Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eine tolle Geste der STOAG!


v.l. Ursula Bendorf-Depenbrock (Städtische Malschule), Werner Overkamp (Geschäftsführer der STOAG), Caroline Tillmann-Schumacher (stellv. Leiterin der LUDWIGGALERIE), 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zum 20-jährigen Jubiläum hat die STOAG der LUDWIGGALERIE die Gestaltung eines Linienbusses geschenkt. Nun fährt ein rosa-roter Bus durch Oberhausen. Außerdem hat die STOAG Oberhausener Schulklassen eine kostenfreie An- und Abreise zur Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit ermöglicht. Herr Overkamp, wie kommt es zu diesen tollen Gesten gegenüber der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen?
Werner Overkamp: Der rosa-rote Bus, der für die LUDWIGGALERIE wirbt, ist eine schöne Idee. Buswerbung ist ein geeignetes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das hat die LUDWIGGALERIE verdient. Und auch die pädagogische Arbeit des Museums ist wichtig für unsere Stadt. Deshalb unterstützt die STOAG im Jubiläumsjahr die LUDWIGGALERIE noch mehr als sonst. Wenn die STOAG mit überschaubaren Mitteln öffentliche Einrichtungen unterstützen kann, tut sie das gerne.
Seit Februar 2014 sind Sie nun schon Mitglied im Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Was hat Sie persönlich dazu bewogen dem Verein beizutreten?
Werner Overkamp: Es ist toll, dass Oberhausen mit der LUDWIGGALERIE eine Kulturinstitution hat, die auch überregional bekannt ist und geschätzt wird und viele Besucher anlockt. Das muss gefördert werden. Ich persönlich bin von Mitgliedern des Freundeskreises, die dort ehrenamtlich eingebunden sind, angesprochen worden und engagiere mich nun im Rahmen meiner Möglichkeiten ebenfalls. Dazu kommt, dass meine Frau und ich uns für Kunst interessieren.
Als einziges Museum in Nordrhein-Westfalen präsentiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen regelmäßig Positionen zum Thema Comic. Nach ENTENHAUSEN, MORDILLO oder FIX & FOXI zeigen wir bald die große Ausstellung DER STRUWWELPETER – Zappel-Philipp, Paulinchen und Hans Guck-in-die-Luft zwischen Faszination und Kinderschreck von 1844 bis heute. Welche populäre Comicfigur verbinden Sie persönlich mit ihrer Kindheit? Und welchen ihrer Kindheitshelden würden Sie gerne mal in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen sehen?
Werner Overkamp: Ehrlich gesagt habe ich als Kind gar nicht so gerne Comics gelesen. Nur Popeye, den fand ich klasse. Erst später habe ich durch meine eigenen Kinder Gefallen an Micky Maus und Walt Disney gefunden, die ja bereits Inhalt der Ausstellung Entenhausen waren.
Wann feiert denn die STOAG ihr nächstes Jubiläum?
Werner Overkamp: Wir haben im Jahr 2021 ein kleines Jubiläum zu feiern, nämlich 25 Jahre ÖPNV-Trasse und Wiedereinführung der Straßenbahn. Ein Jahr später ist es 125 Jahre her, dass die erste elektrische Straßenbahn in Oberhausen fuhr und damit die Ära des öffentlichen Nahverkehrs in Oberhausen begann. Das ist natürlich schon ein richtig großes Jubiläum, das wir auch entsprechend feiern möchten.



Die Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Die Fragen wurden gestellt von Natascha Kurek.

Mittwoch, 28. November 2018

Wir gedenken unserer großen Stifterin und Mäzenin Irene Ludwig


1927 wird Irene Maria Therese Monheim in Aachen geboren und beginnt 1947 ihr Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Vor- und Frühgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1951 heiratet sie Peter Ludwig, den sie während des Studiums kennengelernt hat. Das Paar übernimmt die Schokoladenfabrik aus der Familie Monheim.
Zusammen bauen sie eine der wichtigsten und umfangreichsten Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts auf. Von Anfang an erklärtermaßen für die Öffentlichkeit zusammengetragen, sind diese Schätze heute auf 20 Museen in der ganzen Welt verteilt. 12 Häuser – wie auch die LUDWIGGALERIE – tragen ihren Namen. Die Sammlungsgebiete reichen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, von der Pop Art bis zur Präkolumbischen Kunst, vom Porzellan bis zur russischen Avantgarde.
Diesem breiten Sammlungsansatz trägt auch das Programm der LUDWIGGALERIE Rechnung. Die aktuelle Ausstellung zum Thema DIE GESTE versammelt Werke aus der Sammlung Ludwig und der ganzen Welt im Sinne der Stifter. Anlässlich ihres 80. Geburtstages würdigte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Irene Ludwig und ihren verstorbenen Mann als „Deutschlands bedeutendstes Kunstsammler-Paar“. Heute vor acht Jahren, am 28. November 2010, stirbt Irene Ludwig in Aachen und hinterlässt der Öffentlichkeit ein wertvolles Kunsterbe.
Irene Ludwig (in weiß) zusammen mit den Direktorinnen und Direktoren der Ludwig Museen im Rautenstrauch-Joest-Museum, 2010 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Dienstag, 25. September 2018

Museums-Jubiläums-Fest in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Was tun, wenn es regnet? Lächeln und tanzen! Die Mädels der STARS Cheerleader Oberhausen haben am Sonntag bewiesen, dass sie keinesfalls aus Zucker bestehen. Auf dem Schloss-Innenhof eröffneten sie das Museums-Jubiläums-Fest mit einem wahrhaftigen Freudentanz! im Regen.

Kunstgrüße in alle Welt! konnten Besucher mit den von Matthias Beckmann gestalteten Postkarten verschicken. Dies ließ sich auch Marie-Luise O’Byrne-Brandl nicht entgehen. Als „Amouröse Stadtschreiberin“ hat die Künstlerin schon etliche Liebesbriefe an für sie unbekannte Adressaten verfasst – beim Museums-Jubiläums-Fest hatte sie nun die Gelegenheit, ausschließlich Grüße an ihre Liebsten zu verschicken.

Ein weiteres Highlight war die Führung von Apostolos Tsalastras (Kulturdezernent der Stadt Oberhausen) durch die am Vortag eröffnete Ausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein. Unter anderem erläuterte er das Gemälde „Fünf nackte Frauen“ (1973) von Johannes Grützke.

Rockin’ in rhythm gab es von Norbert Hotz am Kontrabass und Rainer Lipski am E-Klavier. Das schlechte Wetter zwang das Duo vom Innenhof in die Panoramagalerie zu ziehen. Passend zum atmosphärischen Regenprasseln stimmten Don & Ray das Publikum in jazzige Stimmung ein.
Nebenan, im Vorraum des Standesamtes hatte die Malschule ihr Lager aufgeschlagen. Hier wurde gedruckt was das Zeug hält! Unter Anleitung des museumspädagogischen Teams probierten sich Kinder, Jugendliche und sogar der ein oder andere Erwachsene an Linolschnitt, Kaltnadelradierung und Prägung aus. Druckpresse und Material standen parat.  

Inmitten der Ausstellung STOFFWECHSEL – Die Ruhrchemie in der Fotografie präsentierten Mitarbeiter des  OXEA Werks Oberhausen chemische Experimente. Kinder und Jugendliche durften hier einen Tauchschein für Gummibärchen absolvieren, Farbstifte in ihre Spektralfarben aufteilen, eine Luftballonrakete bauen und dabei zusehen, wie sich ein Luftballon mithilfe von Essig und Backpulver wie von Zauberhand aufbläst.

Jutta Kruft-Lohrengel ließ es sich trotz eines gebrochenen Beins nicht nehmen, ihre Führung durch DIE GESTE anzutreten. Per Rollstuhl bewegte sich die 1. Vorsitzende des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE durch die Ausstellung fort; die Besucher folgten ihr brav – Hut ab für diese lässige Aktion, Frau Kruft-Lohrengel!
Eine Führung durch die STOFFWECHSEL-Ausstellung gab der Kurator Rainer Schlautmann. Leider wurde das Ende seiner Führung durch klirrendes Geschirr hungriger Gäste beeinträchtigt, die an das Buffet in der Panoramagalerie strömten.   
In Erinnerung an die große Ausstellung Zu[m] Tisch! im Jahr 2010 wurde nämlich auch auf dem Museums-Jubiläums-Fest aufgetischt – diesmal mit Kaffee und Kuchen. Im Namen des Kunsthauses Haven überreichte der Künstler Philipp Valenta der LUDWIGGALERIE ein ganz spezielles Geschenk: einen rosafarbenen Schloss-Kuchen. Als erstes Kuchenstück schnitt der Künstler das Büro von Direktorin Dr. Christine Vogt heraus!

Den Kuchen verpasst hätten beinahe die Gäste der Diskussionsrunde drüben im Großen Schloss. Von der städtischen Galerie zur LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen – zu diesem Thema moderierte Direktorin Dr. Christine Vogt das Gespräch zwischen Burkhard Drescher (ehem. Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen), Jeanette Schmitz (ehem. Geschäftsführerin der Schloss Oberhausen GmbH), Walter Queins (ehem. Geschäftsführender Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung, Aachen), Bernhard Mensch (ehem. Direktor der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen) und  Prof. Dr. Peter Pachnicke (ehem. Kurator der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen).  

Opa Hausen als Bundeskanzlerin Angela Merkel? Für die Führung mit Maskottchen Opa Hausen dachten sich Puppenbauer Dirk Trachternach, Fotograf Maik Heimes und Schauspieler Peter Schütte ein Gewinnspiel der besonderen Art aus. Vier Besucher durften eine Karte ziehen und sollten das darauf abgebildete Kunstwerk in der Ausstellung DIE GESTE wiederfinden – das Problem an der Sache: Auf den Karten waren die jeweiligen Gesten durch Opa Hausen höchst persönlich verkörpert. Nachdem der berentete Bergmann die Ausstellung mit ruhrpöttlerischen Dialekt erklärte, erhielten die Gewinner – na was schon? – eine Opa Hausen-Figur … ganz schön selbstverliebt dieser Typ!   
Zum großen Finale des Museums-Jubiläums-Fests fand zugunsten des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE die Kunstversteigerung Let’s buy it! statt. Direktorin Dr. Christine Vogt und Bernhard Elsemann (2. Vorsitzender des Freundeskreises der LUDWIGGALERIE) versteigerten bei der Auktion 17 Werke für insgesamt 4400 Euro.
Der höchste Betrag wurde für ein Werk von Thomas Baumgärtel geboten. Auf der Rückseite der Leinwand steht in der Schrift des Künstlers „Frohe Weihnachten! In Liebe, dein Thomas.“. Na, da muss sich zumindest eine Person keine Sorge mehr um das ideale Weihnachtsgeschenk machen!  






Die Jubiläumsausstellung DIE GESTE – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein ist bis zum 13. Januar 2019 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Autorin: Natascha Kurek
Alle Abbildungen: Museums-Jubiläums-Fest, DIE GESTE, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Montag, 27. August 2018

FIX & FOXI-Tag für Kinder und Familien



Während Ursula Bendorf-Depenbrock (Leiterin der Malschule) den kleinen Besuchern die Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse erklärt, führt Linda Schmitz (Kuratorin der Ausstellung) eine Gruppe von Erwachsenen durch die Werkschau.


Fix und Foxi sind zwei europäische Rotfüchse – um genau zu sein, zwei Rotfüchse aus Rolf Kaukas idyllischen Fuxholzen. Um sich in die Abenteuer der beiden Fuchszwillinge hineinzuversetzen, durften sich die Kinder in der Museumswerkstatt zu echten Füchsen verwandeln. Zunächst braucht man eine kleine, aber feine Nase. Immerhin ist der Geruchssinn des Fuchses etwa 400-mal besser ausgeprägt als der des Menschen.

Und schwupps: die erste Fuchsnase wird schon anprobiert. Kann man jetzt eigentlich 400-mal besser riechen? Naja, wie dem auch sei …

… auf gar keinen Fall darf der buschige Fuchsschwanz fehlen, der eine Länge von bis zu 45 cm erreichen kann. Über den Schwanz können die flinken Füchse ihr Gleichgewicht steuern.
Für einen fuchsigen Geruchssinn und einen ausgefuchsten Gleichgewichtssinn ist also schon einmal gesorgt.
Jetzt fehlen nur noch die Fuchsohren! Mit ihren aufrecht stehenden spitzen Ohren können Füchse 20-mal besser hören als wir Menschen. Die Fuchsohren arbeiten wie bewegliche Schalltrichter, die den Schall aus verschiedenen Richtungen auffangen.  

Mit einer Haarklammer werden die selbstgemachten Fuchsohren schließlich in den Haaren befestigt. 

Und siehe da: eine waschechte junge Füchsin!
Doch an dem FIX & FOXI-Tag wurden nicht nur Fuchsnasen, Fuchsschwänze und Fuchsohren gestaltet – selbstverständlich wurden auch Füchse gezeichnet!








Ursula Bendorf-Depenbrock erhielt tatkräftige Unterstützung durch die großen Füchse Anna Ignatieva (Kostümbildnerin), Angela Noack-Zwick (Schauspielerin und Museumspädagogin) und Peter Waros (Schauspieler).

Die Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse ist noch bis zum 9. September 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.


+++ Museums-Jubiläums-Fest am Sonntag, 23. September 2018 von 12–18 Uhr +++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++

Alle Fotografien: FIX & FOXI-Tag, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Autorin: Natascha Kurek

Mittwoch, 15. August 2018

Social Media- und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney


Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Mit der aktuellen Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Dinsey, und seine Kultfüchse zeigt die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen über 200 originale Zeichnungen aus dem Rolf Kauka-Nachlass. Ähnlich wie Walt Disney zeichnet Kauka nicht selbst, sondern beschäftigt seit den 1950ern eine ganze Gruppe von Zeichnern. Fortan erleben Lupo und die Fuchszwillinge ihre Abenteuer in dem idyllischen Fuxholzen.


© Sammlung Dr. Stefan Piëch

Hinzu kommen frankobelgische Comics, wie Astérix, Die Schlümpfe oder Lucky Luke, für die Kauka ab den 1960er Jahren die Lizenzen erwirbt und damit einem deutschen Publikum zugänglich macht. Dass Kauka einen bedeutenden Einfluss auf die europäische Comic-Entwicklung ausübt, ist somit unumstritten! Doch in welchem Verhältnis steht der deutsche Kauka zum amerikanischen Disney? Wer ist der Erfinder von Bambi und Dumbo? Welche Unterschiede bestehen zwischen Lupo und Goofy? Und wieso werden sowohl Kauka als auch Disney rassistische Tendenzen vorgeworfen? Diese Fragen diskutierten wir letztes Wochenende ausgiebig auf unserem Social Media- und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney. Ein Nachbericht zu dieser Diskussionsrunde erfolgt in zwei Teilen.

Fix & Foxi- vs. Micky Maus-Heft

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Veranstaltung beginnt mit einem kleinen Ranking: „Fix & Foxi-Magazin oder Micky Maus-Heft? Was war damals euer Favorit?“ fragt Kuratorin Linda Schmitz in die Runde. Die Teilnehmer sind unentschlossen, „Ich habe damals beide Hefte gelesen“, sagt die Bloggerin und Instagramerin Ebru Sen. Die Teilnehmer sind sich einig in ihrer Uneinigkeit und positionieren sich allesamt zwischen die beiden Magazine, allerdings wie man sieht: mit leichter Tendenz zum Micky Maus-Heft!

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Dieses Ergebnis verwundert nicht allzu sehr, vor allem mit Hinblick auf die Popularität dieser Printerzeugnisse – immerhin kommt das erste Eulenspiegel-Heft 1953 auf den Markt und wird erst ab der 29. Ausgabe im Jahr 1955 unter dem Titel „Fix & Foxi“ bekannt. Hingegen ist das erste Micky Maus-Heft bereits 1951 in den deutschen Läden erhältlich; ganz zu schweigen von den Micky Maus-Filmen, die spätestens seit den 1930ern weltweite Bekanntheit erlangen.

Disneys Dumbo

© Sammlung Dr. Stefan Piëch
Steht Kauka also automatisch im Schatten Disneys? Mit dem Blick zur Konkurrenz zitiert er in seinen frühen Comics stellenweise Disney-Figuren, wie zum Beispiel in „Münchhausen’s tolle Abenteuer“  (Eulenspiegel-Heft, Nr. 11, 1954): Auf hoher See fällt plötzlich ein Elefant vom Himmel. „Man soll es nicht glauben, aber herab fällt ein graues, riesiges Etwas“, heißt es in dem Comic. „Es ist Dumbo, Walt Disneys fliegender Elefant“, berichtet der Lügenbaron Münchhausen weiter und steckt sich den Elefanten anschließend in seine leere Streichholzschachtel.

Disneys Bambi

© Sammlung Dr. Stefan Piëch
Eine weitere augenzwinkernde Disney-Adaption findet sich im Fix & Foxi-Heft Nr. 56 (1956): Hier führt Fix den Protagonisten Fritz durch die Kauka-Studios. Soeben wird eine neue Geschichte produziert und Fritz hat die große Ehre, den Zeichnern über die Schulter gucken zu dürfen. Plötzlich steht ein Rehkitz namens Kizzi im Raum und Fritz stellt fest: „Das ist ja Bambi!“. Obwohl die Ähnlichkeit zu Disneys Filmfigur von 1942 offensichtlich ist, entgegnet Fix „Nein, Bambi ist ein Hirschkalb und Kizzi ein kleines Rehkalb.“ Dass in dieser begrifflichen Differenzierung und auch in der optischen Gestaltung der beiden Rehkitze so gut wie keine Unterschiede bestehen, wird wohl auch dem Zeichner und dem Autor dieses Kauka-Comics bewusst gewesen sein.  

Kauka selbst äußerte sich zu dem oft erwogenen Vergleich zum amerikanischen Disney folgendermaßen: „Ich schätze Walt Disney als Freund der Kinder und einfallsreichen Zeichner sehr. Trotzdem nehme ich für mich in Anspruch, aus anderen Erzähler-Traditionen zu kommen und an andere Entwicklungsstufen der erzählenden Graphik anzuschließen.“ 
(Ausstellungskatalog „FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse“, Hrsg. Linda Schmitz u. Christine Vogt, erschienen als Edition Alfons, Verlag Volker Hamann, Barmstedt,  Oberhausen 2018)

Zwillings-Bingo! Finde deinen Kauka-Zwilling! 

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Auf dem Social Media- und Bloggertag untersuchen wir also gemeinsam, inwiefern Kauka diesem Anspruch gerecht wurde. Dafür haben wir ein kleines Spiel vorbereitet: Zwillings-Bingo! Finde deinen Kauka-Zwilling! Jeder Teilnehmer zieht eine Karte, die jeweils einen der berühmten Disney-Charaktere abbildet. Mit dabei sind Goofy, Tick, Trick & Track, Daniel Düsentrieb, Dagobert Duck und Dorette Duck.  Während Kuratorin Linda Schmitz die Gruppe durch die FIX & FOXI-Ausstellung führt, ist es die Aufgabe der Teilnehmer nach ihrem entsprechenden Kauka-Zwilling Ausschau zu halten.

Lupo vs. Goofy

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Opa Hausen (alias Maik Heimes) hat die Goofy-Karte gezogen. Nur einige Sekunden vergehen und schon hat der berentete Bergmann seinen Kauka-Zwilling gefunden. Innerhalb unserer Runde sind wir uns einig: Kaukas Wolf Lupo und Disneys Hund Goofy sind sich verblüffend ähnlich! Beide Figuren haben ein schlaksiges Erscheinungsbild: Lange Ohren, große Füße und eine ausgeprägte Nase. Lupo ist ab 1955 der ständige Begleiter der Hauptcharaktere Fix und Foxi, während auch Goofy ab 1932 als treuer Freund der Figur Micky Maus auftritt. Auch charakterlich weist der verfressene und faule Wolf Lupo eine Annährung zu dem etwas treu-doofen und tollpatschigen Hund Goofy auf.

© Sammlung Dr. Stefan Piëch
Dennoch: Kaukas Figur Lupo hat ihren Ursprung in der deutschen Volksliteratur, um genauer zu sein in Goethes berühmten Tierepos um Reineke Fuchs und den Wolf Isegrim. Im Eulenspiegel-Heft Nr. 5 tritt erstmalig der gewitzte Fuchs mit dem bösen Wolf als Widersacher auf. Hieraus entwickelt sich in Heft Nr. 6 die erste Fix & Foxi-Geschichte. Der grimmige Wolf trägt fortan den Namen Lubo, ab Heft Nr. 29 heißt er Lupo.

Fieb, Piep & Tschiep vs. Tick, Trick & Track

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Während unserer Führung kommen wir an „Emil und die Spatzenkinder“ (Eulenspiegel-Heft Nr. 25, 1954) vorbei. Ausgestattet mit Rucksack und Pfadfinder-Fahne, laufen die drei Spatzenkinder namens Fieb, Piep und Tschiep durch eine idyllische Landschaft.  Nun hat auch Dirk Trachternach (Puppenbauer von Opa Hausen) seinen Kauka-Zwilling entdeckt! Disneys Entendrillinge Tick, Trick & Track sind die Neffen von Donald Duck und treten erstmalig 1937 in Erscheinung. In beiden Fällen handelt es sich um Vogel-Drillinge, die einem Pfadfinderverein angehören. Die Spatzenkinder jedoch singen „Das Wandern ist des Müllers Lust!“, wodurch ein expliziter Bezug zu deutschen Volksliedern hergestellt wird.

Knox vs. Daniel Düsentrieb

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Im Laufe der weiteren Führung wird auch Ebru Sen fündig. Sie hatte den Erfinder Daniel Düsentrieb gezogen, der ab 1952 als enger Freund der Duck-Familie auftritt. Als Kauka-Pendant kann hier der Rabe Professor Knox gesehen werden. Sowohl Knox als auch Daniel Düsentrieb treten als anthropomorphe Vogel-Figuren in Erscheinung, die nicht unmittelbar zu den Hauptcharakteren zählen. Mit ihren genialen Einfällen bereichern sie die Geschehnisse in Fuxholzen und Entenhausen, auch wenn es sich um unterschiedliche Vogelarten handelt.

Onkel Fax vs. Dagobert Duck

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Auf der Karte von Uta Sanders ist Dagobert Duck abgebildet – die reichste Ente der Welt! Ab 1947 tritt dieser Charakter unter anderem in seiner Rolle als Großonkel der Drillinge Tick, Trick & Track auf.  Onkel Fax hingegen ist der Prototyp des spießigen Biedermanns, der erstmalig 1961 in Fuxholzen erscheint. Mit seinem Hang zur Pedanterie versucht er manchmal auch mit offiziersgleichem Ton seine beiden Neffen Fix und Foxi zu erziehen. In unserer Runde stellen wir fest, dass dieser Vergleich ein wenig hapert! Dagobert Duck ist ein geldgieriger Enterich, der den American Dream, aber auch den Kapitalismus verkörpert, wohingegen Fax ein über 60-jähriger Fuchs mit Militärsvergangenheit ist. Mit seinen konservativen Wertvorstellungen verkörpert Fax das Spießerbürgertum des Nachkriegsdeutschlands, während Dagobert Duck als zielstrebiger Welteroberer daher kommt.


Oma Eusebia vs. Dorette Duck

Social Media und Bloggertag #RolfKauka vs. #WaltDisney, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Auch beim nächsten Vergleich ist zu erkennen, dass sich Kauka hier weniger an einer Disney-Figur orientiert hat, als eher an einem gesellschaftlichen Stereotyp. Hildegard Mihm hält eine Abbildung von Dorette Duck in ihrer Hand und betrachtet skeptisch eine Eusebia-Geschichte. „Ja natürlich verkörpert Dorette Duck genauso wie Oma Eusebia die Figur der liebevollen Großmutter, aber das war es dann auch schon mit den Parallelen!“, schlussfolgert die Bloggerin. Und Omas gibt es schließlich nicht nur Entenhausen!


Fuxholzen vs. Entenhausen

© Sammlung Dr. Stefan Piëch
Generell steht das bayrisch anmutende Fuxholzen im Kontrast zum städtischen und kalifornischen Entenhausen. Onkel Fax wohnt zusammen mit seinen Neffen Fix und Foxi in einem idyllischen Häuschen, angrenzend an eine Waldlandschaft mit typisch deutschen Tannen. Im selben Kontext erscheint Eusebias Fachwerkhaus. Ebenso steht Lupos Wohnhaus – eine europäisch geprägte Turmarchitektur – in unmittelbarer Nähe zum Tannenwald. Eingefleischte Fans hatten diese Häuser vielleicht auch im Kinderzimmer stehen. Schließlich gab es in den Heften regelmäßig Bastelbögen mit solchen Motiven! Daher erhielten auch unsere Blogger einen Bastelbogen als Geschenk. Zur Auswahl standen jeweils die Häuser von Fix und Foxi, Lupo, Eusebia und Knox 


Die Moral der Geschicht: Vergleiche zwei Paar Schuhe nicht!

© Sammlung Dr. Stefan Piëch
Mit dem fiktiven Örtchen Fuxholzen erdenkt Kauka in den 1950ern, genauso wie Disney, eine kunterbunte Welt voll von anthropomorphen Tieren. Somit tritt er gewissermaßen in die Fußstapfen Disneys, die zu dieser Zeit nicht gerade klein sind, wenn man an die bereits bestehenden Charaktere Micky, Donald, Goofy & Co. denkt. Während Disneys Figuren zunächst dem amerikanischen Zeitgeist der goldenen Zwanziger entspringen, entstehen Kaukas Figuren in der deutschen Nachkriegszeit. Diese historische Kluft tut sich nicht nur in der Bildsprache der Comics auf, sondern ebenso im erzählerischen Stil. Den cholerischen Wutausbrüchen Donald Ducks steht der erzieherische Grundton Kaukas gegenüber. An beiden Comicgrößen wird seit jeher Kritik geübt. Auch darüber haben wir gesprochen. Auszüge aus unseren Gesprächs-Ergebnissen erhaltet ihr im nächsten Blog-Artikel.  
Die Ausstellung FIX & FOXI. Rolf Kauka, der deutsche Walt Dinsey, und seine Kultfüchse ist noch bis zum 9. September 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
+++ Museums-Jubiläums-Fest am Sonntag, 23. September 2018 von 12-18 Uhr +++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++
Autorin: Natascha Kurek


Wir danken allen Teilnehmern:


Dirk Trachternach und Opa Hausen www.facebook.com/opahausen