Dienstag, 18. August 2020

And the winner is...

Am Sonntag, den 16. August, prämierten die Jury der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen (Miriam Hüning, Kuratorin; Karoline Seck, Volontärin und Axel Scherer, Fotodesigner) und Kulturdezernent Apostolos Tsalastras die Sieger des Fotowettbewerbs "Heimat" und eröffneten den Ausstellungsraum.
 
Teilnehmer des Fotowettbewerbs sehen sich Fotografien an, 2020 © LUDWIGGALERIE

Kulturdezernent Apostolos Tsalastras bei der Preisverleihung, 2020 © LUDWIGGALERIE
 
16 Arbeiten hängen nun physisch in der LUDWIGGALERIE, über 40 weitere Arbeiten laufen per digitaler Diashow über einen großen Fernseher, um jedes eingesendete Werk ausstellen zu können.

AND THE WINNERS ARE...
SEHNSUCHT, 2011 © Achim Kubiak
 
Achim Kubiak, 64 Jahre alt, belegt den dritten Platz mit seinem Bild „SEHNSUCHT“ aus dem Jahr 2011. Kubiak vereint in seiner Fotografie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und überzeugt die Jury inhaltlich und bildnerisch. Idyllisch, aber nicht kitschig, gelingt es Kubiak, eine nicht greifbare Sehnsucht zu visualisieren. Der Bergbau war identitätsstiftend für das Ruhrgebiet und prägt die Sichtweise auf die Region auch heute noch. Kubiak fotografiert einen Bergmann in Rückenansicht in seiner Tracht mit Bergkittel, Schachthut und Federbusch. Er blickt auf das Fördergerüst der Zeche Prosper Haniel in Bottrop. Das Bild ist ein Symbol des Strukturwandels, denn 2018 schließt die Zeche Prosper Haniel als letzte Zeche im Ruhrgebiet. Bis heute bleibt es eine Aufgabe, wie die einstigen Flächen umgenutzt werden können.
2. Platz: Haarstudio Karin, 2020 © Sera Demiral

Den zweiten Platz erhält die Fotografie von Sera Demiral, 18 Jahre alt. „Haarstudio Karin“ (2020) überzeugte die Jury, denn Heimat im Ruhrgebiet muss keinem romantisierten Ideal entsprechen. Hier sind auch verfallene Gebäude einer gewissen Ästhetik würdig. Die Bildautorin hält in ihrer Serie „Where Scrufiness meets Nature“ Orte in ihrer Heimatstadt Duisburg fest, wo das morbid-Verfallene im Vordergrund steht. Die Symmetrie durch Fassade und Auto wird durch die sich links befindenden Rollladen aufgebrochen und erzeugt Lebendigkeit. Die von Sonne angestrahlte Wand gibt dem Verfall eine gewisse Leuchtkraft. Der Jury war diese ehrliche, direkte Darstellung von Heimat sympathisch.

Ruth, 2020 © Denise Ogan

Der erste Preis galt schließlich der Fotografin Denise Ogan, 40 Jahre alt. Sie lichtete im Stile des Fotografen Weegees ihre Nachbarin „Ruth“ ab, so auch der Titel des Fotos. Der Begriff „Heimat“ ist nicht umsonst schwer in andere Sprachen zu übersetzen. Er ist mehr als nur ein schöner Ort, in dem wir leben oder aufgewachsen sind. Hochemotional, durchaus ambivalent und tief verwurzelt in unserer Seele. In diesem eindrücklichen Stimmungsbild wird diese Vielschichtigkeit auf den Punkt gebracht. „Ruth“ nimmt uns mit und lässt uns unmittelbar an ihrem Heimatmoment teilhaben. „Just do nothing“ („Einfach mal nichts tun“) steht in übergroßen Lettern auf ihrem Shirt. Sich Zeit stehlen, den Stress verlassen, „eine rauchen“ und mit der Nachbarin vor der Haustüre ein willkommenes Schwätzchen halten. Ein kleiner, aber umso emotionalerer Heimatmoment, der in dieser menschlichen Begegnung zwischen Fotografin und Model steckt.

Die Ausstellung "Rudolf Holtappel" und die dazugehörigen Fotografien des Fotowettbewerbs können noch bis zum 6. September angesehen werden.