5 Fragen an Julia Zejn


Bevor es mit dem zweiten Teil unserer Interviewserie losgeht, kurz ein paar Facts: Julia Zejn studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration und Animation. Seit 2013 arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin, unter anderem für verschiedene Theaterproduktionen, zum Beispiel für „Die Möglichkeit einer Insel” am Schauspielhaus Dortmund und „Die Kinder von Opel” am Schauspielhaus Bochum. Währenddessen geht sie ihrer Leidenschaft für’s Comiczeichnen nach. Sie veröffentlicht diverse Kurzgeschichten und feiert mit der Graphic Novel „Drei Wege“ im Herbst 2018 ihr lang erwartetes Debüt.


Abb. Julia Zejn © Julia Zejn

Nathalie Schraven: Wie kam es dazu, dass Sie Comiczeichnerin geworden sind?

Julia Zejn: Es ist wahrscheinlich die langweiligste Antwort: Ich habe schon als Kind gerne und viel gezeichnet und Geschichten gelesen. Es hat dann eine Weile gebraucht, bis ich zum Comic kam. Zuerst habe ich Kommunikationsdesign studiert und mich vor allem mit dem Animationsfilm beschäftigt. Ich habe aber nach und nach gemerkt, dass es mir zwar sehr viel Spaß macht, szenisch zu denken, ich jedoch keine Lust habe, stundenlang vor Animationsprogrammen zu sitzen. Ich hatte während und nach dem Studium immer den Drang, eigene Geschichten zu erzählen und nicht nur Auftragsarbeiten für andere zu machen. Nach einem freien gescheiterten Kurzfilmprojekt habe ich mir gesagt, einen Comic könnte ich ganz alleine durchziehen. Zu der Zeit habe ich mehrere Kurzcomics gezeichnet und an Comic-Workshops teilgenommen und mehr und mehr gemerkt, wie sehr ich es mag, über das Medium Comic meine Geschichten zu erzählen.

Abb. Julia Zeyn, Ayahuasca, 2019 © Julia Zejn

NaS: Gerade erst ist Ihre Graphic Novel „Andere Umstände“ erschienen, in der Sie von einer jungen Frau erzählen, die ungewollt schwanger wird und sich mit der Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch auseinandersetzt. Warum haben Sie dieses Thema gewählt?

JZ: Da mir feministische Themen am Herzen liegen und dieses Thema weiterhin sehr aktuell ist. Viele denken, dass ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland legal ist, aber der § 218 besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch eine Straftat ist, die unter bestimmten Voraussetzungen, wie die der Beratungspflicht und den drei Tagen Bedenkzeit, straffrei bleibt. Das hat negative Folgen, wie zum Beispiel eine schlechte Versorgungslage für ungewollt Schwangere. Außerdem war es mir wichtig, eine „ganz gewöhnliche“ Geschichte über einen Schwangerschaftsabbruch zu erzählen und dennoch Verständnis für die betroffene Protagonistin zu erzeugen.

NaS: Wie entwickeln Sie Ihre Figuren oder entwickeln sie sich selbst?

JZ: Ich ziehe immer Inspiration aus meiner unmittelbaren Umgebung und aus meinem eigenen Leben. Ich notiere mir Gespräche, die ich mitbekomme, lese Romane, schaue Serien usw. Um die Charaktere authentisch werden zu lassen, stelle ich mir viele Fragen wie zum Beispiel: „Wie sind die aufgewachsen? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie sind ihre politischen Einstellungen? Sind sie introvertiert oder extrovertiert? Wer sind ihre Freunde?“. Ich schreibe ihnen auch meist einen kurzen Lebenslauf und mache einen Persönlichkeitstest für sie. Auf jeden Fall verbringe ich immer viel Zeit damit und weiß letztendlich immer mehr über die Charaktere, als dann in der Geschichte sichtbar ist. Was die Nebencharaktere angeht, so suche ich mir dann auch manchmal Leute aus, die ich kenne und die mir dann als Vorbild dienen. Ich arbeite nicht autobiografisch, dennoch stecken auch persönliche Erfahrungen in meinen Geschichten und die Charaktere sind mir nicht völlig fremd.

Abb. Julia Zejn, aus: Ayahuasca, 2019 © Julia Zejn

NaS: „Ayahuasca“ – ein Comic über eine Szenendroge zwischen Selbsterfahrung und Naturheilkunde ist nur in begrenzter Stückzahl als kleines Magazin erhältlich, das sie mit Matthias Lehmann entworfen haben. Wieso haben Sie sich entschieden, den Comic in limitierter Edition herauszugeben?

JZ: Neben meinen beiden Graphic Novels habe ich immer auch Kurzcomics gezeichnet, in denen ich Stil und Storytelling ausprobieren kann – sozusagen ein Raum zum Experimentieren. Etwas davon bei einem Verlag zu veröffentlichen, war also nie der Plan. Außerdem macht es Spaß, sich mit Freunden zu treffen, gemeinsam zu zeichnen und ein kleines Magazin zu planen.

NaS: Was würden Sie jemandem raten, der heute ComiczeichnerIn werden möchte?

JZ: Ein Thema wählen, bei dem man die Energie hat, lange dranzubleiben und einen Stil finden, der nicht perfekt ist, aber den man über Jahre durchhalten kann. Und nicht aufgeben. Es gibt immer Phasen, in denen man an den eigenen Projekten stark zweifelt.


 
 

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