Pop-Art-Künstlers Heiner Meyer. Die Skulptur wird am 20. März 2021 feierlich enthüllt und findet ihren Standort zentral vor der Schlossfassade an der Konrad-Adenauer-Allee. Sie bildet so künftig einen eindrucksvollen Blickfang. In den nächsten Wochen werden wir immer wieder Interviews und Berichte von der Entstehung bis hin zur Enthüllung der Skulptur auf unseren Social-Media-Kanälen veröffentlichen. Wir beginnen unseren RED HEELS-Countdown mit einem Interview mit Heiner Meyer, der mit unserer Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dagmar Winkler, gesprochen hat.

Heiner Meyer in seinem Atelier, 2020 © Matthias Schrumpf

DW: Wie ist die Idee zu RED HEELS entstanden?

HM: Die Direktorin Ihres Hauses, Dr. Christine Vogt, trat mit der Bitte an mich heran, eine Skulptur für die seit langem freie Fundamentplatte vor dem Schloss zu schaffen. Auf dieser hatte ehemals eine Skulptur von Keith Haring gestanden. Ich habe sofort und sehr gerne zugesagt – unter anderem auch deshalb, weil Skulpturen in meinem Werk eine wichtige Rolle spielen; also quasi gegenüber der Malerei eine ebenbürtige Rolle innehaben. So sind in der Ausstellung ART ABOUT SHOES – von Schnabelschuh bis Sneaker & Heiner Meyer – deutsche Pop Art im Stiletto-Format, die bis zum 24. Mai gezeigt wird, mehrere meiner Skulpturen wie Great Minnie, Großer Dagobert oder Formula I zu sehen. 

Großer Dagobert von Heiner Meyer, Ausstellungsansicht, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Nach einigen Überlegungen merkte ich, dass es mich reizte, etwas Scherenschnittartiges zu machen, dass eine Dynamik in sich trägt. Der Schuh, ein klassisches Motiv in der Kunstgeschichte und damit natürlich auch in der Pop Art, schien mir das richtige Motiv dafür. So schrauben sich nun sieben, pyramidal angeordnet und wie tänzelnd wirkende Schuhe – jeder hat seine eigene Ausformung – senkrecht in die Höhe.
Heiner Meyer, Studie Stiletto, 2020 © Heiner Meyer

DW: Welche Bedeutung hatte der Standort (städtisches Einfallstor, frontal vor dem Schloss, Kaisergarten) für Ihre Überlegungen?

HM: Der Standort hatte einen wesentlichen Anteil an meinen Überlegungen. Man fährt per PKW oder öffentlichen Verkehrsmitteln aus Sterkrade bzw. von der A42 kommend nach Oberhausen hinein und rechterhand fällt der Blick sofort auf die LUDWIGGALERIE. Hier soll nun künftig die Skulptur die Aufmerksamkeit der passierenden Betrachterinnen und Betrachter auf sich ziehen und ich wünsche mir, dass sie in ihrer Präsenz möglichst wie eine Landmarke funktioniert. Auch ihre Größe mit ca. 6 Metern Höhe und einer Breite von 3 x 3 Metern spielt dabei eine Rolle. 

Das Schloss Oberhausen von der Konrad-Adenauer-Allee aus gesehen, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Schloss Oberhausen mit "Red Heels", 2021, Fotomontage: LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen (©)
 

DW: Welche Rolle spielt der Schuh überhaupt in Ihrem Werk?

HM: Welche starke Präsenz der Schuh in meinen Werken hat, habe ich tatsächlich erst durch die Ausstellung bemerkt. Mir war zuvor gar nicht bewusst, wie oft der Schuh Haupt- oder Nebendarsteller ist. Insgesamt sind in den Räumen des Erdgeschosses 55 Arbeiten mit diesem Motiv zu sehen. Die umfassen ein so unterschiedliches Themenspektrum wie Stillleben aus dem Jahr 2010 mit der Frauenschuh-Orchidee oder die bereits erwähnten Skulpturen Great Minnie und Großer Dagobert, bei dem mein Augenmerk unter anderem auf seinen Gamaschen liegt.

"Frauenschuh"-Gemälde mit Großer Dagobert von Heiner Meyer, Ausstellungsansicht, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

DW: Warum besteht die Skulptur aus roten High Heels?

HM: Zum einen steht Rot neben der Farbe Schwarz für den besonderen Schuh, also den High Heel. Rot ist eine Signalfarbe, steht für Leidenschaft und Liebe und macht den Schuh zu einem Hingucker. Zudem hatte die rosa Fassadenfarbe auf die Farbgebung der Skulptur einen großen Einfluss. Denn die LUDWIGGALERIE nennt man auch „Das rosa Schloss“. Mir war es daher sehr wichtig, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht.

DW: Sie haben mit einem Statiker zusammengearbeitet. Hat die Statik die letztendliche Form der Skulptur beeinflusst?

HM: Da es sich bei dem Aufstellungsort um einen Außenbereich handelt und dadurch Aspekte wie zum Beispiel Windlasten, um nur einen zu nennen, zu berücksichtigen sind, zogen wir mit dem Ingenieurbüro Diekmann ein renommiertes Oberhausener Statikbüro hinzu. Herr Diekmann konnte meinen Entwurf unverändert belassen. Es gibt also in der Optik keine Abweichungen vom Entwurf. Lediglich einige statisch wichtige Verbindungen wurden optimiert und angepasst, was die Optik jedoch nicht beeinflusst. Wie ich weiß, werden Sie als nächsten Blogartikel einen Bericht Herrn Diekmanns zur Berechnung der Statik veröffentlichen. Darauf sollten sich Ihre Leser schon freuen, denn auch ich bin den spannenden statischen Berücksichtigungen mit Interesse gefolgt. Ich finde es beachtlich, wie viele Firmen und Menschen an diesem großartigen Projekt mitgewirkt haben und möchte mich an dieser Stelle auch gerne dafür bedanken.
Übersicht / Isometrie der Skukptur © Ingenieurbüro Diekmann

DW: Für die Wirkung einer Skulptur spielt eine wesentliche Rolle, auf welche Weise und wann Licht auf sie trifft. Das ist nicht nur vom Standort abhängig, sondern auch von der Beschaffenheit des Materials und dessen Oberflächenbearbeitung. Welche diesbezüglichen Überlegungen gelten für RED HEELS?

HM: Besonders ist natürlich, dass die Skulptur tagsüber und abends mit Beleuchtung eine komplett andere Wirkung hat. Das soll den Besucher immer wieder an diesen besonderen Ort bringen. Wir nutzen glattes Stahlblech und es ist eine Lackierung in Seidenglanz vorgesehen. Die bringt eine hohe Brillanz, ist aber nicht direkt spiegelnd. Ich kann also nur jedem empfehlen, den Ort mehrmals aufzusuchen, um sich von Farben und Lichterspiel verzaubern zu lassen.

DW: Vielen Dank, Herr Meyer, für Ihre Zeit! Wir danken für das Gespräch.