Montag, 30. März 2020

Mit Kindern kunstvoll gegen den Lagerkoller!

Für alle Eltern, die gerade vor der Mammut-Aufgabe stehen: Wie beschäftige ich mein Kind drinnen, sogar kunstpädagogisch wertvoll? Wir haben unsere Museumspädagoginnen Sabine Falkenbach und Ursula Bendorf-Depenbrock nach Tipps gefragt.

Wir betonen (!), wenn ihr unbedingt rausgehen wollt/müsst (weil euer Hund mal Gassi muss, z.B.): geht nur mit Menschen aus eurer Wohnung raus, haltet Abstand zu anderen (mindestens 2 Meter), wascht euch danach die Hände (mindestens 20 Sekunden)… An für sich sind aber fast alle Aktionen drinnen durchführbar.

Zu unserer aktuellen Ausstellung LINDA McCARTNEY haben sie folgende Ideen:

Deine persönliche Fotogalerie:
• Schnapp dir eine Kamera oder ein Smartphone und mache Fotos aus dem Bereich der Musik – z.B: Ich übe am Klavier, an der Klarinette, an der Gitarre… mein Bruder singt, meine Schwester spielt Schlagzeug, wir machen Hausmusik!

• Der Themenbereich der „Roadworks“, Beobachtungen von Menschen und Räumen: Was sehe ich aus dem Fenster, vom Balkon, im Garten? Leere Spielplätze? Leergefegte Straßen? Die Blumen, die dank des Frühlings nun erwachen?

• Linda McCartney hat auch privat viele schöne Fotos geschossen. Macht doch mal eine Verkleidungsaktion mit deinen Eltern und Geschwistern und macht lustige Schnappschüsse!

• Welche Orte in eurer Wohnung oder Haus sind DEINE Lieblingsplätze? Wo fühlst du dich besonders wohl? Welche Details bei dir zu Hause gefallen dir besonders? Was ist dein Lieblingsspielzeug? Experimentiere mit Aufnahmen von weiter weg oder von ganz nah, mit Perspektiven von der Seite oder ganz weit unten.

Bildausschnitt und Perspektive lassen sich sehr gut an Bücherregalen ausprobieren, 2020 © LUDWIGGALERIE

Auch die in Planung stehende Schau zu Rudolf Holtappel kommt bei den Anregungen nicht zu kurz:

• Fotografie aus den Warenwelten – Wenn ihr mit euren Eltern einkaufen seid, sind die Regale leer oder voll? Stehen die Leute extrem Schlange?

• Gehe durch eure Wohnung und fotografiere deine Lieblingsprodukte, die bei keinem Einkauf fehlen dürfen. Oder zeichne, wie DER Laden in deinen Vorstellungen aussieht, was gibt es dort? Gummibärchen mit Kaugummi-Geschmack? Mit Pudding gefüllte Donuts?

A propos Zeichnen – deine Lieblingsorte kannst du natürlich auch zeichnen

• Erinnere dich. Wie sieht der Park um die Ecke in deiner Erinnerung aus? Der Spielplatz?
• Such im Internet nach Fotos von Frühlingsblumen und male sie nach.
• Das erste Grün – lege ein Skizzenbuch an und trage riesengroß ein, was man im Kleinen sieht.

Bei Frühlingsblumen kannst du viele Farben verwenden, 2020 © LUDWIGGALERIE

Dein eigenes Museum – Was sammelst du? Briefmarken, Figürchen? Wie würdest du sie anordnen und was würdest du in deinem Museum darüber erzählen? Trage es deiner Familie vor.

Dein Bild im Social Media-Museum: Gerne darfst du uns deine Fotos und Zeichnungen unter Angabe deines Vornamens und deines Alters auch zukommen lassen an karoline.seck@oberhausen.de. Denn wir wollen ein Facebook-Museum mit euren Werken machen. Wenn du etwas dazu sagen möchtest, darfst du in der E-Mail gerne erklären, was zu sehen ist und wieso du es genau so gemacht hast.
Wenn auf den Fotos Menschen zu sehen sind, stelle sicher, dass die Leute auf den Fotos damit einverstanden sind.

Viel Spaß wünscht die Museumspädagogik und die LUDWIGGALERIE :-) 

Und hier geht es zum Oppa-Hausen Ausmalbild von Stephan Baumgarten: Watt zum ausmalen!

Sonntag, 8. März 2020

Who run the world? Girls! Die LUDWIGGALERIE und die Fotografinnen

Heute ist der Internationale Weltfrauentag – die Vereinten Nationen legen dieses Jahr besonderen Fokus auf Frauenrechte und Geschlechtergleichberechtigung, mit der Kampagne I am #GenerationEquality (Ich bin Generation Gleichberechtigung). Unter diesem Hashtag und #eachforequal und #IWD2020 könnt ihr in den sozialen Medien die Aktionen verfolgen und euch informieren.
Carrie Fisher wurde 2017 das Symbol des Women's March, Bildquelle: pixabay.com

Die 2000er-Jahre haben eine Menge starker, prominenter Frauen hervorgebracht: Malala Yousafzai (Kinderrechtsaktivistin, Friedensnobelpreisträgerin), Greta Thunberg (Klimaaktivistin), Michelle Obama, die sich für Frauen- und insbesondere Mädchenrechte einsetzt; Emma Gonzalez, die sich gegen die Waffengesetze der USA einsetzt und Angela Merkel (Deutschlands erste Bundeskanzlerin). Beyoncé Knowles, von der auch die Songzeile „Who run the world? Girls!“ stammt, setzt sich seit einigen Jahren für LGBTIQ-Rechte ein und Lady Gaga betreibt sozialen Aktivismus für Minderheiten („Baby I was born this way!“).

Herausragende Frauen in der Kunst sind, um nur einige zu nennen, zum Beispiel Frida Kahlo (Surrealismus), Berthe Morisot (Impressionismus) und Paula Modersohn-Becker (Expressionismus); in der zeitgenössischen Kunst Marina Abramović (Performancekünstlerin), Katharina Grosse (großformatige Gemälde) und Pipilotti Rist (Experimentalfilme, Videoinstallationen, digitale Kunst). Erst vor einigen Wochen eröffnete die Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main die Ausstellung "Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo", um Frauen im Surrealismus eine Schau zu widmen.

"Sommertag", 1879 von Berthe Morisot

Die LUDWIGGALERIE hat sich das Ziel gesetzt, weibliche Positionen in der Fotografie verstärkt zu präsentieren, die wir noch einmal retrospektivisch aufzeigen wollen:

Ausstellungsplakat zur Schau Eve Arnold, Marlene Dietrich in den Aufnahmestudios von Columbia Records, NYC, 1952 © Eve Arnold  Magnum Photos

2014 eröffneten wir eine Schau über Eve Arnold. Die 1912 in Philadelphia geborene Tochter russischer Einwanderer beginnt als Autodidaktin; 1957 tritt sie der legendären Fotoagentur MAGNUM bei. Die ungewöhnlichen Modeaufnahmen in Harlem zur Zeit der Rassendiskriminierung, die lange Zusammenarbeit mit Marilyn Monroe und natürlich ihre politischen Reportagen, z.B. zu Malcolm X zeigen ihre singuläre und tief beeindruckende Bildsprache. Sie thematisiert die Verschleierung der Frau in den arabischen Ländern und zeigt ein China, das sich Ende der 1970er Jahre mitten im Umbruch befindet. Ihre Themen sind hier stets von gesellschaftspolitischer Relevanz.

Mit ihren Porträts in Aktion (Alexey Brodovitch) – von Filmstars wie Marlene Dietrich, Marilyn Monroe und Joan Crawford – schreibt Eve Arnold Fotografiegeschichte. Wenn ihre Themen auch oftmals aus der Welt der Frauen stammen, distanziert sich Eve Arnold gegen eine allzu feministische Vereinnahmung:

„Ich wollte ein weiblicher Photograph sein, und dass meiner Kamera die ganze Welt offensteht.“ 

Ausstellungsplakat zur Schau Herlinde Koelbl, Fotografie: Schein und Sein, Andrea und Anita, München 2007 © Herlinde Koelbl

Mitte der 1970er Jahre entdeckte die in der Nähe von München lebende Herlinde Koelbl ihre Leidenschaft für die Fotografie. Von Anfang an zeigt sich ihr besonderes Gespür für den Menschen, eigenwillige Themen und ihr Ansatz, in Langzeitprojekten zu arbeiten. So wird vielen vor allem das Projekt „Spuren der Macht“ im Gedächtnis geblieben sein. 1991 beginnt sie diese zunächst auf acht Jahre angelegte Studie, sucht sich fünfzehn Politikerinnen und Politiker sowie Vorstandsvorsitzende und beobachtet bei ihrem jährlichen Besuch, wie Amt und Verantwortung, öffentliche Aufmerksamkeit und Erfolgsdruck die Menschen verändert. Das deutsche Wohnzimmer war 1980 ihr erstes publiziertes Buch und gehört heute zu den Klassikern der deutschen Fotografiegeschichte. Filme und Videoinstallationen komplettieren ihr Werk. 

Ausstellungsplakat zur Schau Brigitte Kraemer, Fotografie: Bude, Duisburg, 2007 © Brigitte Kraemer

Kritische Reportagen mit großer Nähe zu den Menschen und manchmal einem Augenzwinkern, das zeichnet die fotografische Arbeit von Brigitte Kraemer aus. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet die in Herne lebende Fotografin für große Zeitungen und Zeitschriften, recherchiert zu Mädchen auf Trebe oder Pattex-Schnüfflern, beobachtet Mann und Auto oder ruhrgebietstypische Architekturen mit ihren Betreibern und Nutzern wie Die Bude.
Das Oberhausener Friedensdorf mit den verletzten und hier genesenden Kindern hat sie ebenso ins Bild gesetzt, wie die vor der Öffentlichkeit verborgenen Frauenhäuser mit ihren Bewohnerinnen und Schicksalen. „Im guten Glauben“ heißt die Arbeit, bei der sie die Vielfalt der religiösen Gebräuche und ihre besonderen und oft pragmatischen Ausprägungen im Ruhrgebiet beobachtet. Ihre Fotografien sind weithin bekannt und geben seit Jahren einen Einblick in die Region und darüber hinaus.

Ausstellungsplakat zur Schau Regina Relang, Fotografie: Regina Relang, Gisela Ebel mit Schmetterlingsbrille, 1950 © Münchner Stadtmuseum Sammlung Fotografie Archiv Relang

Regina Relang beginnt ihre fotografische Karriere im Paris der 1930er Jahre. Ihre ersten Erfolge feiert sie mit Reportageaufnahmen, die während ihrer Reisen durch Südeuropa entstehen. Die körperlich schwere Arbeit der Lastenträgerinnen im Hafen von Porto weckt ebenso ihr Interesse wie eine traditionelle makedonische Hochzeit in Galičnik. In der Nachkriegszeit avanciert Relang zur führenden Modefotografin Deutschlands. Zu ihren Auftraggebern zählen namhafte Modeschöpfer wie Christian Dior, Pierre Cardin oder Yves Saint Laurent, ihre Fotografien werden in zeitgenössischen Modejournalen wie Constanze, Madame oder Film und Frau abgedruckt.
Mit ihrem eigenen fotografischen Stil überwindet Relang die Grenzen zwischen Mode- und Reportagefotografie. In den 1960er Jahren ändert sich ihr fotografischer Blick und sie fotografiert zunehmend im Studio.
 
Ausstellungsplakat zur Linda McCartney, Fotografie: Paul McCartney © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann

Linda McCartneys, damals noch Eastmans Karriere beginnt, als ihr eine Presseeinladung der Rolling Stones in die Hände fällt. Damals war sie alleinerziehend und arbeitete bei einem Magazin als Büro-Angestellte. Sie darf als einzige Fotografin auf das Schiff SS Sea Panther, auf der die Promotionparty stattfindet, und ihr gelingen Bilder der Stones, ungezwungen und natürlich. Dies ist auch McCartneys Markenzeichen, sie bleibt unbemerkt hinter der Kamera. Ihre Bilder der großen Musikstars der späten 1960er Jahre prägen bis heute unser Bildgedächtnis dieser sich von moralischer Etikette befreienden Zeit. Janis Joplin und Jimi Hendrix, Nico und Brian Jones, The Doors und The Who, Aretha Franklin und Bob Dylan werden von ihr in selbstverständlicher Natürlichkeit und häufig auch mit großer Dynamik ins Bild gesetzt. So lernt sie auch ihren späteren Ehemann Paul kennen.

Nach ihrer Heirat verlagert sich ihre Fotografie ins Private;sie dokumentiert ihre Reisen und damit Menschen und Stadträume, das Familienleben und experimentiert mit alternativen Entwicklungsmethoden.