5 Fragen an Annette Swoboda

Im zweiten Teil unserer Interviewreihe stellen wir euch Annette Swoboda vor. Sie studiert zunächst Kunst in Frankreich und danach Grafik-Design in Mannheim. Anschließend unternimmt sie eine Reise um die Welt. Die Veröffentlichung ihrer Abschlussarbeit, einem balinesischen Märchen, ist der Einstieg in die Buchillustration. Seit 1992 arbeitet sie freischaffend als Kinderbuchillustratorin und schreibt auch selbst Bücher. Sie lebt mit ihrer Familie auf einem Hof in der friesischen Wehde. 

Foto: © Heribert Hansen

Nathalie Schraven: Gibt es Bilderbücher, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind und warum?

Annette Swoboda: Ja, die gibt es natürlich. Viele! Als kleines Kind beeindruckte mich zum Beispiel „Wo ist Wendelin?“ von Wilfried Blecher, „Parana, der kleine Indiana“ von Dominique Darbois (Fotos) / Francis Mazière (Text) und „Der Handschuh“, ein ukrainisches Volksmärchen von Jewgeni Ratschow.

Später dann schenkte meine Omi mir jedes Jahr zu Weihnachten einen Band der wundervollen Märchenbuch-Reihe aus dem Artia Verlag. Ganz besonders liebte ich die slawischen Märchen mit den traumhaft aquarellierten Bildtafeln von Maria Zelibska. Sie weckten in mir den Wunsch Illustratorin zu werden.

Diese Bilderbücher sind in der Gestaltung völlig unterschiedlich, aber alle finde ich heute immer noch großartig.

NaS: In der Otfried Preußler-Ausstellung sehen wir Ihre Illustration von „Hörbe mit dem großen Hut“. Was hat Ihnen besonders an der Geschichte gefallen?

AS: Die Geschichten von Otfried Preußler kenne ich natürlich schon aus meiner eigenen Kindheit. Besonders „Der kleine Wassermann“ und „Krabat“ gehörten zu meinen Lieblingen.

Seitdem bewundere ich die großartige Erzählweise von Preußler. Mit viel Liebe und Wärme, unglaublicher Fantasie und einem feinen Humor erschafft er Welten, in die man als Leser*in ganz eintaucht.

„Hörbe“ kannte ich zum Glück noch nicht. Denn ich finde es sehr schwierig, den Vorstellungen, die man sich als Kind beim Lesen macht, Jahrzehnte später in den eigenen Illustrationen gerecht zu werden.

Abb. Illustration von Annette Swoboda aus Otfried Preußler, Hörbe mit dem großen Hut © by Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart

NaS: Wie haben Sie sich mit Preußlers Figuren auseinandergesetzt und Ihren eigenen Stil eingebracht?

AS: Bei jeder Illustrationsarbeit prägt der Erzählstil des Autors die Illustrationen. Das ist für mich einer der schönsten Aspekte meiner Arbeit. Der eigene Stil fließt dann zusätzlich ein.

Beim „Hörbe“ war mir außerdem wichtig, dass Eltern, die die Hörbe-Bücher noch mit Preußlers Schwarz-Weiss-Illustrationen kennen, den Hutzelmann und seine Welt auch in meinen Bildern wiederfinden.

Und natürlich war es mir ein besonderes Vergnügen und eine besondere Verantwortung, die Vorstellungen, die der Autor selber von seinen Figuren hatte, aufzugreifen. Die Frage, was Herr Preußler wohl zu meiner farbigen Umsetzung gesagt hätte, war beim Malen immer gegenwärtig.

NaS: Haben Sie aus all Ihren Büchern eine Lieblingsfigur?

AS: Manchmal gibt es in einer Geschichte natürlich eine Figur oder eine Szene, die mich als Illustratorin besonders anspricht. Das sind dann oft Stellen, deren Umsetzung auch am Besten gelingt.

NaS: Was würden Sie jemandem raten, der heute Bilderbuchautor*in werden möchte?

AS: Ich bin selber am Anfang mit meiner dicken Mappe über die Buchmessen getingelt. Da es bei mir geklappt hat, würde ich das auch anderen empfehlen, die Bilderbücher machen wollen. Von den Rückmeldungen, die man dort von den Lektor*innen der Verlage bekommt, würde ich raten, das anzunehmen, was einen weiterbringt und sich von dem Rest nicht entmutigen zu lassen.

 

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