Freitag, 24. Januar 2020

Karikaturen in 3D und XXL – Teil 1: Da kommt was Großes auf uns zu! Ein Kunsttransport in Bildern


Die LUDWIGGALERIE hat sich als erste Ausstellung im Kleinen Schloss im Jahr 2020 eine Premiere ins Haus geholt: Nie zuvor gab es eine Schau über den Karikaturisten und Satiriker Jacques Tilly. Den meisten dürften seine Karnevalswagen in Düsseldorf bekannt sein.
Am gestrigen Donnerstag (23. Januar) erwartete das Team der LUDWIGGALERIE das Team um Jacques Tilly und den Künstler selbst, denn nebst Zeichnungen, Bauskizzen und farblichen Karikaturen sollte auch eine Auswahl dreidimensional gewordener, „realer“ Karikaturen ausgestellt werden.
Logistisch sah es dann so aus:
LKW des Tilly-Teams kommt an, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Pappmaché-gewordene Theresa May lugt aus dem LKW wie ein Tiefsee-Ungeheuer.
Ausladen der Skulpturen, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Mit vereinter Mannes- und Frauenkraft wurden die Skulpturen von der Ladefläche geladen. „Brexit is a monstrosity“ wird sich ab nun für knapp 5 Monate in unserem Innenhof perfekt ins „rosa Ambiente“ der Schlossmauern einfügen und doch viele Blicke auf sich ziehen. 
Ausladen der Skulpturen, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Tilly kennzeichnet mit Kreide die Position der Skulptur. Zu diesem Zeitpunkt steht sie aber noch nicht auf ihrer endgültigen Höhe.
Brexit is a monstrosity, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Im Anhänger warteten nun Putin, Trump und Merkel darauf, in der Panoramagalerie ihren Platz zu finden. Dazu musste das „Tilly-Team“ einmal ums Schloss herum, um durch den Shop in den Ausstellungsraum zu gelangen.
Teil 1 der Trump/Putin-Skulptur, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Teil 1 der Trump/Putin-Skulptur, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Transport der Putin-Skulptur, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Derweil wurde an einer Podest-Konstruktion gebaut, um im Innenhof durch die richtige Höhe den Eindruck eines Karnevalswagens zu erwecken. Die Konstruktion besteht im Wesentlichen aus Euro-Paletten, die sturmfest zusammengeschraubt wurden. Darüber kam ein schwarzes Tuch.
Podest-Konstruktion für die Skulptur, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Jacques Tilly, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Viel soll an dieser Stelle noch nicht über die Ausstellung verraten werden, denn am 2. Februar könnt ihr kostenfrei zur Eröffnung kommen und auch sonst jeden Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr dank freiem Eintritt so oft in die Ausstellung kommen, wie ihr wollt!
In den nächsten Teilen der Blog-Serie „Karikaturen in 3D und XXL“ erfahrt ihr mehr über Jacques Tilly und wie aus einer Idee und der Zeichnung schlussendlich etwas Dreidimensionales geschaffen wird und wie es dazu kam, dass er nun seinen Lebensunterhalt damit verdient.
Save the Date: 2. Februar, 15 Uhr: Vernissage!

Vorher/Nachher-Foto des Innenhofs, 2020 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Samstag, 18. Januar 2020

Veranstaltungen zur Ausstellung "Linda McCartney"


Veranstaltungen zur Ausstellung
Fotografin unter Musikern
LINDA McCARTNEY – The Sixties and more
19. Januar bis 3. Mai 2020

Auch in dieser Ausstellungslaufzeit haben wir ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt:


Donnerstag, 6. Februar 2020, 19 Uhr
Acht Tage die Woche – Die Beatles und ich
Lesung von FRANK GOOSEN, Vorpremiere
Eintritt 14 €, erm. 8 €, Karten an der Museumskasse

Sonntag, 9. Februar 2020, 15–17 Uhr
Foto-Music-Family-Day
Foto-Session-Spiel-und-Spaß im Session-Room
Ermöglicht durch den Freundeskreis der LUDWIGGALERIE
Kostenlos in Verbindung mit dem Museumseintritt

Freitag, 14. Februar 2020, 19 Uhr
The Big Shot Music Collection
Von Lennon über Umwege zu Hendrix
Gastspiel des Theaters Oberhausen in der LUDWIGGALERIE
Von und mit JÜRGEN SARKISS,
PETER ENGELHARDT, STEFAN LAMMERT und JOHANNES NEBEL
Eintritt 14 €, erm. 8 €, Karten an der Theaterkasse
Bereits ausverkauft!

Sonntag, 15. März 2020, 15 Uhr
Fliegende Schweine und geschälte Bananen
Wie Plattencover zur eigenen Kunstform wurden
Vortrag von DENNIS PLAUK, Chefredakteur MINT
Kostenlos in Verbindung mit dem Museumseintritt

Donnerstag, 16. April 2020, 14–18 Uhr
Foto-Workshop – Sun-Print-Blue
Experimentieren mit Eisenblaudruck und Belichten mit Sonnenlicht
Führung durch die Ausstellung und Workshop im „Session-Room“
Leitung: SARAH BOCKTING
Kosten inkl. Eintritt 21,50 €
  



Freitag, 27. März 2020, 15.30 Uhr
LINDA McCARTNEY: Top Ausstellung
LUDWIG CHARTS – Eröffnung
Die Top-10 der „LUDWIG CHARTS“ auf Postkarten, Film und Foto im Session-Room
Bündnisprojekt von LUDWIGGALERIE, Malschule und Falkensteinschule, gefördert durch „Museum macht stark“ vom Deutschen Museumsbund/Bundesministerium für Bildung und Forschung


Führungen mit der Kuratorin DR. CHRISTINE VOGT
Sonntag, 26.01.2020, 15 Uhr
Sonntag, 01.03.2020, 15 Uhr
Sonntag, 29.03.2020, 15 Uhr
Sonntag, 26.04.2020, 15 Uhr

 
Soundwalk durch die Ausstellung LINDA McCARTNEY
Erleben Sie die Kunstwerke zum Sound der Zeit
Leihgebühr 3 €

Freitag, 20. Dezember 2019

Der Fall Struwwelpeter - Bloggertag 3.0

Schon einmal darüber nachgedacht, was für ein Kind der Struwwelpeter wohl heutzutage wäre? 
Begegnete ein solches Kind einem auf der Straße, man würde ganz klar von Verwahrlosung sprechen… Kindeswohlgefährdung, versagende Eltern. Oder der böse Friederich – der hätte schon ein langes Strafregister. Und der fliegende Robert? Der wäre nach dem Verschollenheitsgesetz für verschollen und für tot erklärt worden. Würde auch echt mal Zeit, nach 175 Jahren, denn so alt ist das Buch über den langhaarigen Jungen mit der zerzausten Mähne und seine Kumpanen. Seit je her wird das Buch als Vorlage für weitere Adaptionen genutzt – bis hin zu einer umfangreichen strafrechtlichen Analyse jeder einzelnen Geschichte, die der Jurist Jörg-Michael Günther vorgelegt hat.
Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink und Presse-Volontärin Karoline Seck haben eben dieses Buch als  Basis für einen außergewöhnlichen Ausstellungsrundgang zum diesmaligen Bloggertag genommen. 

 
Bloggertag in der LUDWIGGALERIE, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Gern gesehene  „Stamm-Blogger“ und neue Gesichter gesellten sich am 17. November zueinander, um sich von Linda und Karo – an diesem Tag nur „euer Ehren“ genannt und ein dickes StGB schleppend, durch die Ausstellung führen zu lassen. „Was meint ihr“, fragt Linda und zeigt auf den Struwwelpeter, „was für Verstöße wurden hier begangen?“ Schnell fällt in der Runde das Stichwort „Kindeswohlgefährdung“.  Scheinbar sind sich alle einig. „Und, euer Ehren, wie ist die tatsächliche juristische Lage in dem Fall?“, richtet sich Linda dann an Karo, die in Bluse und Blazer, bewaffnet mit Hammer und StGB, nun ihr Urteil verliest. Es sei Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht nach § 175 StGB, die Haare und Nägel so lang wachsen zu lassen.

 
StGB und "Richterhammer", Utensilien für den Bloggertag © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Die nächste Geschichte auf dem Programm ist der Suppenkaspar. In verschiedenen Versionen begrüßt er die Besucher im ersten Ausstellungsraum: als Comic, als Gemälde und als Scherenschnitt. Jeder kennt die Geschichte vom wohlgenährten rundlichen Buben, der von jetzt auf gleich seine Suppe verweigerte, bis zum Fädchen abmagerte und am fünften Tage starb. So übertrieben schnell passiert das natürlich in Wirklichkeit nicht, aber „man muss ja immer vor Augen haben, in was für einer Zeit das Buch geschrieben wurde. Da konnte es ja auch schon passieren, dass es tagelang nur Suppe gab und manchmal war nicht gesichert, dass am nächsten Tag auch wieder eine Mahlzeit auf dem Tisch steht. Die Menschen waren nicht so übersättigt wie heute und Kinder mussten selbstverständlich essen, was auf den Tisch kommt.“ erläutert Linda. „Aber heutzutage würde der Fall definitiv anders geahndet“, fährt Karo dann fort. Die Blogger errieten zuvor schon richtig, dass theoretisch schon ein anderes Essen geholfen hätte. „Man hätte dem Kind erstmal was anderes zu Essen anbieten können!“ –  „Oder im Notfall auch zwangsernähren können oder zumindest mal einen Arzt rufen.“


Karo und Linda vor den verschiedenen Exponaten zum Suppenkaspar, 2019 © Silke König von pottleben.de

Euer Ehren macht auf eine von uns bisher unbeachtete Gesetzeslage aufmerksam: Es gibt noch weitere Verstöße, denn die Suppenterrine als Grabschmuck stellt eine Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und Störung der Totenruhe nach § 189 und 168 StGB dar. Hinzukommt, dass Kaspar schon am Tag nach seinem Tod beerdigt wurde, was nicht legal ist.
Im ersten Obergeschoss der Ausstellung befinden sich die bunten und formatfüllenden  Werke von Atak. Paulinchen starrt, die feuerroten Haare zu einem Zopf gebunden, wie hypnotisiert in die Flamme des Streichholzes. Ihre Eltern wären höchst wahrscheinlich wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen nach § 22, 13 StGB verurteilt worden. Ins Gewicht fällt insbesondere, dass sie wussten, dass ihr Töchterlein gerne zündelt. „Ich zitiere hier die Zeugen“, verlautet Karo, „die beiden Katzen, Minz und Maunz ‚Miao Mio, der Vater hats verboten, die Mutter hats verboten!‘“.


Direkt neben der Geschichte von Paulinchen begegnen wir der wohl grausamsten Straftat des ganzen Buches: Konrad der Daumenlutscher!
In diesem Fall wäre jedoch nicht die Mutter, sondern der Schneider gehörig „verknackt“ worden – fehlt Konrad immer hin nun ein wichtiges Glied des Körpers: der opunierbare Daumen! Das ist, da der Schneider die Schere als Waffe benutzt hat, sogar gefährliche Körperverletzung.
Und jetzt muss man sich erstmal die Folgeschäden der Geschichte vorstellen in Form von traumatisierten Lesern!
Sehen wir mal von den Zeiten ab in denen Streichhölzer die neueste Erfindung waren und die Mahlzeiten recht einfältig ausfallen konnten… Es gibt Geschichten im Struwwelpeter, die immer noch einen sehr aktuellen Bezug haben und laufend Stoff für neue Adaptionen liefern. „Karl Schrader zum Beispiel entschärft die so oft kritisierte Daumenlutscher-Geschichte“, erklärt Linda, „und zeichnet stattdessen zwei Daumen, die total genervt von Dannen ziehen.“ 

 
Linda verdeutlicht den Bloggern die Bandbreite des Struwwelpeter, 2019 © Danny Giessner von Wahlheimat Ruhr

1844 erstmals von Heinrich Hoffmann als Thema in einem Bilderbuch für Kinder aufgegriffen und traurigerweise bis heute aktuell: Das Thema Rassismus. Luise Bofingers Geschichte von den bösen Buben setzt die ursprünglich unter dem Titel bekannt gewordene Geschichte von den schwarzen Buben in eine aktuelle Version um. Gewidmet ist ihre Arbeit dem Jungen Amadeu Antonio Kiowa der im Jahr 1990 Todesopfer rassistischer Gewalt wurde. Bofingers Ansatz entrückt die Geschichte aus dem Bereich des Bubenstreichs und verdeutlicht die dramatischen Folgen von Rassismus. Leser von Hoffmanns Geschichte erkennen sofort: das Delikt der Volksverhetzung ist zweifelsohne gegeben. Aber eine andere Person ist hier wesentlich öfter straffällig geworden, wobei sich streiten ließe, ob es sich hierbei um eine reale Person handelt: der Nikolaus (hier sei angemerkt: der Nikolaus ist zugleich Schutzpatron der Juristen!) auf dessen Konto Freiheitsberaubung, Sachbeschädigung (die Brezel will jetzt keiner mehr essen..), Vergiftung und gefährliche Körperverletzung durch den Einsatz von Eisengallustinte gehen. Zu evaluieren wäre hier allerdings, inwieweit ein nicht-irdisches Wesen belangt werden könne.

 
Karo und Linda vor den Exponaten von Luise Bofinger, 2019 © Anja Schmid von pottandbeyond

Im zweiten Obergeschoss begegnen die Blogger abschließend nun den Comic- und Manga-Versionen des Struwwelpeter. Matthias Kringe verwandelt, nah am Hoffmannschen Original, macht aus Luke Skywalker, Chewbacca, Darth Maul & Co. in Protagonisten einer struwweligen Star-Wars-Story. David Füleki hingegen setzt die Geschichten im Comicstil um und passt sich mit Bewegungslinien, Soundwords (KAWUMM!) und einem Wechsel von Perspektiven unseren heutigen Sehgewohnheiten an. An dieser Stelle fasst „euer Ehren“ Karo zusammen, welche weiteren Gesetze oder auch Verordnungen missachtet wurden, wie z.B. dass der fliegende Robert nach dem Verschollenheitsgesetz längst für tot hätte erklärt werden müssen oder dass Hanns Guck-in-die-Luft aufgrund seiner Unachtsamkeit gegen die StVO verstoßen hat. „Und außerdem“, fährt sie fort, „der Autor und der Verleger haben sich meines Erachtens nach der Verherrlichung von Gewalt strafbar gemacht. Diese Daumenlutscher-Geschichte – die ist viel zu brutal. Da hört für mich die Freiheit der Kunst definitiv auf – unlängst am Beispiel Jan Böhmermanns sichtbar geworden, dass man damit nicht alles rechtfertigen kann.“

„Und trotzdem“, wirft Linda ein „nun ist er ein Teil des Museums!“ Denn auch der Journalist und Satiriker Jan Böhmermann hat die Aktualität des Struwwelpeter erkannt! Mit dem Film Dr. Böhmermanns Struwwelpeter parodiert und kommentiert er die heutigen Elterngenerationen.  So kompensiert der nervöse Konrad den Leistungsdruck seiner übereifrigen Mutter, indem er am Daumen lutscht. Eingebettet in eine Nachrichten-Liveticker-Szenerie erfährt der Zuschauer, dass der Schneider ein Blutbad verrichtet hat und Konrad mit K geschrieben wird.
Den Film könnt ihr euch in unserer Ausstellung anschauen, genau wie alle anderen Werke, die wir bei unserem Bloggertag juristisch analysiert haben. Was ihr von den schaurig-schönen Geschichten rund um den Struwwelpeter haltet, dürft ihr im Anschluss gerne auf euren Blogs, Insta-Accounts, Facebook etc. veröffentlichen oder ganz analog einen Kommentar im Besucherbuch hinterlassen.
Wir freuen uns auf euer Feedback!

Wir bedanken uns bei den Bloggern, die dieses Mal mit dabei waren und für die Fotos, da Richterin Karo schwer zu schleppen hatte:


pottandbeyond
Wahlheimat.Ruhr
Pottleben 
@egoedo 
@marinamarieluu & @nstakemeier
Opa Hausen

Freitag, 29. November 2019

Das ist ja die Krönung!


Malschule Oberhausen wird zur T-Shirt-Factory für Königinnen und Könige

von Sarah Bauer
 
Schwarze T-Shirts liegen in sauberen Stapeln auf dem Tisch. Daneben Vorlagen auf Papier, die Kronen verschiedenster Formen zeigen und gelbe Kisten mit Stiften. Friedlich wie Neuschwanstein im Morgennebel ruhen die Materialien im Raum der Malschule Oberhausen. Dann bricht ein royaler Sturm der Begeisterung los. 14 Kinder der Grundschule Falkensteinschule, die am museumspädagogischen Projekt LUDWIG CHARTS der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen teilnehmen, flitzen herrschaftlich durch die Gänge. Heute ist ein besonderer Tag: Die Kids bedrucken ihre eigenen T-Shirts. Mit ihren selbst entworfenen Kronen. Im Team. Da wird erst mal über das beste Design debattiert. Demokratie statt Monarchie. Und jede Menge Spaß. 

T-Shirt-Druck für die LUDWIG CHARTS, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Nach dem 3-Gänge Menü – Pizza, Brötchen und Saft – begeben sich die kleinen Künstlerinnen und Künstler konzentriert ans Werk.
„Das T-Shirt ist mir aber zu groß!“, beschwert sich Prinzessin Lia-Marie. Projektleiterin Ursula Bendorf-Depenbrock weiß die Meuterei zu stoppen und findet fix ein Kleidungsstück in Größe S.
„Es ist herrlich, mit wie viel Enthusiasmus und Kreativität die Kinder hier arbeiten“, freut sich die Leiterin der Malschule. Bei den LUDWIG CHARTS erkunden die Schülerinnen und Schüler die aktuelle Ausstellung der LUDWIGGALERIE; forschen, fragen, betrachten. Am Ende einigen sie sich gemeinsam auf ihre TOP 10 und präsentieren diese dann einem Publikum. „Dabei lernen die Kids nicht nur stumpf etwas über Kunstgeschichte, sondern befassen sich spielerisch mit den Werken, werden neugierig und erhalten zusätzlich noch Coachings für selbstbewusstes, freies Sprechen vor anderen.“

T-Shirt-Druck für die LUDWIG CHARTS, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Der Radiergummi-Notfall und jede Menge Inspiration

Im Rahmen des Projekts gibt es immer wieder Sonderveranstaltungen außerhalb des Museums, bei denen die Kinder Mal-, Zeichen-, und Drucktechniken hautnah erleben oder die Umgebung der Galerie erkunden.
Nachdem die passenden Shirts ausgesucht sind, geht es an die Auswahl des Motivs. Passend zum Schloss Oberhausen sollen am Ende verschiedenste Kronen auf den T-Shirts der Kinder prangen. Zur Inspiration hat das Siebdruck-Team der Malschule - Gitta Winhuysen und Thomas Bäumen - einige Beispiele mitgebracht.
„RADIERGUMMI!“, schallt es auf einmal alarmiert durch den Raum. Ali ist aufgelöst und fahndet nach der Möglichkeit, den kleinen Knick, den er aus Versehen in seine Krone gezeichnet hat, wieder auszubügeln. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Die Kinder sind ganz in ihrem Element. 

T-Shirt-Druck für die LUDWIG CHARTS, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Am anderen Ende seufzt Paul schwermütig über dem Zeichenbrett. „Guck mal, wie schwer die Krone ist!“ Natürlich hat er sich auch eine besonders komplizierte Vorlage ausgesucht. Gar nicht so einfach – das mit dem König der Welt.
Derweil sitzen Laura und Amelie kichernd über der bereits fertigen Zeichnung. „BFF Queens“ haben sie unter ihre Krone geschrieben. Best Friends Forever.
„Die Buchstaben müsst ihr für den Druck jetzt aber auch alle einzeln ausschneiden“, sagt Gitta Winhuysen. Da fällt einem schon mal das Zepter aus der Hand.
Gleich gegenüber blickt Noah auf seinen Entwurf und setzt einen skeptischen Gesichtsausdruck auf: „Ich krieg dat nich so hin, Ali!“, konstatiert er dann sehr ernst in schönstem Ruhrpott-Deutsch.

T-Shirt-Druck für die LUDWIG CHARTS, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Ab in den Druck!

Nach einer Stunde sind dann aber alle Grundrisse fertig und die ersten Kronen liegen ausgeschnitten auf den Tischen. „Es kommt ja nicht darauf an, was ihr ausgeschnitten habt, sondern was übrig bleibt“, erklärt Jasmin Thormählen. Denn die Schablonen werden nachher auf die T-Shirts gelegt. Durch Siebdruck füllen sich dann die Stellen mit Farbe, an denen das Papier fehlt.
Seit einiger Zeit ist die flüssige Farbe zum Druck auch in Gold erhältlich. Die BFF Queens haben sich schon einmal angestellt, um auf keinen Fall die Krönung ihrer T-Shirts zu verpassen.
Im Nebenraum nimmt Videograph Kevin Casper kleine Interviews mit den Kids auf, in denen sie über sich und die LUDWIG CHARTS sprechen.
„Komm, wir gehen erstmal zu dem Interview!“, ruft Medina aufgeregt, als sie erfährt, dass der Andrang bei der Druck-Station gerade groß ist. Die Augen der Kinder leuchten. Besonders, als die ersten Resultate sichtbar werden.

T-Shirt-Druck für die LUDWIG CHARTS, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

„Boah ey! Das sieht richtig gut aus!“, ruft Ali. In der Tat wirken die T-Shirts so, als wären sie gerade frisch aus einer Profi-Druckerei gekommen.
„Jetzt müsst ihr die Motive noch föhnen, damit sie schneller trocknen“, erklärt Gitta Winhuysen. Schon laufen nebenan die bunten Föhne heiß.
Nach Hause nehmen können die jungen Künstlerinnen und Künstler ihre Werke heute noch nicht.
„Die muss ich noch überbügeln, damit man sie später auch waschen kann“, so Bendorf-Depenbrock. Präsentiert werden sie ohnehin bei der großen Abschlussvorstellung der LUDWIG CHARTS vor allen Eltern und Besuchern.

T-Shirt-Druck für die LUDWIG CHARTS, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Die findet am 13. Dezember in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen statt. Wo dann auch das Geheimnis um die TOP 10 der Ausstellung DER STRUWWELPETER gelüftet wird. Um 15:30 Uhr geht es los. Wer mag, kann kommen.
Ganz sicher gibt es neben einer begeisterten Gruppe von Königinnen und Königen auch eine spannende, heitere und unkonventionelle Einführung in die künstlerische Entstehung von Zappel-Philipp, Paulinchen und Hanns Guck-in-die-Luft.
Die Kinder der LUDWIG CHARTS freuen sich darauf.