Samstag, 27. Februar 2021

„Kunst ist das Salz in der Suppe des Lebens“ – Freundeskreis-Vorsitzende Jutta Kruft-Lohrengel im „RED HEELS“-Interview

Jutta Kruft-Lohrengel gilt als treibende Kraft im Akquise-Prozess zu RED HEELS. Ob Stahlbau oder Industrielackiererei - die vielerorts ehrenamtlich tätige und engagierte Oberhausenerin hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Skulptur alsbald aufgestellt werden kann. Dagmar Winkler und Karoline Seck haben sie interviewt.

Porträt Jutta Kruft-Lohrengel © Industrie- und Handelskammer für Essen, Müheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen
Dagmar Winkler: Wie und wann ist Frau Dr. Vogt auf Sie zugekommen?
Jutta Kruft-Lohrengel: Den genauen Zeitpunkt kann ich Ihnen gar nicht mehr sagen. Frau Dr. Vogt und ich pflegen über den Freundeskreis hinaus ein sehr herzliches, freundschaftliches Verhältnis. Da trifft es sich, dass wir ab und zu eine Tasse Kaffee zusammen trinken, um über „dies und das“ zu sprechen. Bei einem dieser Treffen – ich vermute in der Vorbereitungszeit für die aktuelle Ausstellung – hat sie mir die Idee, doch das leere Podest vor dem Museum mit einer neuen Skulptur zu füllen, präsentiert. Und ich war sofort ganz angetan und voller Tatendrang.

DW: Waren Sie sofort von der Idee begeistert, dass das „rosa Schloss“ rote High Heels bekommen soll?
JKL: Frauen sind ja in unserem „rosa Schloss“ sehr präsent und engagiert, von der Leitung, den Volontärinnen, der Öffentlichkeitsarbeit, der Museumspädagogik, bis hin zum Besucherservice. Da liegt es doch nahe, High Heels zu wählen – auch wenn ich selbst dem Alter für solche Schuhe „entwachsen“ bin. Und der Name Heiner Meyer versprach einen echten „Hingucker“. Ich war tatsächlich sofort begeistert.

DW: Wie lief der Prozess der „Akquise“ der verschiedenen Gewerke ab?
JKL: Als Frau Dr. Vogt und ich uns an die Umsetzung unserer Idee machten, kam es uns vor, als ob wir eine Tür öffneten und dahinter wiederum drei verschlossene Türen erschienen. Den Umfang der notwendigen Gewerke und wie diese zu verzahnen seien, war uns nicht von Beginn an bewusst. Doch Schritt für Schritt überlegten wir uns, wer für einen ehrenamtlichen Auftrag in Frage käme und haben ohne Scheu bei verschiedensten Unternehmen angeklopft, immer mit dem Hinweis, dass der Freundeskreis nicht über viele liquide Mittel verfügt.

DW: Sie sind in Oberhausen und darüber hinaus sehr bekannt, liebe Frau Kruft-Lohrengel. Begünstigte dies den Erfolg der „Akquise“?
JKL: Das kann ich Ihnen gar nicht beantworten. Ja, ich kenne viele Menschen in Oberhausen durch meine berufliche Tätigkeit und durch mein Ehrenamt. Doch jemanden zu kennen ist das eine, eine tatsächliche Unterstützung zugesagt zu bekommen das andere. Ich glaube, dass viele der Angesprochenen in der schwierigen, emotional belasteten Zeit einfach Freude an diesem schönen, positiven Projekt und der Mitwirkung hatten und wir deshalb nicht lange bitten mussten.

Wilhelm Franken und Christoph Diekmann besprechen sich in der Produktionshalle, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Karoline Seck: Gab es an der einen oder anderen Stelle unerwartete Hindernisse bzgl. der Umsetzung eines Produktionsschrittes zu überwinden?
JKL: Natürlich muss man sich immer kümmern, wenn Themen vorangebracht werden sollen. Doch die gewonnenen Unternehmer haben mit uns immer an einem Strang gezogen und selbständig für ein reibungsloses Ineinandergreifen der verschiedenen Produktionsschritte gesorgt. Einen großen Schreck habe ich bekommen, als das Thema „Baugenehmigung“ plötzlich auf der Agenda erschien. Wir durften in den Wochen der Gestaltung den Zeitplan nicht aus den Augen verlieren, die Skulptur soll ja Mitte März ihren Platz einnehmen. Mit dem Procedere einer Baugenehmigung hätten wir das nie geschafft.

KS: Wie bewerten Sie das lokale Interesse in Oberhausen von Unternehmen und Handwerksbetrieben an der Kultur?
JKL: Wer die vielfältigen bereichernden Facetten der Kunst und Kultur jemals kennengelernt hat, kann sich ihr nie mehr entziehen. Oftmals fehlt jedoch der initiale Kontakt zur Kunst, zum Museum, zu den Künstlern. Die LUDWIGGALERIE trägt mit ihrem Ausstellungsprogramm dazu bei, die Hemmschwelle zu überwinden und Kunst populär und „begreifbar“ zu machen. Und ich glaube schon, dass die Wirtschaft in Oberhausen stolz auf die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt ist.

KS: Sie sind 1. Vorsitzende im Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Was treibt Sie zu Ihrem Engagement für die Kunst an?
JKL: Für meinen Mann und mich ist Kunst das „Salz in der Suppe des Lebens“. Umso schöner, wenn man für das Erleben nicht weit fahren muss, sondern ein großartiges und verlockendes Angebot in unserer Stadt vorfindet. Und dafür einen Kreis Gleichgesinnter aufzubauen, hat mich gereizt. Das Engagement macht viel Spaß, da sich sowohl im Vorstand des Freundeskreises als auch bei den Mitgliedern sympathische Menschen zusammengefunden haben.

KS: Wie bewerten Sie die künftige Strahlkraft der Skulptur für die Stadt?
JKL: Das wird großartig! Die Staus auf der Mülheimer Straße werden zunehmen, weil niemand mehr über die Autobahn zum Centro fährt, sondern alle diese leuchtend rote Skulptur passieren wollen


 

Samstag, 20. Februar 2021

Vom Entwurf auf Papier zum Bau aus Stahl

Der Countdown läuft und die Einweihung der Skulptur RED HEELS am 20. März 2021 nähert sich mit Riesenschritten der Vollendung. Nachdem das Ingenieurbüro Diekmann die Statik berechnet und die Stahlbleche von Klöckner & Co. ausgeliefert wurden, hat die Franken Apparatebau GmbH in der vergangenen Woche mit dem Schneiden der Grundplatte begonnen. Das Oberhausener Unternehmen ist mit Wilhelm Franken und Sebastian Franken inhabergeführt, wurde 1963 gegründet und beschäftigt heute 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In dieser Woche wurden zudem bereits alle sieben Schuhelemente produziert und vier von ihnen auf der Grundplatte montiert.

Schneiden der Grundplatte, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Dabei handelt es sich um einen im Voraus überaus genau festgelegten technischen Prozess. Zunächst wird mit dem Plasmaschneider auf der 30 mm dicken Grundplatte, auf der die Skulptur anschließend festgeschweißt wird, die berechnete Geometrie geschnitten.

Damit die klaren Vorgaben, die Heiner Meyer für die Ausrichtung der Schuhelemente gemacht hat, beim Zusammenbau auch genau berücksichtigt werden können, sind die Achsenlinien der Schuhe bereits beim Schneiden der Grundplatte mit aufgezeichnet worden. An diesen Achsen werden dann die einzelnen Schuhe bei der Montage arrangiert.

Die Grundplatte mit Achsenlinien, 2021 © Franken Apparatebau GmbH

Die Programmierung der einzelnen Schuhe und die Verschachtelung in einem Brennschneidprogramm sind bereits erfolgt und werden auf dem Monitor kontrolliert. Hier ist es wichtig, die Anschnittfasen und die Reihenfolgen genau zu bestimmen, damit beim Schneiden kein Verzug entsteht und die Schuhe nicht von der vorgegebenen Geometrie abweichen.

Das Brennschneidprogramm mit eingezeichneten Schuhelementen, 2021 © Franken Apparatebau GmbH

Die Grundplatte ist weitestgehend fertig und als nächster Schritt wird die Platte aufgelegt, die für die einzelnen Schuhe verwendet wird. Die Brennmaschine ist programmiert und der Schneidvorgang ist gestartet.

"Ausschneiden" der Schuhelemente, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Die ausgeschnittenen Elemente hinterher, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Anschweißen des ersten Elements, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Der erste Schuh ist gesetzt. Die Ausrichtung muss sehr genau erfolgen, um eine gute Basis für den Aufbau der gesamten Skulptur zu haben.

Zur Erinnerung: Insgesamt wird die gesamte Skulptur sechs Meter hoch, 2021 © Franken Apparatebau GmbH
Die ersten drei Schuhe sind gesetzt und mittels Schweißpunkten auf der Grundplatte fixiert. Nun können die ersten Befestigungspunkte geschweißt werden. Hier sieht man, dass sämtliche Schuhe bereits geschnitten sind. Anschließend werden die Kanten noch gesäubert und gerundet.

Alle Schuhelemente liegen parat, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
So sehen die fertigen Kanten aus. Das sind die Schuhe, die oben aufkommen. Zum derzeitigen Zeitpunkt befinden sich vier Schuhe auf dem Sockel, die kommenden Montag zum Lackierer gebracht werden. Die anderen drei werden währenddessen zusammengebaut.

Stand vom 18. Februar 2021, im Hintergrund Statiker Dr.-Ing Christoph Diekmann und Dr. Christine Vogt, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

 

Samstag, 13. Februar 2021

"Ein neuer Blickfang" - Dr. Christine Vogt über RED HEELS

Wir führen unseren RED HEELS-Countdown weiter fort – dieses Mal mit Dr. Christine Vogt im Gespräch mit unserer Social Media-Volontärin Karoline Seck. 

KS: Wie lange und woher kennen Sie Heiner Meyer? 

CV: Zu unserer Ausstellung „LET’S BUY IT! – KUNST UND EINKAUF“ 2017 habe ich das erste Mal Werke von Heiner Meyer in eine Präsentation integriert. Der Wittener Kunstsammler Detlef H. Mache hatte mir einen Katalog zukommen lassen und hat dann auch den persönlichen Kontakt hergestellt. 

KS: Wie kam es zu der Idee, dass das „rosa Schloss“ rote High Heels bekommen sollte? 

CV: Die Idee hat natürlich Heiner Meyer erdacht. Seit ein paar Jahren steht der Sockel vor der LUDWIGGALERIE, auf dem früher Keith Harings „Head through Belly“ zu sehen war, leer. Ich habe lange überlegt, wen ich fragen könnte, etwas dafür zu entwerfen. Und so hat Heiner Meyer auf meine Anfrage ein paar Entwürfe gemacht und die Schuhpyramide hat überzeugt.

RED HEELS - Entwürfe in der Ausstellung, Ausstellungsansicht, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
KS: Welche Schritte waren nötig, um das Projekt zu verwirklichen? 

CV: Zunächst ist der Entwurf natürlich der zentrale Punkt. Dann haben wir überlegt, was es alles braucht. Als ich im Vorstand des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE das Projekt dann vorgestellt habe, hat unsere 1. Vorsitzende Jutta Kruft-Lohrengel gleich angeboten, sich mit zu kümmern. Ihr ist dieses wunderbare bürgerschaftliche Engagement zu danken.

KS: Wie lange hat es von der Idee bis zur Enthüllung der Skulptur gedauert?

CV: Etwas mehr zwei Jahre. Wobei die tatsächliche Umsetzung mit all ihre Gewerken nur etwa ein halbes Jahr gedauert hat. 

KS: Wie lief der Finanzierungsprozess der Skulptur ab? 

CV: Jutta Kruft-Lohrengel hat verschiedene Firmen angesprochen, ob sie sich eine Unterstützung vorstellen könnten. Und das konnten sie. So hat uns Klöckner den Stahl zur Verfügung gestellt. Apparatebau Franken hat den Ausschnitt gemacht und alles koordiniert (ohne Herrn Franken hätte das so nicht geklappt!), Büro Diekmann hat die äußerst komplizierte Statik berechnet und die wefa in Essen hat den Speziallack gestiftet. Schließlich haben wir über den Freundeskreis noch ein Crowdfunding gemacht, bei dem fast 8.000 € zusammengekommen sind. Damit können eventuell noch anfallende Kosten für die Herrichtung des Sockels etc. bezahlt werden.

Screenshot der Seite von "Oberhausen Crowd"

Hier muss auch noch erwähnt werden, dass Heiner Meyer uns auch den Entwurf geschenkt hat. Ich möchte allen – hier sei ausdrücklich auch die Stadt Oberhausen genannt, die uns als Träger immer vorbildlich unterstützt – ganz, ganz herzlich für diesen großartigen Einsatz für die LUDWIGGALERIE danken! 

KS: Wie verlief der Prozess, „um die Skulptur herum“ eine Ausstellung zu verwirklichen? 

CV: Als wir den Entwurf ausgesucht hatten, sagte Heiner Meyer: „Ihr macht doch immer so Themenausstellungen. Dann musst Du jetzt was zum Schuh in der Kunst machen.“ Zuerst dachte ich: „Nee, das interessiert mich gar nicht.“ Aber dann habe ich mal überlegt, was es kunsthistorisch zu dem Thema denn so gibt. Und es ist ja ein wahrlich weites Feld und auch ein faszinierendes Thema.

Dr. Christine Vogt im 2. OG inmitten verschiedenster Werke, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
KS: Wieso gerade rote High Heels?

CV: In der Pop Art spielt der Schuh, speziell der Frauenschuh, von Anfang an eine zentrale Rolle. Und so eben auch im Werk von Heiner Meyer. Als Fetisch, Schönheitsideal und natürlich Statussymbol ist der Schuh ein unverzichtbares Detail. So kam es zu der Form und Rot lag als Signalfarbe, Farbe der Liebe und des Begehrens, nahe und passt natürlich bestens zum rosa Schloss.

KS: An welchem Ort an der LUDWIGGALERIE wird die Skulptur aufgestellt?

CV: Wie schon erwähnt gibt es einen großen Skulpturensockel direkt von dem Haupthaus der LUDWIGGALERIE. Dort wird die etwa sechs Meter hohe Schuhpyramide zukünftig zu sehen sein.

Fotomonate einer 3D-Simulation, 2021 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
KS: Was wird die Skulptur für Oberhausen bedeuten?

CV: Ich hoffe, dass sie sich schnell zu einem Wahrzeichen und einer kleinen Landmarke entwickelt. Der Standort an der Konrad-Adenauer-Allee bedeutet ja, dass viele Oberhausener Gäste, die zum Beispiel zum Centro fahren, an RED HEELS vorbeikommen. Und auch für die Oberhausenerinnen und Oberhausener wird sie sicherlich ein neuer Blickfang sein. So kann mit dem Schloss auch wieder im Vorbeifahren direkt Kunst verbunden werden.

Freitag, 5. Februar 2021

Der Mann der Zahlen: Dr.-Ing. Christoph Diekmann und die Statik von Red Heels

Am 20. März 2021 wird die Skulptur RED HEELS von Heiner Meyer an der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen enthüllt. Sie findet ihren Standort zentral vor der Schlossfassade an der Konrad-Adenauer-Allee und viele Menschen, die dann an ihr vorbeifahren, werden sicher denken: „Wie toll!“ Unwillkürlich mögen sie sich aber auch fragen: „Wie ist die denn eigentlich so schnell hier hingekommen? Meine Güte, sie scheint geradezu vom Himmel gefallen zu sein!“ Nein, mitnichten ist sie das. Von der Idee bis zu Enthüllung brauchte es einen etwa zwei Jahre dauernden Prozess. Wir, vom Team der LUDWIGGALERIE, finden diesen so spannend, dass wir unseren Leserinnen und Lesern in den nächsten Wochen einen Einblick geben möchten. In loser Reihenfolge veröffentlichen wir deshalb Blogbeiträge mit Schilderungen der verschiedenen, am Entstehungsprozess beteiligten, Gewerke. Wir hoffen, dass Sie diese Berichte genauso spannend finden wie wir und, dass sie dazu anregen, sich die Skulptur bei Gelegenheit einmal selbst anzuschauen.

Wir starten heute mit Erläuterungen zur Statik der Skulptur, die von Dr.-Ing. Christoph Diekmann, Ingenieurbüro Diekmann in Oberhausen, stammen.

Als Jutta Kruft-Lohrengel, 1. Vorsitzende des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE, um die statische Bearbeitung für eine Skulptur anfragt, die für die LUDWIGGALERIE gedacht ist, war meine erste, aus heutiger Sicht recht profane Reaktion: Für meinen Gartenbrunnen brauche ich auch keine Statik. Sofort aber schoss mir die naheliegende, baulich begründete Frage durch den Kopf: Ist eine Skulptur nicht doch ein Gebäude oder eine bauliche Anlage gemäß Landesbauordnung, für das eine Statik benötigt wird? Letztendlich muss die Standsicherheit eines Bauwerks aber, so oder so, gewährleistet werden. Also war meine Reaktion angesichts einer solch unüblichen und nicht jeden Tag gestellten Anfrage: „Schaun mer mal“.

Schnell stellt sich heraus, dass der künstlerische Entwurf eine etwa sechs Meter hohe Skulptur aus sieben verschiedenen Schuhmodellen, die räumlich übereinander angeordnet sind, vorsieht.

Anordnung der Schuhe und Bezeichnungen der Flächen © Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann

Daraus ergeben sich für mich eine Reihe zu berücksichtigender Aspekte:

Blechdicke und Verzug

Damit die einzelnen Elemente stabil bleiben, wurde eine Blechdicke von rund 30 mm festgelegt. An der Fußplatte sind etwa 2,2 Tonnen Eigengewicht aufzunehmen und die Bauteile dürfen sich durch Schweißverzug und Transport nicht verziehen. Schweißverzug kann zum Beispiel durch die Wärmezufuhr beim Schweißen entstehen. Dadurch verformen sich die Blechteile. Dies ist durch sorgfältige Planung des Schweißprozesses zu vermeiden. 

Die Schwerpunktermittlung

Jedes der einzelnen Schuhelemente hat eine eigene Geometrie. Dies macht die Ermittlung der Schwerpunkte aufwändig. Um den künstlerischen Entwurf möglichst originalgetreu zu übernehmen, erfolgte die gesamte Bearbeitungskette mittels 3D-Modellierungs-Software. Die Einzelformen wurden digital vom Entwurf des Künstlers Heiner Meyer übernommen und als 3D-Modell abgebildet. Daraus wurde dann ein Berechnungsmodell zur Ermittlung des Kräfteverlaufs abgeleitet; parallel wurden die Fertigungsdaten generiert. Diese dienen schließlich als Grundlage für den computergestützten Zuschnitt der Blechteile bei der Firma Franken Apparatebau in Oberhausen.

© Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann
Windanfälligkeit

Jedes einzelne Schuhmodell ist etwa 1 m² groß, sodass sich eine recht nennenswerte Windangriffsfläche ergibt. Zudem wiegt jedes Schuhelement rund 300 kg, sodass auskragende Details an den Elementen hohe Anschlusskräfte erzeugen. Damit sich eine stabile Gesamtkonstruktion ergibt, muss die jeweilige Kontaktfläche zwischen zwei Stücken hohen Druck- und Biegebeanspruchungen standhalten.

Kontaktflächen

Eine große Herausforderung ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die Elemente zum Teil nur punktweise berühren, es also nur geringe Kontaktflächen gibt. Die Übertragung der Anschlusskräfte stellt dadurch besondere Anforderungen an die geometrische Ausführung und die Schweißtechnik. (Die Kontaktflächen sind blau gekennzeichnet.)

Schuh 5 mit gekennzeichneten Schweißnähten © Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann
Der Transport

Die Skulptur muss in der Werkstatt zusammengebaut werden, weil ein Zusammenbau vor Ort nicht den geschilderten hohen Qualitätsanforderungen entspricht. Damit muss das große und schwere Gesamtmodell mit dem Kran in der Werkhalle bewegt, mit dem Tieflader transportiert und mit einem Autokran aufgestellt und montiert werden. Die dabei entstehenden Kräfte müssen ebenfalls durch die Schweißnähte an den Kontaktpunkten sicher übertragen werden. Für die Aufstellung ist das Fundament vorgesehen, das sich neben dem Fußweg vor dem Schloss befindet und das etwa 3,30 x 5,50 Meter misst. Auf ihm wird die Gesamtstruktur aufgestellt und eingedübelt. Übrigens: Dort ist ehemals die Skulptur des Künstlers Keith Haring, Head through Belly, zu sehen gewesen.

Keith Haring-Skulptur "Head through Belly" im Jahr 2013 © Thomas Wolf
Zusammenfassung

Die eigentliche statische Berechnung ist die rechnerische Simulation der Lasten auf die Skulptur zur Ermittlung des Kraftverlaufes. Damit werden die besonders beanspruchten Bereiche berechnet. Für die unregelmäßigen und flächigen Schuhelemente in räumlicher Anordnung stellt dies eine ungewöhnliche Aufgabe dar.

Spannungen an den Einzelblechen, Schuh 5 und 6 © Statikbericht Ingenieurbüro Diekmann