Donnerstag, 18. Juni 2020

PROJECT BLACK PERIOD - Arthothek Upgrade


Ein Blogbeitrag von Sarah Bauer
Kunst für alle und jedem Künstler eine Bühne!
„Ich bin da in Jogginghose hin mit einem Waschkorb voller Bilder“

Markus von Frieling vor einem seiner Werke, 2020 © Sarah Bauer
Schwarz ist es. Düster. Und ist da nicht gerade ein Gesicht auf dem Papier erschienen? Jetzt ist es wieder weg.
Markus von Frieling grinst verschmitzt, versucht aber gleich wieder, es zu verbergen. Denn sein Kunstprojekt „PROJECTBLACKPERIOD“ ist nicht lustig. Seit sieben Jahren beschäftigt sich der Künstler mit ausdrucksvoller, abstrakter und dunkler Malerei. Klingt fast wie dunkle Magie. Bisher ist sein Ausstellungsraum das Internet gewesen. Eine Instagram-Galerie, eine Website. Und überhaupt. Eigentlich ist er Erzieher und nicht Picasso. Bis er von Niksan Rajaratnam entdeckt wurde, der vor vielen Jahren als Schüler im Jugendprojekt LUDWIG CHARTS zum ersten Mal die LUDWIGGALERIE betrat und eigentlich so gar nichts mit Kunst am Hut hatte.

Vor der Artothek, 2020 © Sarah Bauer
Eine erstaunliche Geschichte darüber, wie eine Ausstellung ganz ohne Kunsthistoriker, Juroren und Hemmschwellen entstehen kann. Mit einem Künstler, der weder Preise gewonnen, noch einen großen Namen oder eine lange Liste an Veröffentlichungen hat. Sondern einfach nur Talent – und das Glück, mit den richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.
„Ich kenne den Markus vom Sport“, erzählt Niksan. „Da hat er mir mal so nebenbei erzählt, dass er Kunst macht.“ Als Jugendlicher gefiel Niksan das museumspädagogische Projekt LUDWIG CHARTS im Schloss Oberhausen so gut, dass er nach Ende einfach blieb und seitdem ehrenamtlich für die Galerie arbeitet. Von wegen für junge Menschen ist Museum langweilig! „Niksan ist inzwischen eine echte Institution hier“, sagt die Designerin und Museumspädagogin Ursula Bendorf-Depenbrock begeistert. Niksan wirft ihr einen schiefen Blick über seine große Brille zu. Er will hier nicht gleich Autogramme geben, sondern macht das alles einfach, weil es ihm ehrlich Spaß macht.

Vor der Artothek, 2020 © Sarah Bauer
„Auf jeden Fall fand ich es cool, dass Markus meinte, er mache Kunst. Also habe ich mir die Arbeiten mal angeschaut und dachte, okay, das sieht echt gut aus und würde total gut zur LUDWIGGALERIE passen!“, erinnert sich Niksan.
Als er mit seiner Idee zu Ursula Bendorf-Depenbrock kam, hatte die gleich ein offenes Ohr. Und kurze Zeit später kam Markus von Frieling in die Artothek der LUDWIGGALERIE, wo normalerweise einmal im Monat Kunstwerke von Interessierten ausgeliehen werden können. „Ich bin da in Jogginghose hin mit einem Waschkorb voller Bilder“, sagt er und streicht sich durch die langen Haare.

Kein Nadelstreifenanzug, kein Sektchen, kein Kurator. Kunst und Künstler. Roh. Runtergebrochen auf das, was wirklich ist. „Ich war echt aufgeregt. Ich wollte mich ja mit meinem Vorschlag nicht vor Ulla blamieren“, gibt Niksan zu und blickt beiseite. „Dann war sie geflasht.“ 
Markus von Frieling vor der Artothek, 2020 © Sarah Bauer
Ursula Bendorf Depenbrock überlegte kurz, schaute zwischen Niksan, den Bildern von Markus von Frieling und den Räumlichkeiten hin und her.
„Die Artothek bekommt ein Update? Upgrade?“, diskutierte sie dann mit Niksan.
Und plötzlich war ein ganzes neues Format „Art.Upgrade_2020“ geboren. Eine neue Ausstellungsreihe in der Artothek. Direkt neben den Hallen der LUDWIGGALERIE, in denen schon Andy Warhol und Gerhard Richter hingen. Mit Künstlern, die noch keinen großen Namen haben – so wie Markus von Frieling. Vorgeschlagen und ausgewählt durch Menschen, die bewusst keine Kunstfachleute sind.
An dieser Stelle kam Praktikantin Jasmin Thormählen ins Spiel. „Ich sichte, sortiere, rahme und plane gern das erste „Art.Upgrade_2020“ mit in der Artothek“, tat Jasmin kund.
Den Anfang macht die Ausstellung „PROJECTBLACKPERIOD“. „Wenn es klappt, wäre es toll, wenn wir in Zukunft mindestens einmal im Jahr einen Künstler im neuen „Art.Upgrade_2020“ in der Artothek der LUDWIGGALERIE vorstellen könnten“, freut sich Ursula Bendorf-Depenbrock.
Markus von Frieling hat die Leidenschaft zur Kunst eigentlich nur entdeckt, weil er seinen alten Beruf hingeworfen hat. „Bis ich 27 war, habe ich als Systemgastronom bei einer großen Fastfood-Kette gearbeitet. Doch das war es einfach nicht. Ich habe gekündigt und noch einmal eine Ausbildung angefangen. Als Erzieher.“

Werke des Künstlers, 2020 © Sarah Bauer
In der Ausbildung drückt ihm eine Lehrerin im Zuge einer Aufgabe auf einmal einen Spachtel und Farbe in die Hand. Mach mal. Kreiere was damit. Markus entdeckt eine persönliche Begeisterung. Seitdem arbeitet er in seiner Freizeit mit schwarzer Acrylfarbe, die er mit dem Spachtel auf Papier aufträgt, das nicht größer als DIN A4 ist. Anschließend scannt er das Werk ein und verändert in Gimp die Richtwerte, bis der Kontrast für den Künstler stimmig ist. Somit ist das Werk am Ende teils analog, teils digital.

„Schon in der Jugend hatte ich viel mit Graffiti und Comics zu tun“, berichtet Markus von Frieling. „Dieser Stil hat mich visuell beeindruckt.“ Inzwischen muten seine Kunstwerke ein bisschen an wie bei den bekannten Rorschach-Tests, mit denen der 1884 geborene Psychiater Hermann Rorschach Patienten schattenhafte Bilder zeigte, in denen sie Dinge beschreiben und erkennen sollten.
Werke des Künstlers, 2020 © Sarah Bauer
In der Tat erscheinen immer neue Figuren, Formen und Umrisse vor dem Auge des Betrachters. Ist da nicht gerade ein Gesicht auf dem Papier erschienen? Jetzt ist es wieder weg.
„Beautiful Pieces of Darkness“ lautet der Untertitel der Ausstellung. „Ich gebe es zu, ich habe manchmal eine gewisse, düstere Grundstimmung“, erklärt Markus. „Die schleppe ich dann mit mir herum, bis ich sie in meiner Kunst rauslassen kann. Sie ist mein Ventil.“
„Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Besucher. Aber jetzt erst einmal diese Ausstellung hier machen!“
Gerahmt haben Ursula Bendorf-Depenbrock und Jasmin Thormählen die Bilder schon. Jetzt freuen sie sich auf die Präsentation am 20. und 21. Juni von 11 – 18 Uhr. 

Schrifzug der Artothek, 2020 © Sarah Bauer

Montag, 15. Juni 2020

Jurierung zum Max und Moritz-Preis beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen

Blogbeitrag von Dr. Christine Vogt, Direktorin der LUDWIGGALERIE

Dank der Lockerungen zur Corona-Pandemie kann sich die Jury des Erlanger Max und Moritz-Preises persönlich treffen und in die Stadt des Festivals anreisen. Die sieben Jurymitglieder kommen aus Berlin, Hamburg, Hannover, der Schweiz und natürlich Erlangen. Ich reise aus Oberhausen an. 
Es ist eine große Ehre, an der Jury zum wichtigsten deutschsprachigen Comic-Preis teilnehmen zu dürfen und natürlich ist es auch eine Auszeichnung der Arbeit der LUDWIGGALERIE zu diesem Themenkomplex.

BU: Jurymitglieder: v. li.: Katinka Kornacker (Hannover) Andrea Heinze (Berlin) stehend: Andreas C. Knigge (Hamburg) Christine Vogt (Oberhausen) Bodo Birk (Erlangen) sitzend: Christian Gasser (Luzern), Isabel Kreitz (Hamburg, Vorsitzende der Jury)
 

Es wurden knapp 300 Titel eingereicht, die von uns allen gelesen wurden. Hier ein Blick über den Tisch mit den Einreichungen zum „besten internationalen Comic“.
Büchertisch im Tagungsraum in Erlangen
Von klein bis groß, von dick bis dünn reichen die Formate der eingereichten Beiträge. Was allerdings nicht heißt, dass die umfangreichen Bücher auch immer inhaltsschwerer sein müssen. Sehr unterschiedliche Inhalte sind da möglich. Ein weites Feld… Hier mal zwei Vergleiche.

Jason Lutes: Berlin und Nadine Redlich: I hat you sowie Pratt, Hugo / Héctor G. Oesterheld: Ticonderoga und Rautie: Tag des Friedhofs

Da es wirklich schwierig ist, aus dem umfangreichen, sehr qualitativen und so abwechslungsreichen Programm, das manchmal absolut nicht zu vergleichen ist, auszuwählen, wird jeder Band ausgiebig in der Gruppe diskutiert. Wir sind alle sehr froh, dass wir das – mit Abstand – vor Ort und persönlich machen konnten. Eine Videokonferenz wäre hier sehr schwierig geworden.

Die Jury am großen Tisch mit „Corona-Abstand“: (v. li. Christine Auernheimer [Kulturamt Erlangen], Andrea Heinze, Katinka Kornacker, Christine Vogt, Christian Gasser, Bodo Birk, Andreas C. Knigge, Isabel Kreitz
Der Max und Moritz-Preis wird in sechs Kategorien vergeben: 

Bester deutschsprachiger Comic
Bester internationaler Comic
Bester deutschsprachiger Comic-Strip
Bester Comic für Kinder
Beste studentische Comic-Publikation
Spezialpreis der Jury 

Wir haben uns die Entscheidungen nicht leicht gemacht. Mehrfach stand es 3:4 oder 4:3 für ein Werk. Trotzdem gibt es viele Beiträge, die auch eine Nominierung oder einen Preis verdient hätten. Aber es muss ja eine Auswahl getroffen werden. 



Bei der Diskussion: Andreas C. Knigge, Christine Vogt, Katinka Kornacker, Isabel Kreitz

Nun warten alle gespannt auf die Ergebnisse, denn Mitte Juli sollen die Preisträger*innen bekanntgegeben werden.Aufgrund der aktuellen Pandemielage kann der Salon leider nicht in der Realität stattfinden und wird auch nicht nachgeholt, doch die Preise werden trotzdem verliehen und ich gratuliere allen Beteiligten schon jetzt sehr herzlich. 

Und natürlich freuen wir uns alle sehr darauf, uns in zwei Jahren in Erlangen bei einem „normalen“ Salon wiederzusehen!