Montag, 29. April 2019

Schüler führen Schüler durch BRITISH POP ART

Für die aktuelle Ausstellung BRITISH POP ART – Meisterwerke massenhaft aus der Sammlung Heinz Beck. Special Guest: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band übernahm Jennifer Liß die Leitung des Schulprojektes Schüler führen Schüler. In ihrem Blogartikel gibt sie uns Einblick in den mehrwöchigen Projektverlauf:

Selbstbewusst sitzen die acht Schüler*innen des Elsa-Brändström-Gymnasiums im Lesecafé der LUDWIGGALERIE und diskutieren bei heißer Schokolade und Latte Macchiato über die letzte Runde von Schüler führen Schüler. Die Neuntklässler*innen haben sich neun Wochen lang auf ihre Führungen durch die aktuelle Ausstellung British Pop Art vorbereitet. Nun ist die letzte Führung vorbei und das Heißgetränk die wohlverdiente Belohnung.

Bereits seit Januar trafen wir uns einmal pro Woche im Museum, um die anstehenden Führungen vorzubereiten. Ein großer Vorteil dieser Gruppe: Sie waren eh schon halbe Profis! Bis auf Amélie, haben alle bereits Schulklassen durch die letzte Ausstellung Die Geste begleitet. Das Prozedere kennen sie also schon. Und Amélie wird einfach mitgenommen und bekommt die Tipps direkt von den Freunden aus der Klasse. Wofür bin ich dann eigentlich noch da?


Ach ja, natürlich brauchten die Schüler*innen erst einmal selbst einen Überblick. Beim ersten Treffen ging ich mit der Gruppe durch die gerade eröffnete Werkschau. Möglichst viele Werke vorstellen. Die Thematik erläutern. Sich zurechtfinden. Zumindest bei diesem ersten Rundgang waren die Schüler*innen noch relativ still. Das änderte sich aber schon in der darauffolgenden Woche.

Aufgeteilt in drei Gruppen, in denen später auch die Führungen stattfinden sollten, hieß es nun „selbst erkunden!“. Welche Werke sind interessant? Was soll später gezeigt werden? Klar sollten die Hauptthemen der Ausstellung abgedeckt sein, aber an sich war die Werkauswahl komplett frei. Und so fiel auch die Auswahl der drei Trupps sehr unterschiedlich aus. Während Laura und Antonia Robin Pages Insel integrierten, nahmen Jason, Japheth und Tijana lieber sein Werk Handshake mit auf. Hingegen entschieden sich Michelle, Leonie und Amélie für Joe Tilsons Four Elements, das die anderen gänzlich unbeachtet ließen.

Nun ging es an die Ausarbeitung der Inhalte! Bewaffnet mit Ausstellungskatalog, Audioguide, den Schildern in der Ausstellung und natürlich dem Internet, begaben sich die Schüler*innen selbstständig auf die Suche nach Informationen. Als dann die Termine für die Führungen irgendwann feststanden, musste noch fleißig geübt werden.


Erste Probeführungen vor den eigenen Leuten: sich der Kritik stellen, Fehler ausmerzen. Später dann Generalprobe vor der eigenen Familie oder auch schon vor kurzerhand angefragten Museumsbesuchern. Vieles hatten sich die Kids bereits in der letzten Runde Schüler führen Schüler angeeignet. Richtig zu stehen, deutlich zu sprechen oder sich nicht vor das Werk zu stellen, das man gerade behandelt – solche Anfängertipps musste ich gar nicht mehr geben. Doch was war nochmal ein Siebdruck? Was hat es mit Auflagen auf sich? Und wie hieß noch der Entwickler der Benday Dots? [Anmerkung: Er hieß Ben Day J] Diese Fragen klärten wir immer wieder, damit in den Führungen auf jede mögliche Frage eine Antwort vorläge, sofern das überhaupt möglich ist.

Anfang April war es dann soweit. Zwei Grundschulklassen, eine siebte und eine elfte Klasse ließen sich von den Schülerinnen und Schülern des Elsa-Brändström-Gymnasiums durch die Ausstellung führen. Besonders die Grundschulklassen bereiteten ihnen großen Spaß: „Die Führungen waren dann gut, wenn alle ernsthaft mitgemacht haben“, meint Antonia im Nachhinein. Und die Viertklässler stellten eben viele Fragen und waren hoch konzentriert bei der Sache. Wer am Ende mehr von dem Projekt mitgenommen hat – die angelernten Museumspädagogen oder die geführten Schulklassen –, lässt sich schlecht sagen. Spaß gemacht hat es beiden Seiten. Und die Lehrer, die mit ihren Klassen ins Museum kamen, stellten auch immer wieder fest: „Es ist doch etwas anderes, wenn die Kinder von Jugendlichen geführt werden. Das sollte man viel öfter machen!“


Erst im Herbst gibt es eine neue Runde Schüler führen Schüler. Dann werden sich wieder neue Freiwillige der neunten Klasse auf die Ausstellung „Der Struwwelpeter. Zappel-Philipp, Paulinchen und Hanns Guck-in-die-Luft zwischen Faszination und Kinderschreck von 1844 bis heute“ vorbereiten. Und hoffentlich wieder viele interessierte Klassen durch die Ausstellung begleiten.

Autorin: Jennifer Liß

Besucherrekord, Beatles und bunte Pop Art – Präsentation der LUDWIG CHARTS bewegt mehrere Generationen


„Das hier ist John Lennon. Der wurde erschossen. Warum, weiß ich leider nicht mehr“, sagt Melanie selbstbewusst und pragmatisch. Dabei deutet die Grundschülerin der Oberhausener Falkensteinschule mit einer ausladenden Geste auf das Portrait des ehemaligen Beatles-Sängers.
Die Menschenmenge vor den Bildern ist fast so bunt wie die Siebdrucke und Fotografien selbst. Es ist großer Präsentations- und Abschlusstag der LUDWIG CHARTS im Schloss Oberhausen. Über viele Wochen haben die zwölf Viertklässler die LUDWIGGALERIE und die aktuelle Ausstellung BRITISH POP ART – Meisterwerke massenhaft aus der Sammlung Heinz Beck erkundet und sich gemeinsam auf ihre TOP 10 aus allen Werken geeinigt. Zusammen mit einem Team aus Museums- und Medienpädagogen haben sie nicht nur massenhaft Wissen über Pop Art angehäuft, sondern in Körper- und Sprechtrainings auch erfahren, wie großartig es sein kann, vor anderen Menschen frei über Kunst zu reden und die ganz eigenen Eindrücke zu schildern. 

Melanie ist von den Portraits der Beatles begeistert
Doch bei der enormen Menge an Zuschauern, die heute gekommen ist, flattern dem ein oder anderen dann doch die Nerven. „Ich kann es kaum fassen, dass so viele Leute hier sind“, freut sich Ursula Bendorf-Depenbrock, eine der Projektleiterinnen. Sie strahlt und flitzt zwischen den Besuchern hin und her. „Wir haben ja immer ein volles Haus bei den Präsentationen – aber dieses Mal ist es ein Rekord. Man kommt ja kaum noch durch die Tür!“
Eltern tragen jüngere Geschwister der Teilnehmer auf den Schultern, die Kameras klicken und niemand verlässt den Raum, bis auch das letzte Bild vorgestellt ist.
„Die Fotos von den Beatles haben wir uns ausgesucht, weil sie so schön alt aussehen“, erklärt Melanie weiter. Leises Gelächter beim nicht mehr ganz so jungen Semester im Publikum.
„Da drüben hängt das Weiße Album“, raunt ein Herr seinem Bekannten zu. „Daran erinnere ich mich noch gut. Das war damals was!“
Viel Andrang bei der Präsentation der LUDWIG CHARTS

Es ist ein explosives und kreatives Zusammentreffen verschiedener Generationen, vereint durch den gemeinsamen Blick auf die Highlights der britischen Pop Art.
„Das Foto hier ist schwarz-weiß. Es sieht aus wie aus einer Fernsehserie von damals!“, erklärt eine der Schülerinnen ihr Lieblingsbild, das aus den 1970er Jahren stammt.
„Warum ist das denn schwarz-weiß und nicht bunt?“, tönt es aus der Menge.
Die Truppe der LUDWIG CHARTS-Kinder überlegt. „Vielleicht hat der Künstler es ja im Fernsehen gesehen und abgeguckt. Da war doch alles schwarz-weiß!“, ruft Nele dann. Wieder fröhliche Belustigung im Publikum.
Am meisten sind die Schülerinnern und Schüler von Farben und Formen beeindruckt.
„Schaut mal, das ist so schön pink – wie eine Schneekugel“, zeigt sich Melanie begeistert, während sie auf das Werk „Out of Focus Objects and Flowers“ von Colin Self deutet. Dann geht sie ins Detail: „Also nicht nur Pink. Wir haben hier auch noch Rosa, Lila und Magenta!“ Natürlich!

Pink, Lila und Magenta – es gibt viel zu entdecken in den Bildern
 „Es ist wahnsinnig toll, was die Kinder alles hier im Museum wahrnehmen“, findet Sabine Falkenbach, die die LUDWIG CHARTS mit Ursula Bendorf-Depenbrock gemeinsam leitet. „Wir sind selbst immer wieder überrascht und sehen Dinge, die wir noch überhaupt nicht entdeckt haben.“
Und so zieht nicht nur die Kunst die Aufmerksamkeit der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf sich, sondern auch das Schloss Oberhausen selbst. Schließlich ist die knallig-rote Fassade mit dem gläsernen Anbau ein echter Hingucker.
„Wir haben Postkarten über die LUDWIGGALERIE gestaltet“, sagt Renata stolz. An der Wand lehnt eine ganze Reihe leuchtend pinker Karten, die das Schloss in jeglicher fantastischen Form zeigen. Eben ganz so, wie jeder es für sich sieht.
„Außerdem waren wir mit einer Polaroid-Kamera draußen, rund um das Museum! Da haben wir richtig tolle Dinge gesehen, wie eine schwebende Brücke oder Schnee und Tiere!“

Bunte Postkarten vom Schloss
Die LUDWIG CHARTS erhalten noch bis Ende 2019 die volle Förderung durch den Deutschen Museumsbund. Dieser führt das Projekt im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch. Es hilft besonders jungen Menschen aus eher bildungsfernen Milieus, einen spielerischen und kreativen Zugang zu Kultur zu erhalten. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
„Und wenn ich jetzt sehe, wie enthusiastisch die Kinder sind, wie sie die Leute mitreißen und das Museum lebendig gestalten, weiß ich, dass wir den richtigen Weg gegangen sind, junge Menschen für Kunst zu begeistern!“
Die Polaroids, Karten und den Film zum Projekt finden Besucher noch bis zum Ende der Ausstellung am 12. Mai in den Räumen der Museumspädagogik im Obergeschoss der LUDWIGGALERIE.

Das Format LUDWIG CHARTS mit der Erstellung der eigenen TOP TEN ist auch Bestandteil des buchbaren museumspädagogischen Angebots für andere Schulen und Klassen jeden Alters. Unter https://www.ludwiggalerie.de/de/paedagogik/ludwig-charts erhalten Interessierte weitere Informationen.

Alle Teilnehmer im Portrait




Autorin: Sarah Bauer