Freitag, 22. Februar 2019

Pop Art im Coverdesign – Interview mit Kuratorin Jennifer Liß

Ausstellungsansicht, BRITISH POP ART, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Seit April 2018 ist die Kunsthistorikerin Jennifer Liß nun schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen beschäftigt. Für die aktuelle Ausstellung BRITISH POP ART– Meisterwerke massenhaft aus der Sammlung Heinz Beck kuratierte sie den Plattencover-Bereich, der u.a. das 1967 erschienene Beatles-Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band in den Fokus nimmt. Eine Ikone der Musikgeschichte, im akustischen wie auch visuellen Sinne! Wie es zu dem Kultstatus kam, erklärt Kuratorin Jennifer Liß im Interview:

Peter Blake und Jann Haworth, Plattencover The Beatles zu Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, 1967 © Apple Corps. Ltd.

Wer ist eigentlich dieser Sergeant Pepper und wieso hat er einen Klub der einsamen Herzen gegründet?
 
Jennifer Liß: Nachdem die Beatles bis 1966 ständig auf Tour gewesen waren, entschlossen sie sich mit dem Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band zu einem Imagewandel. Weg von den netten Jungs mit den Pilzkopf-Frisuren, hin zu einer Band mit neuem Sound, tiefergehenden Lyrics und anderem musikalischem Anspruch. Imagewechsel waren zu dieser Zeit noch gar nicht so üblich, insofern war das ein mutiger Schritt. Und Sergeant Pepper diente ihnen dazu, ihre neue Identität zu formen. Eine fiktive Marschkapelle, in der viele Vorbilder, Stars und sogar Wachsfiguren der Beatles Platz fanden.


Ausstellungsansicht, BRITISH POP ART, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Ausstellungsansicht, BRITISH POP ART, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Von Karl Marx über Bob Dylan bis hin zum Guru Sri Paramahansa Yogananda – bei den „Klubmitgliedern“ handelt es sich um etwa 70 prominente Persönlichkeiten verschiedener Zeiten und Länder. Vorne, in unmittelbarer Nähe zu Marlon Brando, Oscar Wilde und Marlene Dietrich stehen die Beatles höchstpersönlich, gekleidet in bunten Militärkapellentrachten. Wie kam es zu dieser skurrilen Idee für das Plattencover? 
 
Jennifer Liß: Wer nun wirklich die Idee für diese Art der Umsetzung hatte, ist etwas umstritten. Aber die grundsätzliche Idee zu der neuen Alter-Ego-Band stammt von Paul McCartney. Als die Idee gestreut wurde, sich in eine neue, fiktive Band zu verwandeln, bekamen die Beatles von dem Galeristen Robert Fraser den Tipp, Pop-Art-Künstler Peter Blake zu beauftragen. Schließlich wurde daraus sogar noch eine Kooperation mit Jann Haworth, einer weiteren Künstlerin und damals Ehefrau Blakes. Zusammen schufen sie diese lebensgroße Assemblage aus Schaufensterpuppen und Pappaufstellern, denen die Gesichter berühmter Stars aufgeklebt wurden. Hinzu kamen einige Wachsfiguren aus Mme. Toussauds – auch ihre eigenen Abbilder wurden hinzugeholt und stehen in erster Reihe – sowie diverser Figuren, Alltagsgegenstände wie Fernseher oder Wasserpfeife oder der soft sculpture Granny von Jann Haworth. Mit Hyazinthen wurde schließlich vorne das Beet bepflanzt, damit es nach einem Park aussieht, in dem die Kapelle Rast macht. Das alles machte vor allem auch einen organisatorischen Aufwand: Wer sollte überhaupt Mitglied der Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band werden? Die Bandmitglieder, Blake und Fraser schrieben Listen mit ihren Wunschkandidaten. Die Abbildungen für die verschiedenen Berühmtheiten mussten nicht nur besorgt, vergrößert und montiert werden, sondern auch Bildrechte mussten eingeholt werden. Weil zum Beispiel Leo Gorcy eine Gebühr für die Nutzung seines Fotos verlangte, wurde er kurzerhand entfernt. Hitler, Gandhi oder Jesus galten als zu problematisch und wurden ebenfalls aus der Gruppe genommen. Alles in allem wurde also ein großer Aufwand betrieben, um dieses Albumcover zu gestalten. Dafür hat es sich jedoch gelohnt. Es wurde immer wieder rezipiert, parodiert und ist bis heute zum bekanntesten Cover von Peter Blake. Das Cover verbindet viele Pop-Art-Elemente wie den Starkult, die Anspielung auf die damals neuen Medien sowie die Kunsttechniken Collage und Assemblage.

Ausstellungsansicht, BRITISH POP ART, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Nur ein Jahr später veröffentlichen die Beatles ihr neuntes Studioalbum – bekannt als The White Album. Minimalistischer kann ein Design wohl kaum sein! Weißes Klappcover, ohne Albumtitel und ohne Foto der Band. Lediglich der farblose Prägedruck gibt einen Hinweis auf den Bandnamen. Auch diese Gestaltung geht zurück auf einen Künstler der Pop-Art-Szene: Richard Hamilton. In welchem Verhältnis steht das Design des Sgt.-Pepper’s-Albums und des White Albums zu der musikalischen Entwicklung der Beatles?
 
Jennifer Liß: Musikalisch betrachtet sollte es ja bereits mit Sgt. Pepper in eine neue Richtung gehen. Erstmals wurden zum Beispiel hier die Lyrics der Songs auf der Rückseite des Covers abgedruckt – das hatte es vorher nicht gegeben! Mit dem White Album wurde dann noch mehr Wert auf gute Lyrics und sinnhafte Songs gelegt. Es gibt politische Inhalte, es gibt Kritik und Selbstreflektion. Es geht weg von dem bunten Einerlei, das einfach nur viele Fans finden soll. Und so geht auch das Cover künstlerisch weg von dem Vorherigen. Nach der überbordenden Fülle des letzten Albums – was blieb noch übrig, um sich neu aufzustellen und abzusetzen? Doch nur die absolute Reduktion. Statt vieler Details und bunter Uniformen entschloss sich Hamilton dazu, alles Ablenkende auf die Innenseite zu verbannen. Dort gab es sie aber noch – die Porträts der Bandmitglieder oder eine Posterbeilage mit einer Collage von Fotos und Zeichnungen der Band. Diese wurde ebenfalls von Hamilton gestaltet, womit wir wieder bei der British Pop Art und ihrem liebsten Medium sind.


Der Ausstellungsraum zeigt insgesamt 15 Plattencover von verschiedenen Künstlern und Musikern. Pop Art und Pop Music gehen hier eine besondere Liaison miteinander ein. Einerseits entlehnen die Künstler ihre Motive der Populärkultur; andererseits wird das Kunstwerk, in Form des Plattencovers, massenhaft produziert. Kunst und Massenkultur durchdringen sich gegenseitig. Inwiefern verändert sich dadurch das allgemeine Kunstverständnis? Und welche Rolle spielt dabei der Käufer des Endproduktes?

Jennifer Liß: Zunächst wird die Kunst für jeden erschwinglich, denn jeder, der sich ein Exemplar des White Albums oder anderer von Künstlern gestalteter Platten kaufte, nahm ein Kunstwerk mit nach Hause. Es gibt hier keine Trennung mehr zwischen einer Schicht, die sich Kunst leisten kann, und einer, die keinen Zugang dazu bekommt. Sie wird massentauglich. Und dann bekommt der Käufer noch eine partizipative Rolle. So wie bei einigen Kunstwerken, in denen Teile ausgeschnitten werden sollen oder wie bei Joe Tilson’s Clip-O-Matic mit Wechselrahmen, können sie auch hier selbstständig mitwirken. Gerade Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band fällt hier auf. Jeder Käufer bekommt mit dem Album auch einen Ausschneidebogen, auf dem er Schnauzbart, Orden und Streifen für die Uniform heraustrennen kann. Mit ihrer Hilfe kann er selbst Teil der fiktiven Band werden und sich zu den Stars der Gruppe hinzugesellen. Damit wird der Käufer des Kunstwerks selbst Teil davon.

Ausstellungsansicht, BRITISH POP ART, 2019 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
  





Die Ausstellung BRITISH POP ART – Meisterwerke massenhaft aus der Sammlung Heinz Beck. Special Guest: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band ist bis zum 12. Mai 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen. Erstmalig konzipierte die LUDWIGGALERIE einen SOUND-WALK, der den Ausstellungsrundgang musikalisch begleitet. Die Geräte können gegen eine Gebühr von 3 Euro an der Kasse geliehen werden.

Die Fragen wurden gestellt von Natascha Kurek.



























 



Mittwoch, 12. Dezember 2018

Nach 20 Jahren LUDWIGGALERIE präsentieren 20 MitarbeiterInnen des Hauses ihre Lieblingswerke aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen © Thomas Wolf

Petra Broedner ist in der Verwaltungsabteilung der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE beeindruckt sie vor allem das großformatige Gemälde „Ausgesperrte Kinder“ (1980) von Hanefi Yeter. „Die Geste zeigt sich hier in den Gesichtern und Händen der Kinder, die sehnsüchtig nach draußen blicken. Vor allem als Kind verspürt man das Bedürfnis, nach draußen zu gehen, um mit anderen zu spielen. Eingesperrt in einem Innenraum, scheinen sie wie Gefangene vom Leben ausgesperrt zu sein.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Mario Müller arbeitet als Ausstellungsaufsicht in der LUDWIGGALERIE. Sein Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das großformatige Bild „Führergruß“ (2005) von Thomas Baumgärtel. „Das Werk veranschaulicht, was eine Diktatur mit einer Gesellschaft anstellen kann. Man muss das Bild aus einiger Entfernung betrachten, damit seine volle Wirkung zur Geltung kommt.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Claudia Jäkel ist im Besucherservice und IT-Bereich der LUDWIGGALERIE beschäftigt. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie besonders das Pastell-Bild von Raimondo Puccinelli. „Das Bild zeigt die Tänzerin Mary Wigman, die den Künstler mit ihrem modernen Ausdruckstanz schlicht begeisterte. Und genau das bewundere ich an diesem Werk: Die Darstellung kraftvoller Dynamik, verbunden mit Leichtigkeit, Anmut, Eleganz und Schönheit. Für mich eine besonders expressive Geste.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Die Museumspädagogin Angela Noack-Zwick gibt Führungen und Workshops in der LUDWIGGALERIE. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das Gemälde „Fünf nackte Frauen“ (1973) von Johannes Grützke. Vor allem gefällt ihr „die Theatralik und der Humor, den Grützke durch seine Schonungslosigkeit der Darstellung transportiert. Und der Surrealismus! Wer möchte nicht fliegen können? Außerdem habe ich selber vier Schwestern“ – dies erklärt dann wohl ihre problemlose Eingliederung in die Bildszenerie.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Caroline Tillmann-Schumacher ist stellvertretende Leiterin der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr insbesondere das Werk „5:3“ (2006) von Thomas Baumgärtel: „Ich finde es schön, Frau Merkel zu Deutschlands Fußball-Sieg gegen Argentinien jubeln zu sehen. Sonst kennen wir ja eher die Merkelraute. Diese taucht übrigens innerhalb der Ausstellung bereits in einem „Ars bene moriendi“ aus der Zeit um 1475 auf.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Cristina Christel ist Museumspädagogin und gibt Führungen in der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie vor allem das Gemälde „Madonna“ (1979-1980) von Claudio Bravo. „Besonders faszinierend finde ich die hyperrealistische Malweise des Werkes. Man bekommt zunächst das Gefühl, als würde es sich um eine Fotografie handeln. Interessant ist aber auch die Darstellung der Gesten: Sie charakterisieren die Heiligen, die um Maria und das Christuskind versammelt sind.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Jennifer Liß arbeitet als Ausstellungsassistentin in der LUDWIGGALERIE. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das „Niederländische Sprichwörterbild“ (1559). Es handelt sich um eine Kopie nach Pieter Brueghel (d. Ä.) und zeigt 101 sinnbildlich dargestellte Sprichwörter und Redewendungen, wie z. B. „Sein Mäntelchen nach dem Wind hängen“ oder „Beim Teufel zur Beichte gehen“. Vor allem interessiert sie die etymologische Entwicklung solcher meist regional entstandenen Sprichwörter. Und welche Rolle spielt hier die Geste? „In diesem Fall verweisen die Gesten auf einzelne Redewendungen. Demnach drückt die Geste hier weniger einen Gemütszustand aus, sondern visualisiert vielmehr den sinnbildlichen Ablauf des jeweiligen Sprichwortes, z. B. Sich an die eigene oder eben die fremde Nase fassen.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Tim Kleinreesink ist im Besucherservice der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihm besonders das Werk „Die Pest“ (1913). „Ich bin ein großer Fan des Künstlers Franz von Stuck! Vor allem beeindruckt mich die formatfüllende Darstellung der Medusa-ähnlichen Frauengestalt, die mit einer Sense auf den Betrachter zugeht. Die dunkle Szenerie ist eindringlich.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Christiane Brox unterstützt die LUDWIGGALERIE im wissenschaftlichen und organisatorischen Bereich. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr das Werk „L'APPROCHE. Moi qui éprouve une peine énorme à me tenir à la hauteur des choses“ (1970) von Gérard Gasiorowski. „Das Gemälde zeigt in fotorealistischer Darstellungsweise die Geste des Applauses. Die heitere Stimmung geht mit Begeisterung, Anerkennung und Leidenschaft einher und passt somit sehr gut zum Anlass der Ausstellung – dem Jubiläum der LUDWIGGALERIE.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Ursula Bendorf-Depenbrock ist die künstlerische Leiterin der städtischen Malschule und Artothek. Zudem konzipiert sie Programme und Projekte für die Museumspädagogik der LUDWIGGALERIE. Aus der aktuellen Ausstellung DIE GESTE mag sie vor allem das Werk „Echo“ (1972) von Hann Trier. "Die Geste visualisiert sich hier als gestischer Malakt. Mit den spontanen Pinselzügen in unterschiedlichen Grauwerten entsteht ein spannungsreiches dynamisches Formgefüge mit großer Tiefenwirkung. Für mich persönlich der perfekte Bildaufbau".
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Herr Stahl arbeitet als Ausstellungsaufsicht in der LUDWIGGALERIE. Sein Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das Ölgemälde „Joseph und das Weib des Potiphar“ (18. Jh.) von Carlo Cignani: „Generell gefällt mir klassizistische Malerei sehr gut – vor allem barocke Bildszenerien sind immer sehr emotional aufgeladen. Die hier dargestellte Situation ist aus heutiger Sicht eher untypisch: Eine unbekleidete Schöne klammert sich voller Begehren an einen Mann, der sich daraufhin in abwehrender Geste von der Verführerin wegdreht.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 

Denise Cornelißen ist im Besucherservice der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr vor allem das Werk „Reversible and Interchangeable Phases of Motion, No.6“ (1972) von Dóra Maurer: „Die verschiedenen Handstellungen erinnern mich an die Gebärdensprache, die so wichtig ist für gehörlose Menschen. Mich persönlich fasziniert Gebärdensprache; sie hat etwas Geheimnisvolles an sich – aus diesem Grund gefällt mir wohl auch das Werk von Dóra Maurer.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Dagmar Winkler ist zuständig für die Presse- Öffentlichkeitsarbeit der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie das Werk „Hut und Handschuhe“ (1930/2012) von Ellen Auerbach. „In der Fotografie kommt die perfekte Harmonie zwischen Komposition und Geste zum Ausdruck. Auf einem quadratischen Holzblock ruht der mit einer „Toque“ dekorierte Kopf einer Schaufensterpuppe. Das Arrangement wird vervollständigt durch eine rechteckige Unterlage, auf der ein elegantes Paar über Kreuz gelegter Handschuhe liegt. Die Modeaccessoires der 1930er Jahre, eingebettet in die Formen von Oval, Quadrat, Kreis, Kreuz und Rechteck, bringen die Geste optimal zur Geltung.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Susanne Hannoschöck ist in der Objektleitung der LUDWIGGALERIE tätig. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE hat sie sich eine tibetische Skulptur mit dem Titel „Lama mit Vitarka Mudra“ (19./20. Jh.) ausgesucht. Der Künstler ist unbekannt. „Gyalsab Rinpoche ist als Experte in der Meditation bekannt und war verantwortlich für die Rezitation aller Sutras in der Möchsversammlung. Die hier gezeigte Vitarka Mudra – auch bekannt als Gyan oder Jnana Mudra – verbessert die Konzentration, bringt Klarheit, schenkt inneren Frieden und spirituelles Wachstum.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Sabine Henneken ist die Verwaltungsleiterin der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie vor allem den Siebdruck „Wir sind die Neuen“ (2017) von Heike Kati Barath. „Im Ringen um echte Mitbestimmung in unserer parlamentarischen Demokratie scheint sich dieses junge Mädchen den Leitspruch der Aufklärung zu eigen gemacht zu haben: ‚Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ Ihr Blick und ihre Haltung sind herausfordernd, ja latent aggressiv. Sie ist nicht kampflos bereit, sich ihren Platz in der Gesellschaft von anderen zuweisen zu lassen.

Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Susanne Supovec arbeitet im Besucherservice der LUDWIGGALERIE. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist die „Weibliche Figur“ (1. H. 20. Jh.) der Mali Senufo. „Selbstbewusst und stolz steht sie da, fest auf ihren muskulösen Beinen, und hält in kraftvoller, wehrhafter Geste den Calao, den mythologischen Urvogel der Senufo, wie ein Schutzschild hoch über ihren Kopf erhoben. Mit rituellen Hautritzungen und einem Lippenpflock versehen, gleicht der nackte Körper einer Rüstung. Sogar die Brüste scheinen Waffen zu sein. Diese Holzskulptur der Senufo, einer westafrikanischen Ethnie mit traditionell matriarchaler Kultur, zeigt eine machtvolle weibliche Figur, die – ob nun Stammeskriegerin oder Fruchtbarkeitsgöttin – für mich von archaischer Schönheit ist.“
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Axel J. Scherer ist Fotograf. In der LUDWIGGALERIE arbeitet er mitunter auch als Musemspädagoge. Sein Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist das großformatige Gemälde (2017) von Claudia Kaak. „Was mich an diesem Bild am meisten bewegt, ist die Exaktheit des eingefangenen Momentes. Zum Ausdruck kommt ein Gefühl zwischen Angst, Verzweiflung und Kummer – letztendlich ein affektiver Gemütszustand, der hier genau im richtigen Moment festgehalten ist. Dies zwar in fotografischer Exaktheit, aber eben nicht wirklich fotografiert, sondern meisterlich in Öl umgesetzt. Eine große Emotion eingefangen in nur einem Bild.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Sarah Bockting gibt Führungen in der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE gefällt ihr besonders gut das Ölgemälde „Art Books“ (1991) von Anne Bering. „Das Werk zeigt eine fiktive Künstlerbibliothek. Während manche Buchrücken einen Künstlernamen oder kunsthistorischen Verweis enthalten, sind auf einigen Buchrücken Bildausschnitte aus bekannten Kunstwerken abgebildet: Zum einen Max Beckmanns Hand mit Zigarette, zum anderen die Wundmale Christus. Mit diesen Bildzitaten und Namensnennungen, lässt sich das Werk gewissermaßen auch als Geste der Honorierung betrachten.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 
Nina Dunkmann ist eine der Kuratorinnen der LUDWIGGALERIE. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. Ihr Lieblingswerk aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE ist die Fotografie „John Lennon, Statue of Liberty“ (1974/2017) von Bob Gruen. „Es gibt Ikonen, die Dauergäste in der LUDWIGGALERIE sind. Bei der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! konnten wir John Lennon noch bei der Kissenschlacht mit seinen Band-Kollegen beobachten. In der kommenden Ausstellung BRITISH POP ART wird es unter anderem um die Plattencover der Beatles gehen. In der MODRILLO-Ausstellung wiederum wurde die Freiheitsstatue mit Knollennase und Sträflingsuniform dargestellt. Und auch auf dieser Fotografie von Bob Gruen wirkt es (leider), 1974 wie heute, eher provokant, wenn Lennon das Peace-Zeichen vor der Freiheitsstatue macht.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Linda Schmitz ist Volontärin in der LUDWIGGALERIE. Aus der Jubiläumsausstellung DIE GESTE mag sie die Zwerge von Ottmar Hörl, insbesondere „Sponti“ (2006). „Der Mittelfinger gehört zu meinen Lieblingsgesten – diese Handstellung bedarf keiner weiteren Sprachelemente, was für mich eine aussagekräftige Geste ausmacht.
Ausstellungsansicht, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
   
Weitere Gesten gibt es noch bis zum 13. Januar 2019 in der Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein zu entdecken.

Fotoprojekt: Natascha Kurek










Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eine tolle Geste der STOAG!


v.l. Ursula Bendorf-Depenbrock (Städtische Malschule), Werner Overkamp (Geschäftsführer der STOAG), Caroline Tillmann-Schumacher (stellv. Leiterin der LUDWIGGALERIE), 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zum 20-jährigen Jubiläum hat die STOAG der LUDWIGGALERIE die Gestaltung eines Linienbusses geschenkt. Nun fährt ein rosa-roter Bus durch Oberhausen. Außerdem hat die STOAG Oberhausener Schulklassen eine kostenfreie An- und Abreise zur Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit ermöglicht. Herr Overkamp, wie kommt es zu diesen tollen Gesten gegenüber der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen?
Werner Overkamp: Der rosa-rote Bus, der für die LUDWIGGALERIE wirbt, ist eine schöne Idee. Buswerbung ist ein geeignetes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das hat die LUDWIGGALERIE verdient. Und auch die pädagogische Arbeit des Museums ist wichtig für unsere Stadt. Deshalb unterstützt die STOAG im Jubiläumsjahr die LUDWIGGALERIE noch mehr als sonst. Wenn die STOAG mit überschaubaren Mitteln öffentliche Einrichtungen unterstützen kann, tut sie das gerne.
Seit Februar 2014 sind Sie nun schon Mitglied im Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Was hat Sie persönlich dazu bewogen dem Verein beizutreten?
Werner Overkamp: Es ist toll, dass Oberhausen mit der LUDWIGGALERIE eine Kulturinstitution hat, die auch überregional bekannt ist und geschätzt wird und viele Besucher anlockt. Das muss gefördert werden. Ich persönlich bin von Mitgliedern des Freundeskreises, die dort ehrenamtlich eingebunden sind, angesprochen worden und engagiere mich nun im Rahmen meiner Möglichkeiten ebenfalls. Dazu kommt, dass meine Frau und ich uns für Kunst interessieren.
Als einziges Museum in Nordrhein-Westfalen präsentiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen regelmäßig Positionen zum Thema Comic. Nach ENTENHAUSEN, MORDILLO oder FIX & FOXI zeigen wir bald die große Ausstellung DER STRUWWELPETER – Zappel-Philipp, Paulinchen und Hans Guck-in-die-Luft zwischen Faszination und Kinderschreck von 1844 bis heute. Welche populäre Comicfigur verbinden Sie persönlich mit ihrer Kindheit? Und welchen ihrer Kindheitshelden würden Sie gerne mal in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen sehen?
Werner Overkamp: Ehrlich gesagt habe ich als Kind gar nicht so gerne Comics gelesen. Nur Popeye, den fand ich klasse. Erst später habe ich durch meine eigenen Kinder Gefallen an Micky Maus und Walt Disney gefunden, die ja bereits Inhalt der Ausstellung Entenhausen waren.
Wann feiert denn die STOAG ihr nächstes Jubiläum?
Werner Overkamp: Wir haben im Jahr 2021 ein kleines Jubiläum zu feiern, nämlich 25 Jahre ÖPNV-Trasse und Wiedereinführung der Straßenbahn. Ein Jahr später ist es 125 Jahre her, dass die erste elektrische Straßenbahn in Oberhausen fuhr und damit die Ära des öffentlichen Nahverkehrs in Oberhausen begann. Das ist natürlich schon ein richtig großes Jubiläum, das wir auch entsprechend feiern möchten.



Die Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Die Fragen wurden gestellt von Natascha Kurek.