Montag, 12. November 2018

LUDWIG Familien-Tag in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Am gestrigen LUDWIG Familien-Tag erhielten Prinzessinnen und Prinzen einen großen Auftritt im rosa Schloss. Zunächst einmal stand die Krönchen-Führung auf dem Programm. Zusammen mit der Museumspädagogin Linda Schmitz sollten die jungen BesucherInnen ihre Lieblingswerke aus der Ausstellung DIE GESTE krönen. Dies gestaltete sich komplizierter als gedacht – die gestische Malerei war den feinen Damen und Herren „viiiel zu krakelig“ und auch die Farbkompositionen entsprachen zumeist nicht den Lieblingsfarben. Doch der wohl größte Skandal, den die Kunstkritiker einvernehmlich aufdeckten, lautete: „Bah, die sind ja alle nackt auf den Bildern!“.
Noch bis zum 13. Januar 2019 vereint die LUDWIGGALERIE rund 150 Kunstwerke von insgesamt 86 KünstlerInnen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen – dennoch: die Prinzessinnen und Prinzen verharrten in ihrer naserümpfenden Skepsis. So entschied man sich letztlich dazu, die Museumswerkstatt aufzusuchen, um selbst Hand anzulegen!   
Gesagt, getan: drei Kreise hier, ein Strich da und schon erkennt jeder den Schneemann. Weihnachten steht vor der Tür und auch die Adeligen unter uns müssen Geschenke besorgen – wie praktisch, dass sich ein solch prachtvolles Kunstwerk mit der Methode der Kaltnadelradierung beliebig oft reproduzieren lässt. Und so funktioniert‘s: Auf die Bleistiftzeichnung wird eine transparente Kunststoffplatte gelegt und mit Klebeband befestigt. Nun lassen sich die sichtbaren Bleistiftkonturen mit einer Radiernadel nachziehen.
Kunststoffplatte von der Bleistiftzeichnung entfernen und mit Tinte betupfen. Die Tinte kräftig verreiben, sodass die Farbe in die eingeritzten Konturen dringt.
Die überschüssige Farbe mit einem Tuch von der Kunststoffplatte entfernen und schon erkennt man wieder die Konturen des Schneemanns.
Zu bedruckendes Papier befeuchten, …
… zusammen mit der Radierplatte in eine Druckpresse legen, …
… einmal kräftig an der Kurbel der Druckpresse drehen und schon gibt es zu Weihnachten eine wunderbare Schneemann-Zeichnung für Mama, Papa, Oma, Opa, Tante, Onkel, Schwester, Bruder, etc.
Nach der Arbeit war Wellness angesagt: Die Damen standen Schlange, um sich passend zu ihren Prinzessinnen-Kleidern schminken zu lassen.

Dies brachte dann wohl auch die entscheidende Entspannung, sodass im letzten Moment doch noch Krönchen in der Ausstellung DIE GESTE verteilt wurden. Unter anderem gab es eine Krone für den violetten Zwerg von Ottmar Hörl! Gratulation!
Zwischenzeitlich wurde im Kleinen Schloss der LUDWIGGALERIE das Spiel der Elemente aufgeführt. Unmittelbar vor den Werken der Ausstellung STOFFWECHSEL – Die Ruhrchemie in der Fotografie präsentierten OXEA-Mitarbeiter chemische Experimente für Kinder. 
Kinder durften hier einen Tauchschein für Gummibärchen absolvieren, Farbstifte in ihre Spektralfarben aufteilen, eine Luftballonrakete bauen und dabei zusehen, wie sich ein Luftballon mithilfe von Essig und Backpulver wie von Zauberhand selbst aufbläst.



Kunstgrüße in alle Welt! durften Besucher im Museumsfoyer mit den von Matthias Beckmann gestalteten Postkarten verschicken. Das Porto übernimmt die LUDWIGGALERIE. Zur Auswahl stehen sechs verschiedene Postkartenmotive, die den Entstehungsprozess der Ausstellung DIE GESTE dokumentieren. Übrigens: DieTeilnahme an dieser Kunstaktion steht euch demnächst weiterhin an der Info-Theke im Kleinen Schloss zur Verfügung. Kostenfrei. Nur solange der Vorrat an Postkarten reicht.
Die Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Autorin: Natascha Kurek
Alle Abb.: LUDWIG Familien-Tag, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ekstase, Geste, Partypose: Wir wollen euch tanzen sehen! Ludwig Party in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Im Rahmen der Ausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein fand vergangenen Samstag die Ludwig Party statt! Während DJ Strangelove im Museumsfoyer schon die ersten Tracks auflegt, …
… beginnt im Raum nebenan die erste Speed-Führung. „Also morgen habe ich keine Stimme mehr“, meint die Museumspädagogin Sabine Falkenbach beinahe rufend zu der Besuchergruppe, die sie gerade durch DIE GESTE führt. Tapfer kämpft sie weiter gegen die Bass-Sounds von DJ Strangelove an.
Währenddessen werden beim Siebdruck-Workshop die ersten T-Shirts in der Museumswerkstatt bedruckt:
Siebdruckrahmen auf dem glatt ausgebreiteten T-Shirt positionieren. Dann Farbe auftragen und mit einer Rakel kräftig auf der zu bedruckenden Fläche verteilen – so dringt die Farbe durch die offenen Gewebestellen auf den Stoff. Das Sieb entfernen und tadaa: Toll, wie die rote Arbeiterfaust auf dem weißen T-Shirt wirkt!
Das ideale Geschenk für Apostolos Tsalastras, den Kulturdezernenten der Stadt Oberhausen. Mit seinem neuen T-Shirt und dem Peace-Zeichen fügte er sich perfekt in die Ludwig Party und die Ausstellung DIE GESTE ein.
Weitere prominente Gäste waren u. a. Angela Merkel und Donald Trump:
Immerhin ist die jubelnde Kanzlerin durch das Werk „5:3“ von Thomas Baumgärtel bereits Teil der Ausstellung DIE GESTE. So ließ sie sich nicht lange bitten und schaute mit bester Laune auf der Ludwig Party vorbei. 

Thomas Baumgärtel, 5 : 3, 2006 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Während Jennifer Liß in den Ausstellungsräumen die nächste Speed-Führung gibt, ...

… füllt sich die Tanzfläche im Museumsfoyer zusehends.


Auch die Queen zählte nicht unbedingt zu den schüchternen Party-Gästen!
Zu später Stunde wurde sie sogar mit einem Hamburger-Pullover an den Turntables von DJ Strangelove gesichtet!   

Das Team der LUDWIGGALERIE dankt allen Gästen für diesen tollen Abend und freut sich schon jetzt auf die nächste Party im Museum!
Die Ausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen!

Roy Lichtenstein, Finger Pointing, 1973 © Estate of  Roy Lichtenstein / VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Autorin: Natascha Kurek
Alle Abb.: Ludwig Party, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



Mittwoch, 17. Oktober 2018

Seltsame Hasen, knalliger Pop und der Geruch von Ölfarbe: LUDWIG LUST weckt alle Sinne


„Gut gebaut dieses Gebäude!“, ruft einer der Schüler anerkennend. „Ich fühle mich von den Statuen beobachtet“, sagt ein anderer. „Und es riecht nach altem Buchdruck“. Kurze Stille. Kichern. „Ich sehe einen nackten Mann und eine nackte Frau!“

Bei museumspädagogischen Projekt LUDWIG LUST an der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen haben fünfzehn Jugendliche Ausflüge zu den drei Ludwig-Museen in Köln, Aachen und Koblenz gemacht – und festgehalten, was sie in den jeweiligen Ausstellungen gesehen, gehört, gerochen und empfunden haben. Dabei heraus kam Aufregendes, fernab von dem, was oft auf den kleinen Exponatenschildern steht.


Viele der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 18 Jahren haben vorher bereits an einem anderen Projekt – den LUDWIG CHARTS  teilgenommen. Seit 2013 begeistern die Leiterinnen Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach im Rahmen der Förderung durch den Deutschen Museumsbund damit junge Menschen rund um die LUDWIGGALERIE in Oberhausen. Dabei können die Jugendlichen gemeinsam ihre TOP 10 Werke der aktuellen Ausstellung auswählen und präsentieren diese anschließend der Öffentlichkeit. Unterstützt durch Körper- und Sprechtrainings mit Profis aus dem Bereich Theater, Medien und Film. Und weil das Projekt über so lange Zeit so gut ankommt, haben Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach nun die Förderung für ein Anschlusskonzept eingeheimst: die LUDWIG LUST.



Ganz viel Lust auf die große Sammlung der Ludwigs

„Das Spannende ist ja, dass wir nicht nur in Oberhausen ein Ludwig-Museum haben, sondern dass es die Häuser weltweit gibt. Und einige davon sind ganz in unserer Nähe“, freut sich Ursula Bendorf-Depenbrock. Mehr als 14.000 Werke hat das inzwischen verstorbene Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig seit den 1950er Jahren zusammengetragen. Heute zeigen 26 Museen auf drei Kontinenten die Schätze ihrer Sammelleidenschaft – zwölf davon tragen den Namen „Ludwig“. Neben der Ludwiggalerie in Oberhausen haben die Projektleiterinnen deshalb drei weitere Museen in der Umgebung ausgespitzt, zu denen sie die Jugendlichen während der LUDWIG LUST mitnehmen wollten. „Ein Blick über den Tellerrand“, sagt Sabine Falkenbach schmunzelnd. „Wir wollten doch mal sehen, was in den anderen Ludwig-Häusern so los ist, nachdem uns die jungen Menschen schon in Oberhausen mit ihren frischen Ansichten überrascht haben.“


„Unwichtiges ins Museum geholt!“ – Pop Art im Museum Ludwig Köln

Auf den Fahrten ins Museum Ludwig in Köln, ins Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen und ins Ludwig Museum Koblenz stehen weder trockene Führungen, noch das Auswendiglernen von Fakten auf dem Plan. Nein, die LUDWIG LUST fordert die Sinne der Schülerinnen und Schüler heraus. Sie sollen während des Streifzugs in den Räumen und Anlagen rund um die Ausstellungshäuser aufschreiben, was sie sehen, riechen, hören und fühlen. Welche Kunst-Epoche im Museum Ludwig in Köln Einzug gehalten hat, lässt sich an den Ausrufen leicht erkennen: „Elvis, Geldschein, USA, Werbung!“, schallt es durch den Saal. „Neon-Ludwig! Bunte Zahlen. Unwichtiges ins Museum geholt!“ Das muss Pop Art sein. Daneben fällt einigen Jugendlichen der Geruch von Ölfarbe auf, leise Musik und ein Rauschen.


Stille hören im Suermondt-Ludwig-Museum

Ich rieche alte Farbe“, geht es im Suermondt-Ludwig-Museum weiter. „Nee, es riecht nach altem Buchdruck!“, erwidert ein Mitschüler. „Also die Dekoration ist echt gut gewählt. Wunderschöne Wände“, gibt es ein Lob für die Innenarchitektur. „Ich fühle mich von den Statuen beobachtet. Geister. Götter. Unheimlich.
Neben der Kunst blicken die Jugendlichen auch auf sich als Besucher und nehmen die Geräusche wahr, die sie selbst mit in die Ausstellung bringen. „Schritte. Lachen.“ Eine kurze Gedankenpause. „Ich höre Stille“, sagt schließlich einer.
Es ist unheimlich interessant, was unsere Gruppe bei der LUDWIG LUST alles wahrnimmt“, bemerkt Ursula Bendorf-Depenbrock. „Wie es plötzlich nicht mehr nur darum geht, ein Kunstwerk zu betrachten, sondern darum, das Exponat und alles darum herum bis zum urbanen Umfeld im Außenraum zu beobachten und zu erfahren.


Ganz viele seltsame Hasen in Koblenz

In Koblenz schließlich erst einmal wieder Verwunderung: „Man kommt rein und wird von einem Hasen überrascht!“ Doch das ist nicht alles. „Ich habe ein Bild gesehen, wo ein Hase drauf ist, der elektronisiert ist.“ Die Ausstellung verstört und weckt zugleich zahlreiche Assoziationen und Interpretationen. „Es durftet nach altem Holz, Öl und Acryl. Es schallt hier sehr. Hellohring.
Fleißig notieren die Schülerinnen und Schüler auf kleinen Karten alles, was ihre Sinne weckt. Die Notizen sammeln die Museumspädagoginnen Ursula Bendorf-Depenbrock, Sabine Falkenbach und die Ehrenamtliche Monika Kempkes später ein. Zurück in Oberhausen werden sie geordnet und dem Schauspieler Klaus Zwick übergeben, der die Eindrücke für das Team einspricht und aufnimmt. Denn an der LUDWIG LUST sollen noch viel mehr Menschen teilhaben. Beim Großevent Extraschicht 2018 waren die vertonten Impressionen schließlich in der Artothek der LUDWIGGALERIE für die Öffentlichkeit hörbar.

Die LUDWIG LUST – „Eine großartige Idee!“

Ich finde das eine ganz großartige Idee“, zeigt sich Besucherin Milena Meurer beeindruckt. „So nimmt man den Museen das Staubige, das ja gerade Jugendliche noch oft empfinden. Es ist überraschend, was die jungen Leute alles wahrnehmen, wenn man sie die Kunst mal auf ihre eigene Weise offen entdecken lässt.
Die Projekte LUDWIG CHARTS und LUDWIG LUST sind speziell für Jugendliche gedacht, die aus eher bildungsfernen Hintergründen stammen und selten mit Kultur und Kunst in Berührung kommen. Die Projektleiterinnen freuen sich, dass sie nun gesichert bis Ende 2019 weitermachen können – mithilfe des Deutschen Museumsbundes im Rahmen von Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung des Innenministeriums für Bildung und Forschung.



Autorin: Sarah Bauer

Alle Abbildungen: LUDWIG LUST, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen